Volltext : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

tung  seiner  Großangriffe  durch  seine  Flieger  photographiert  und  ihren  Verlauf
elnschlleßlich  der  Lage  der  Unterstände  für  Mannschaft  und  Stäbe,  der  Beobachtungspunkte,
  Batterlesteilungen,  Flugplätze  auf  seinen  Karten  matbematisch
festgelegt,  sich  auf  sie  mit  allen  Mitteln  eingeschossen  und  sie  dann  im  Trommelfeuer
  des  Wirkungeschießene  kalten  Blutes  und  spstematisch  zusammenkartätscht.
Dazu  war  kein  besonderes  Heldentum  und  keine  große  Kriegeerfahrung,  dazu
war  nur  sorgfältige  technisch-matbematische  Vorarbelt,  Zeit  und  unbegrenztes
Materiol  an  Geschütz  und  Munitlon  erforderlich.  War  so  das  erste  Verteidigungsspstem
  zerstört,  so  rückte  der  Angreifer,  der  längst  gemerkt  hatte,
daß  die  Ausbildung  selner  Truppen  und  Unterfübrer  zum  großen  strategischen
Durchbruch  nicht  auereiche,  unter  dem  Schutze  der  Feuerwalze  seiner
Artillerle  ble  in  die  zusammengeschossenen  deutschen  Stellungen  vor,  befestigte
sich  darin,  zog  seine  Artillerie  nach  und  drückte  auf  diese  Welse  die  deutschen
Llinien  langsam,  aber  unauswelchlich  zurück.  So  hatte  die  Sommeschlacht  sich
durch  AMonate  tief  in  das  Hlnterland  unserer  Stellungen  hlneingefressen.

Wie  sich  wehren  gegen  dleses  hundeschnäuzlge,  bulldoggenmäßlge  Angriffeverfahren,
  das  auf  den  Ehrennamen  einer  Taktik  kaum  noch  Anspruch  erheben
konnte?

Eine  gewaltige  Arbelt  des  Generalstabs  setzte  ein.  In  endlosen  Beratungen
mit  Vertretern  der  Fronttruppen  wurde  nach  langen  Erwägungen  ein  ganz
neues  Verteidigungeverfahren  entworfen.  An  die  Stelle  des  Linlenspstems
trat  die  „Verteidigungezone“,  die  „befestigte  Landschaft“.  Die  Verteldigung
wurde  „In  die  Tlefe  gestaffelt“,  statt  der  leicht  zu  photographlerenden  und  zu
bekämpfenden  kangen  Linien  überall  winzige  „Maschinengewehrnester“  eingebaut.
  Innerholb  dleses  tief  gegllederten  Systems  galt  Beharren  in  einer  von
der  feindlichen  Beschießung  übermäßlg  erfaßten  Lage  fortan  nicht  mehr  als
Pfliücht,  Ausweichen  in  rückwärtige  Verteidigungeglieder  nicht  mehr  als  Schande.
Erundsatz  war  dußerste  Sparsamkelt  mit  Menschen,  dafür  Einsatz  mögllchst
vieler  Kriegemaschinen.

Diese  neuen  Grundsätze,  die  sich  nur  unter  erheblichem  „Umlernenmüssen“
aller  Betelligten  durchsetzten,  wurden  in  zahlreichen  Vorschriften  niedergelegt.
Ibre  wichtigste  trägt  den  Titel  „Die  Abwehrschlacht"  —  Beweie  genug,  daß
unsere  Armee  sich  nur  noch  auf  die  Derteidigung  einzustellen  hatte.  Ihr  traten
genaue  Vorschriften  für  die  Sonderwaffen  und  für  den  Stellungebau  an  die
Seite.  Die  Verteidigung  wurde  ein  ungemeln  kunstvoller  und  verwickelter
Organiemus.  Ein  erbeblich  verbessertes  und  mit  unendllchen  neuen  Hilfemitteln
ausgestattetes  Schleßverfahren  der  Artillerie  bildete  seine  Ergänzung.

Aber  diese  neue  Derteidlgungemethode  wollte  nicht  nur  befohlen,  sie
wollte  auch  begriffen,  gelernt  und  eingeübt  sein.  Der  Winter  1916/17  war  für
die  ganze  Armee  eine  Zeit  drängender  theoretischer  und  praktischer  Arbeit.
Kurse  für  höhere  Truppenführer  und  Generasstabeoffizlere,  Lehrkurse  für  die
Aueblldung  von  Offizieren,  Iinebesondere  Kompagnleführern,  sowie  von  Unteroffizleren
  und  Gruppenführern  wurden  eingerichtet,  dle  Förderung  der  Artillerie
und  der  Maschinengeweprschützen  auf  den  Schleßplätzen  rastlos  betrieben.

Daneben  wurde  für  die  Ruhe  und  Unterkunft  der  Truppen  durch  Errichtung
  unzähliger  Barackenlager  gesorgt,  in  denen  es  an  Unterhaltung  und

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