Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

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Eine  französische  Niederlage  in  den  Argonnen:

2.581  Franzosen,  darunter  51  Offiziere,  gefangen,  2  Gebirgsgeschütze,  2  Revolverkanonen,  6  Maschinengewehre  erbeutet.
Die  Größe  der  besetzten  Gebiete.  —  Das  neue  österreichisch-ungarische  Rotbuch  über  Italien.  —  Eine  italiensche  Zwangsanleihe?
  —  Mehrere  italienische  Infanterie-Regimenter  geschlagen.  —  Auszeichnung  der  Armee  Linsingen.  —  Die  Kämpfe  an

der  bessarabischen  Grenze.  —  Rumänien  und  die  Zentralmächte.  —  Ein  bulgarisch-griechisch-rumänisches  Bündnis?

Die  Relegslage.
der  amtliche  ssterreichische  Bericht.
WIB.  Wien,  13.  Amtlich  wird  verlautbart:

Russischer  Kriegsschauplagtz.
Die  allgemeine  Lage  ist  unverändert.
Italienischer  Kriegsschauplatz.

An  der  küstenländischen  Front  fanden  gestern
stellenweise  hesftige  Artilleriekämpfe  statt.

Juli.

Ein  Angriff  mehrerer  italienischer  Insanterie-Regimenter
  bei  Redipuglia  wurde  abgewiesen.
Die  Lage  im  Kärntner  und  Tiroler  Grenzgebiet
  ist  unverändert.
Der  Stello.  des  Chefs  des  Generalstabes
v.  Höfer.

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Oesterreich--Ungarn  und  Aoallen.

Das  Wiener  Kabinett  veröffentlicht  ein  neues
Rotbuch  mit  diplomatischen  Aktenstücken  über
die  Verhandlungen  zwischen  Oesterreich-Ungarn
und  Italien  in  der  Zeit  vom  20.  Juli  1914
bis  23.  Mai  1915.  Das  Rotbuch  stellt  sich
als  eine  ausführliche  Ergänzung  des  ersten,  die
Beziehungen  Oesterreich-Ungarns  zu  Italien
betrefsenden  Rolbuches  dar.  Es  enthält  #5
Depeschen,  die  während  des  Verlaufes  der  i#lalienischen
  Krise  zwischen  dem  Wiener  Kabinett
und  der  Botschaft  in  Rom  gewechselt  worden
sind.  Man  erhält  daraus  einen  vollen  Ueberblick
  über  den  Verlauf  der  Verhandlungen.

Von  besonderem  Interesse  ist  eine  Depcsche
Kaiser  Franz  Josephs  an  den  König  von  Italien
  vom  1.  August  1914,  in  der  es  heißt:
„Im  Einverständnis  mit  Deutschland  bin  ich
entschlossen,  die  Rechte  des  Dreibundes  zu  verteidigen
  und  habe  die  Mobilisierung  aller
Streitlräfte  angeordnet.  Wir  verdanken  dreißig
Jahre  des  Friedens  und  der  Wohlfahrt  dem
Vertrag,  der  uns  eint  und  dessen  identische
Auslegung  durch  unsere  Regierungen  ich  mit
Genugtuung  begrüße;  ich  bin  glücklich,  in  diesem
  feierlichen  Moment  auf  die  Unterstützung
meiner  Verbündeten  und  ihrer  mächtigen  Armeen
  zählen  zu  können  und  spreche  die  wörmsten
  Wünsche  für  den  Erfolg  unserer  Waffen
und  für  eine  glorreiche  Zukunft  unserer  Länder
aus.“

Außberordentlich  interessant  ist  ferner  eine  Antwort,
  die  General  Cadorna  am  4.  August  auf
eine  Anfrage  Conrads  von  Hötzendorf  über  die

 

für  den  Kriegofall  zwischen  den  Verbündeten
getroffenen  Vereinbarungen  gab.  Cadornas
Antwort  laulete:  „Leichte  Mobilisicerung  angeordnet.
  Wenn  Oesterreich-Ungarn  Lovcen  nicht
besetnzt  und  Gleichgewicht  in  Adria  nicht  füört,
wird  Italien  niemals  gegen  Oesterreich-Ungarn
vorgehen.  gez.  Cadorna.“

Der  Lovcen  (bei  Cattaro)  ist  von  österreichisch-ungariscken
  Truppen  nie  besetzt  worden;
das  Gleichgewicht  in  der  Adria  hat  Oeiterreich=Ungarn
  nach  dem  4.  August,  von  dem  Cadorna--Depesche
  stammt,  ebenso  wenig  verletzt  wie  vorher.
  Trotzdem  ist  Italien,  nachdem  es  sich  neun
Monate  Zeit  zur  Vollendung  seiner  Rüstungen
gelassen  hatte,  gegen  Oesterreich-Ungarn  „vorgegangen“.
  So  viel  Wert  hat  das  Wort  des
hochsten  ilalienischen  Offiziers  gehabt.

