Die Belagerung von Przembvsl 183
Teil nur mit veralteten Geschücen bestückt und selbst über vierzig Jahre alt.
Der Schweizer Salis-Soglio, der sie als Ingenicurgeneral in österreichischen
Diensten erbaut hatte, war aber dem Gelände und der Feuerwirkung so gerecht
geworden, daß die Werke sich gegenseitig besser unterstüten klonnten
als die großen Panzerfesten, die Brialmont vor Lüttich und Antwerpen
errichtet hatte. Während die modernen Batterien Kusmaneks den Kampf
mit der Belagerungsartillerie aufnahmen, erwarteten die Festen den Anlauf
der russischen Infanterie. Dimitrieff batte den Kreisausschnite zwischen der
Grodeler Straße und dem San oberhalb der Festung als Hauptangriffsfront
ausersehen. Hier standen die 65. und 60. Aeservedivision, die 13. und
19. Liniendivision und die 3. Schützenbrigade zum Sturm bereit, wäbrend
der Nordost= und der Nordwestsektor von der 58., 78. und 82. Neserwve.
divoision und der 12. Liniendivision angegriffen wurden.
Vom 4. bis 9. Oktober ging ein Eisenhagel auf die Nordost- und die
Südostfront nieder, der sich immer wieder erneuerte, wenn die in den eingelegten
Feuerpausen rücksichtslos vorgeschickte Infanterie am Feuer der
Verteidigung und an den Annäherungshindernissen der Werle und der
Zwischenstellungen zerschellte. Der erste Sturm brach am 5. Oktober los.
Es war die geschichtliche Stunde, da deutsche Truppen den Außengürtel
des ungleich stärkeren Platzes Antwerpen zerrissen und durch die feuergepeitschten
Wasser der Nethe drangen. Der Angriff Dimitrieffs galt den
Werken der Siedlistkagruppe, die die Festung im Süden deckten. Die 13. und
19. Liniendivision trugen ihn mit dem Bajonett an die Drahtbindernisse.
Dort brach er zusammen und wurde im Feuer der Verteidiger vollends.
erstickt. Darauf ließ Dimitrieff aufs neue die Artillerie spielen, während die
Infanterie wieder zum Spaten griff.
Am 6. Oktober lagen die Russen 700 Meter vor der Nordfront und
200 Meter vor der Südfront zum zweiten Sturm bereit. Es war tollkühn,
ibn zu erneuern, denn die russische Artillerie war nicht imstande, die alten
Außenfesten von Przemysl zum Schweigen zu bringen. Sie waren so boch
mit Erde eingedeckt und so gut im Gelände verborgen, daß sie schwer zu
fassen waren. Da keine Zeit zu verlieren war — Dimitrieffs Rückendeckung
lag schon bei Lancut im Kampfe —, wurden am 6. Oktober drei Divisionen
gegen die Südfront geschleudert. Sie wurden vom Kreuzfeuer der Vorts zugrunde
gerichtet. Am 7. Oktober erfolgte der Hauptsturm. Immer wieder
wurden frische Kolonnen vorgetrieben, die opfermutig in dichten Wellen anliefen.
Der Zar hatte den Tagesbefebl, der die Truppen zum Sturm rief,
selbst unterzeichnet und forderte darin die Festung als Pfand des Sieges.
Orzemysl wehrte sich. Die Verteidiger wußten, daß kein einziges Wert
fallen durfte, da sonst die Sturmflute durch die Lücke brach und den Damm
zerriß. Aus schwerem und leichtem Geschütz ergoß sich ihr Feuer, Flatterminen
zerrissen die Sturmkolonnen, Maschinengewehre mähten die vor-