18 Buch III. Kap. 1.
geistvolle und sittsame Tochter Peutingers, hatte den
Kranz geflochten, welchen in jener freudehellsten Stunde
seines Lebens voll Wirrsal, Kampf und Noth dem be—
rühmten Poeten und Ritter eine kaiserliche Hand um die
Schläfen legte 5).
Jedermann weiß, daß die Frauen, wie vormals auf
die Einführung des Christenthums in Deutschland, so
auch auf die Förderung der Reformation einen höchst
beträchtlichen Einfluß geübt haben. Luthers sehr aus—
gebreiteter Briefwechsel mit fürstlichen Frauen macht das
im einzelnen klar. Gehörte doch sogar die Schwester
des großen Widersachers seiner Lehre, Karls V., die Kö—
nigin Maria von Ungarn zu seinen Korrespondentinnen.
Frauen wie die Herzoginnen Katharina von Sachsen und
Elisabeth von Braunschweig, die Kurfürstinnen Sibylle
von Sachsen und Elisabeth von Brandenburg, die Prinzessin
Margarethe von Anhalt und andere sind mittels
des Wortes und theilweise auch mittels der Schrift für
das Reformwerk thätig gewesen. Die Frauen und Töchter
der gräflichen Häuser Mansfeld und Stolberg haben
sich ebenfalls in dieser Richtung ausgezeichnet und eine
Anna von Stolberg ist die erste protestantische Aebtissin
des altberühmten Stiftes Quedlinburg gewesen. Auch
Frauen bürgerlichen Standes, wie Magdalene Haymer
aus Regensburg und Katharine Junker aus Eger, wirkten
als Dichterinnen geistlicher Lieder und sogar als
öffentliche Disputantinnen für die Reformation. Der
Sturm, welcher in die Zeit gefahren, riß eben auch die
6) Huttens Werke, hrsg. v. Münch, II, 470 fg.