Die  Sammlung  fügt  zu  den  schon  bekannten
Hauptzügen  die  Einzelheiten  hinzu.  Man  jieht
aus  ihr  mit  voller  Deullichleit  die  maln  l#l##
der  italienischen  Regierung  in  allen  Phasen  der
Verhandlungen.  Aus  den  Berichten  des
schafters  Macchio  geht  u.  a.  hervor,  daß  Son
nino  sowohl  den  König  nie  die  meisten  seiner
Ministerkollegen  über  die  Angebote  Oesterre#ch=Ungarns
  wie  auch  über  die  Stimmung  im  Auslande
  falich  unterrichtete,  und  daß  der  Generalstab,
  wie  es  scheint,  unterstütt  durch  die  Darstellungen
  des  italienischen  Militaratlachees  in
Wien,  die  Schwierigkeiten  eines  Krieges  genen
Oesterreich-Ungarn  sturk  unterschätgte.  Als
Hauptstütze  der  Kriegspartei  erscheint  der  Ko
lonialminister  Martine.

Bot.

In  der  Besprechung  des  Rotbuches  erklaren
die  Wiener  Blätter  einmütig,  Italien  habe
vom  ersten  Augenblicke  an  sich  auf  die  Ausnützung
  der  Lage  verlegt,  in  welche  der  Welttrieg
die  Monarchie  versetzte,  bis  es  schließlich  ron  Erpressungen
  zum  Welttlrieg  überging,  um  Oesterreich-Ungarn
  ins  Herz  zu  treffen  und  sich  die
Provinzen  anzueignen,  die  Italien  zwar  slammesfremd
  sind,  ihm  aber  die  strategische  Herrschaft
  sichern  würden.  Die  „Reichspost“  sagt:
Die  erste  Empfindung  nach  der  Lektüre  des
Rotbuches  ist  nur  die  eine:  Gott  sei  dank,  daß
wir  endlich  diesen  Bundesgenossen  losgeworden
sind.  —  Die  „Neue  Freie  Presse“  bezeichno.
Cadorna  als  die  treibende  Kraft  beim  Ausbruch
des  Krieges  zmischen  der  Monarchie  und  Italien,
  der  nur  den  einen  Gedanken  hatte,  die
Monarchie  zu  überfallen,  solange  sie  mit  einem
mächtigen  Feind  zu  kämpfen  hatte.  Cadornas
Stimme  höre  man  aus  den  Worten  San  Giulianos
  und  Sonninos  heraus.

 

Der  umwordene  Balkan.

Die  ganze  Politik  des  Vierverbandes,  vor
allem  die  Rußlands  und  Englands,  ist  im  Augenblick
  darauf  gerichtet,  die  schwanlenden  Ballanftaaten
  entweder  für  die  militäriiche  Stützung
  ihrer  Kämpfe  an  den  Dardanellen  zu  gewinnen
  oder  sie  doch  zum  mindesien  zu  veranlaisen
  oder  zu  zwingen,  durch  eine  hartnäckige
Verweinerung  der  Durchfuhren,  besonders  für
Munition,  unter  dem  schwindelhaften  Vorwand
der  Neutralität  auf  ihre  Seile  zu  ireten.  In
Griechenland  sind  bieher  alle  derarligen  Versuche
mist  glüdt.  Desto  energischer  und  verzmeifelter
Uerden  Bulgarien  und  Rumänien  von  dem
Vierverband  bearbeitet.

