Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Einundzwanzigster Jahrgang. 1893. (21)

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im  Namen  meiner  Wähler  und  meiner  Partei  gegen  dieses  Gesetz
im  Allgemeinen.“  „Seinen  Standpunkt“  hatte  Herr  Liebknecht  zuvor
dadurch  glänzend  belenchtet,  daß  er  die  Lüge  aussprach,  Deutschland
habe  in  Frankreich  „gefangene  Franktireurs,  Männer,  die  nur  thaten,
was  die  Deutschen  in  den  Jahren  1813,  1814,  1815  gethan  haben,
summarisch  erschossen,  sie  nicht  als  ehrliche  Soldaten  betrachtet  und
behandelt,  sondern  als  Banditen.“  (Sten.  Ber.  S.  1200).

In  der  folgenden  Reichstagstagung  1875  und  1876  benutzte
dieser  deutsche  Patriot  die  Berathung  des  „Braustenergesetzes“  zu
folgender  Rede  gegen  das  deutsche  Heer  und  Vaterland,  welche
auf  der  Höhe  seiner  Leistungen  aus  dem  Jahre  1870  steht  (Sten.
Ber.  S.  263—267):

Nachdem  er  zunächst  wieder  seinem  Liebling,  dem  „Milizsystem“,  dem
„Volksheer“  das  Wort  geredet,  es  „besser  zur  Vertheidigung  des  Vaterlandes“
geeignet  erklärt  hatte,  auch  wenn  Moltke  anderer  Ansicht  sei,  gelangte  er  zu
dem  lustigen  Ergebniß:  „Wir  haben  keine  allgemeine  Wehrpflicht!  ..  Das
Milizheer  ist  nur  zu  gebrauchen  gegen  den  äußeren,  nicht  gegen  den  sogenannten
  „inneren“  Feind,  nicht  zur  Aufrechterhaltung  der  Klassenherrschaft.
Wir  wissen  nun,  wozu  das  deutsche  Heer  gebraucht  wird.  Das  Volk  hat
mit  Eurem  Krakehl  “  (der  Vaterlandsliebe  in  Deutschland  und  Frankreich)
„nichts  zu  thun.  ..  Den  jetzigen  System,  welches  auf  politischem  und  auf
finanziellem  wie  auf  jedem  anderen  Gebiete  in  einer  der  Nation  verderblichen
  Weise  wirthschaftet,  welches  Deutschland  korrumpirt,  knechtet  und  in
beständige  Kriegsgefahr  stürzt,  welches  dem  Volke  Lasten  auferlegt,  denen
es  nicht  gewachsen  ist,  diesem  System  müssen  wir  von  unserem  Standpunkt
aus  jede  Steuer  verweigern,  denn  jede  Steuer  würde  nur  zu  volksfeindlichen
Zwecken  verwendet  werden.  Das  deutsche  Volk  muß  sich  darüber  klar  werden,
ob  es  ferner  für  ein  System  eintreten  will,  durch  das  es  finanziell  und
politisch  rninirt  und  korrumpirt  wird,  oder  ob  es  einen  vollständigen  Bruch
mit  diesem  System  will.  Also  unser  Wahlspruch  ist  einfach:  dem  jetzigen
System  keinen  Pfennig,  sei  es  in  Form  welcher  Stener  es  wolle.  Vollständiger
  Bruch  mit  diesem  System!“

Im  Jahre  1876  (Sten.  Ber.  S.  827,  Sp.  1)  ruft  Herr  Liebknecht
  das  Hohnwort  im  Reichstag:  „Herr  Stieber  ?)  ist  das  deutsche
Reich!“

Am  18.  Dezember  1876  läßt  endlich  auch  Herr  Bebel  wieder
sein  Licht  im  Reichstag  leuchten  durch  eine  große  Rede  über  die
neuen  Justizgesetze,  und  gelangt  zu  der  hochkomischen  Weissagung
(Sten.  Ber.  S.  888,  Sp.  2):  „Heute,  meine  Herren,  sind  Sie  bereit,
Gesetzen  zuzustimmen,  die  meiner  Ansicht  nach  auf  lange  Jahre
hinaus  die  Rechtsentwickelung  der  Nation  hemmen!

Hand  in  Hand  mit  dieser  geflissentlichen  Verachtung  jedes  deutschen
  Gefühls  und  Strebens  im  deutschen  Parlament  giug  die  sicts

 

*)  Der  frühere  Leiter  der  politischen  Polizei  in  Berlin.
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