III. Schwankungen und Scheitern der Neutralitätspolitik. 377
3. April ausgesprochenen Erwartungen, so werde man weder
den Russen noch sonst irgend wem den Durchmarsch erlauben.
Hardenberg glaubte noch nicht an den Krieg, meinte aber einen
Druck zu gunsten des Friedens auszuüben und die Neutralität
zu sichern, indem er gegenüber dem Werben des Zaren Frankreich
dadurch seiner Freundschaft versicherte, daß er alle Uebergriffe
ruhig hinnahm, sich mit Scheinkonzessionen begnügte und
die Errichtung des Kaisertums freudigst begrüßte. Dafür wurde
denn auch im Herbst 1804 Friedrich Wilhelm die Annahme des
Kaisertitels nahegelegt. Hardenberg war der Sache geneigt.
Aber der König widersprach, nicht bloß aus Bescheidenheit, sondern
wegen der bedenklichen Konsequenzen, welche diese Nangerhöhung
haben konnte.
Seine Lage wurde immer schwieriger. Schon drohte auch
zwischen Schweden und Frankreich der Krieg, als Ende Oktober
1804 der englische Resident bei dem niedersächsischen
Kreise, Chevalier Rumbold, von den Franzosen auf neutralem
Gebiet aufgehoben und dadurch auch der König als Kreisdirektor
auf das Schwerste beleidigt wurde. Nun wäre aber der Krieg
mit Preußen Napoleon gerade damals höchst unbequem gewesen.
So eilte er — ganz gegen seine Art — auf die Beschwerden
des Königs die Sache durch Freilassung Rumbolds zu erledigen,
indem er sein lebhaftes Bedauern über den Zwischenfall aussprach.
Von welchen Zufälligkeiten hing doch die preußische
Neutralität danach ab! Vergeblich versuchte Friedrich Wilhelm
nochmals zwischen Frankreich und Rußland zu vermitteln: die
Verhandlungen wurden infolge neuer französischer Uebergriffe
abgebrochen. Auch Hannover gegen die westfälischen Lande einzutauschen,
wie angeregt wurde, um die französische Armee von
dort zu entfernen, erwies sich als unmöglich. Preußens Lage
war ungebessert, als der neue Weltkrieg entbrannte, der Rußland,
England, Oesterreich und Schweden gegen den der Heeresfolge
Süddeutschlands sicheren Kaiser der Franzosen in Waffen
brachte. Was wurde nun, wenn die Russen in Hannover landeten
oder die Schweden es von Vorpommern her angriffen? Preußen
erklärte, das könne und wolle es nicht hindern. Die dort
drohende Gefahr abzuwenden, wünschte Napoleon Hannover los-