Metadata : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Ddoaferd  Sturz  dur)  die  Dftgoten  (493).  49

lernen  war.  Seine  Beziehungen  zu  Oftrom  und  dem  Kaijer  Zeno
wechielten,  bald  aber  richtete  fich  jein  Ehrgeiz  auf  den  Bejiß  von
Stalien,  und  die  Politif  der  Schlauheit  und  der  Schwäche  legte
den  Regierenden  in  KRonftantinopel  den  Gedanken  nahe,  nach  dem
längit  befolgten  Grundfaß,  Barbaren  gegen  Barbaren  zu  brauchen,
ihn  und  feine  Goten  zum  Sturze  der  chlechtgegründeten  Ulurpation
  Odoafer3  zu  verwenden.  Im  Iahre  488  brach  demnach  Theodorich
  mit  dem  größten  Teil  feines  Volkes  aus  jenen  Wohnfiben
auf:  ım  Winter,  auf  Ochjenmwagen,  die  der  wandernden  Menge  zugleich
  als  Wohnung  und  Schlafftätte  dienten,  wurden  die  Weiber
und  das  notivendige  Gerät  mitgefahren.  In  zwer  Schlachten,  am
Sionzo  und  bei  Verona,  von  weftgotifhem  Zuzug  unterftüßt,  be-‚fiegten
  fie  den  Ddoafer,  der  fich  nach  jeiner  Nefidenz  Ravenna  warf.
Dort  hielt  er  ich  lange,  die  Goten  gelangten  nicht  zum  Hiele.  Da  fie
die  Stadt  nicht  mit  Sturm  nehmen  fonnten,  fam  e8  im  Februar  493
zu  einem  glimpflichen  Vertrag.  Uber  in  diefen  Zeiten  wußte  man,
wie  man  mit  unbequemen  Nebenbuhlern  fertig  wurde,  auch  wenn
man  ihnen  Sicherheit  und  fünigliche  Ehren  gelobt  hatte:  bei  einem
Saftmahl  oder  einem  Beluche  jtieß  Theodorich  den  Odoafer  nieder
und  richtete  nunmehr  feine  und  jeines  Volkes  Herrjchaft  in  Italien  ein.

ZTheodorich  führt  in  unjeren  Geichichtsdarftellungen  den  Namen
des  Großen  und  unjer  Volk  Hat  die  impofante  Erjcheinung  diejes
erfolgreichen  Herrichertums  in  jeinen  Liedern  feitgehalten,  wo  er  als
Dietrih)  von  Bern,  Theodorih  von  Verona  uns  entgegentritt.
Drei  Sahrzehnte  hat  er  regiert  und  unzweifelhaft  befaß  er  ein
nicht  gewöhnliches  Herrichertalent  und  eine  Hare  Erkenntnis  feiner
Negentenaufgaben.  Den  Konflift  mit  dem  Katjer  in  Byzanz  wußte  er
zu  vermeiden,  indem  er  in  den  äußeren  Zeichen,  der  altrömischen  amt-Iihen
  Datierung  nad)  Sahresfonfuln  oder  der  Prägung  der  Münzen
mit  dem  Bilde  des  Kaifers,  das  Sortbeitehen  des  Neich®  und  die
Unterordnung  feines  Königtums  unter  die  Reichseinheit  befunden  ließ:
Theodorich  erhielt  dadurch  eine  Art  von  Legitimität  und  nicht  bloß
in  den  Augen  feiner  römischen  Untertanen,  ohne  daß  er  doc)  in  der

jelbftändigen  Ausübung  der  vollen  Regierungsgewalt  werenitid  fich
D.  FKüäger,  Deutiche  Geidichte.  I.