Metadata : Ereignisse und Gestalten 1878-1918

Ich  machte  meinem  Bruder  hiervon  in  Gegenwart  des  Kanzlers
Mitteilung.  Der  Prinz  und  die  anwesenden  Herren  waren  hocherfreut.
  Der  Kanzler  sandte  die  Mittellung  an  das  Auswärtige
Amt  und  an  den  auf  Reisen  befindlichen  neuen  Staatssekretär  des
Äußeren,  Herrn  v.  Bülow.

Im  November  1897  wurde  Kiau-Tschon  besetzt.  Im  Dezember
des  Jahres  ging  Prinz  Heinich  mit  seiner  Division  an  Bord  der
„Deutschland“  nach  Ostasien  hinaus,  wo  er  später  das  Kommando
über  das  gesamte  ostasiatische  Geschwader  übernahm.  Am  6.  März  1898
wurde  der  Pachtvertrag  über  Kiau-Tschou  mit  China  unterzeichnet.
Zur  selben  Zeit  regte  Mr.  Chamberlain  in  London  beim  japanischen
Gesandten  Baron  Kato  den  Gedanken  des  Abschlusses  eines  englischjapanischen
  Bündnisses  an,  um  dem  Vordringen  Rußlands  im  Osten
einen  Riegel  vorzuschieben.

Man  wird  naturgemäß  fragen,  warum  bei  unserem  kühnen  Vorgehen
  nicht  auch  von  England  die  Rede  ist,  das  doch  wesentlich  daran
interessiert  war.  Aber  ein  Vorspiel  mit  England  war  bereits  vorausgegangen.
  Ich  hatte,  um  dem  Mangel  an  deutschen  Kohlenstationen
  abzuhelfen,  die  Absicht  gehabt,  solche  möglichst  im  Einverständnis
  mit  England  zu  gründen,  zu  pachten  oder  käuflich  zu  erwerben.
  Da  mein  Oheim  der  Kanzler,  als  Hohenlohe  ein  Verwandter
  der  Königin  Victoria,  Ihrer  Majestät  von  früher  her
persönlich  bekannt  und  von  ihr  sehr  geschätzt  war,  so  erhoffte  ich  hiervon
  einige  Erleichterung  in  den  Verhandlungen,  die  zu  dem  erwähnten
  Zweck  mit  der  englischen  Regierung  geführt  wurden.  Diese
Hoffnung  erwies  sich  als  trügerisch.  Die  Verhandlungen  zogen  sich
in  die  Länge,  ohne  Aussicht  auf  erfolgreichen  Abschluß  zu  bieten.

Ich  nahm  daher  auf  Wunsch  des  Kanzlers  Veranlassung,  die
Angelegenheit  mit  dem  englischen  Botschafter  in  Berlin  durchzusprechen.
  Ich  beklagte  mich  über  die  Behandlung  seitens  der  englischen
  Regierung,  die  sich  überall  selbst  den  berechtigtsten  deutschen

58