Die  Rumänen  werden  sich  bald  zu  einer  endgülligen
  Entscheidung  entichließen  mussen  und
tron  der  unge  zählten  Geldbeutel,  die  der  Dreiverband
  zur  Bekräftigung  seiner  guten  Absichten
über  die  Männer  nach  sjeinem  Herzen  in  Ru
mänien  ausgegossen  hal,  durften  die  Rumänen
nach  den  gewaltigen  Niederlagen  der  Russen
in  den  oflerreick  üsch  ungariscken  Grenzmarken  und
nach  der  Bekundung  herzlichen  Einvernehmens
zwischen  den  Ungarn  und  den  ungarlandischen
Rumänen  doch  wenig  Neigung  verspuren,  die
Zulunft  ihres  Landes  auf  das  Kartenhaus  der
Vierverbandsrerspreckungen  aufzubauen;  dazu
Uüt  das  Nisiso  denn  doch  zu  groß,  da  die  Ruma
nen  im  Fall  eines  Misßlingens  des  Vierverband'unternehmens
  auf  die  Grobmut  der
Zentralmächte,  denen  sie  durch  alte  Verträge
verpflichtet  sind,  nicht  zählen  dürften.  Bulgariens
  Wunsch  und  naltionale  Sehniucht  gehtr
nach  dem  Besig  Mazedoniens,  und  auch  ein
politischer  Laie  kann  es  sich  an  den  Fingern
abzählen,  daß  diese  bulgarische  Sehnsucht  weit
eher  durch  einen  Machtspruch  der  Zentralmächte,
als  durch  ein  diplomatisches  Manover  des  mit
den  Serben  verbundenen  Vierverbands  gestillt
werden  wird,  zumal  der  Verlauf  der  türkisch.
bulgarischen  Verhandlungen  erhoffen  läßt,  daß
die  Bulgaren  sich  mit  den  Türken  über  die  Abtrelung
  des  bisher  turkischen  Zipfels  Mazedoniens
  einigen  werden.

Mit  besonderem  Interesse  sieht  man  der  Entscheidung
  Rumäniens  entgegen.  In  den  letzten
Tagen  ist  bekannt  geworden,  daß  es  die  Durch#
fuhr  von  Waffen  und  Munition  zugunsten  der
Türkei  verbietet.  Andererseito  hat  Rumänien
aber  noch  nie  die  Zufuhren  für  Serbien  zu  verhindern
  gesucht.  Dieses  Verhalten  spricht  gewiß
nicht  von  besonderer  Freundlichkeit  für  die  Zentralmächte.
  Andererseits  liegt  aber  auch  kein
Grund  vor,  um  besonders  pessimistisch  der  kom- 



menden  Entscheidung  entgegenzusehen.  Auch  von
einem  Teil  der  Pariser  und  dem  größten  Teil
der  französischen  Provinzpresse  wird  nicht  mehr
mit  einer  Intervention  Rumäniens  für  den
Vierverband  gerechnet.  Aehnlich  lautet  die
Stimme  des  Korrespondenten  des  „Secolo“  in

Bukarest.  Der  neue  deutlsche  Botschafter  in
Konstantinopel,  Fürst  v.  Hohenlohe-Langenburg,

  trifft  demnachst  in  Bukarest  ein.  Er  sreht
in  nahem  verwandtschaftlichem  Verhältnis  zum
rumänischen  Konigshaus  und  wird  zweifellos
den  deutschen  Standpunkt  bei  den  rumenischen
Machthabern  geltend  machen.

So  wie  die  Lage  jegzt  sich  gestaltete,  wird  die
endgültige  Entscheidung  der  viel  umworbenen
Balkanßaaten  nicht  mehr  lange  auf  sich  warten
lassen  können.

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Algemeines  vom  Kriex.
Der  Austausch  der  Schwerverwundeten.



Konianz.  13.  Juli.  Heute  Morgen  traf
der  zweite  schn  eizerische  Sanitätszug  mit  deutschen
  Kriegsinvaliden  hier  ein.  Es  waren  im
Ganzen  213  Mann,  5  Offiziere  und  5  Sanilälsoffiziere.
  Alle  ruhmmen  wiederum  die  überaus
  gaitfreundliche  Aufnahme  in  der  Schweiz.

Die  beseßten  Gedbiete.

Budapest,  13.  Juli.  Die  Bukarester  „Moldawa“
  veroffentlicht  zur  Orientierung  der  Bevolkerung
  eine  Zusammenstellung  der  von  den
kriegführenden  Staaten  bisber  okkupierten  Gebiete.
  Darnach  haben  die  zentralmächte  141  000
Quadratkilometer  feindliches  Gebiet,  die  Alliierten
  dagegen  nur  12  000  Quadratkilometer
im  Besig.  (Z.)

In  den  Kolonien.

Der  Gouverneur  von  Deutsch-Südwestafrika.


London,  13.  Juli.  Reuters  Bureau  meldet
aus  Kapstadt:  Wie  verlautet,  wird  der  Gouverneur
  von  Deutsch-Südwestafrika  auf  Ehrenwort
freigelassen  werden.  Er  wird  seinen  Wohnsic
in  Grootfontein  nehmen,  w#  sich  bereits  seine
Gattin  befindet.  Botha  antwortete  telegraphisch
auf  ein  Glückwunschtelegramm  Kitcheners:  „Ich
boffe,  daß  viele  meiner  Mannschaften  sich  an
der  großen  Aufgabe  Englands  in  Europa  beteiligen
  werden.“  (3.)