Volltext : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Siebenundzwanzigster Jahrgang. 1899. (27)

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Aichordnung  für  die  Binnenschiffahrt  auf  der  Elbe.

§.  1.
Fahrzeuge,  welche  ausschließlich  oder  vorzugsweise  zum  Binnenverkehr  auf  der  Elbe  bestimmt
sind,  unterliegen  der  Aichung  nach  Maßgabe  der  folgenden  Bestimmungen:

§.  2.
Voraussetzung  für  die  Vornahme  der  Aichung  ist:
1.  daß  das  Schiff  in  seinem  gegenwärtigen  Zustande  nicht  bereits  nach  Maßgabe  dieser  Aichordnung
  geaicht  ist,  und  nicht  einen  noch  gültigen  Aichschein  hat:
2.  daß  das  Schiff  mit  der  vollen  Ausrüstung  versehen  ist.

§.  3.

Das  Aichverfahren  beginnt  mit  der  Festsetzung  der  Leerlinie,  d.  h.  derjenigen  Linie,  bis  zu  Aichverfahren
welcher  das  mit  voller  Ausrüstung  und  mit  der  erforderlichen  Mannschaft  belastete  Schiff  in  sonst  unbeladenem
  Zustand  eintaucht.  Bei  Dampfschiffen  gehört  zur  vollen  Ausrüstung  die  betriebsmäßige  Füllung
der  Kessel.  Soweit  es  hieran  fehlt,  wird  das  Schiff  mit  entsprechendem  Gewichte  belastet.

Das  Schiff  muß  sich  in  normaler  Schwimmlage  dergestalt  befinden,  daß  die  Oberkante  beider
Borde  mittschiffs  gleich  hoch  über  dem  Wasserspiegel  liegt.

§.  4.
  Die  Leerlinie  wird  an  jeder  Seite  des  Schiffes  vorn,  in  der  Mitte  und  hinten  durch  Leermarken
bezeichnet.

§.  5.

Ueber  jeder  Leermarke  wird  senkrecht  zum  Wasserspiegel  ein  Tiefgangsanzeiger  —  §.  11  der
Polizeiverordnung  für  die  Schiffahrt  und  Flößerei  auf  der  Elbe  —  angebracht,  auf  welchem  jedes
zehnte  Centimeter  durch  eine  Marke  bezeichnet  wird.  An  diesen  Tiefgangsanzeigern  werden  Theilstriche
von  zwei  Centimeter  Höhe  mit  Farbe  bezeichnet.

Der  Tiefgangsanzeiger  erhält  den  Nullpunkt  in  derjenigen  wagerechten  Ebene,  welche  bei
nornaler  Schwimmlage  (§.  3)  des  Schiffes  durch  den  tiefsten  Punkt  der  äußeren  Fläche  des  Schiffsbodens
  geht.

Der  mittschiffs  angebrachte  Tiefgangsanzeiger  reicht  bis  zu  der  oberen  Aichebene.  Die  vorn  und
hinten  angebrachten  Tiefgangsanzeiger  reichen  20  cm  höher  hinauf.

Die  obere  Aichebene  ist  die  wagerechte  Ebene,  welche  unter  dem  tiefsten  Punkte  der  Bordoberkante
dergestalt  durch  den  Schiffskörper  gelegt  wird,  daß  das  Schiff

bei  mehr  als  15  Tonnen  Tragfähigkeit  25  cm,  bei  kleineren  Fahrzeugen  15  cm
freie  Bordhöhe  behält.  Wenn  die  Tragfähigkeit  eines  Schiffes  bei  25  cm  freier  Bordhöhe  15  Tonnen  oder
weniger,  bei  15  cm  freier  Bordhöhe  aber  mehr  als  15  Tonnen  beträgt,  so  genügt  eine  freie  Bordhöhe  von
15  cm.  Bei  Schiffen  mit  festem  Decke  werden  wasserdicht  aufgesetzte  Scheerstöcke  der  Luken  in  die
Bordhöhe  mit  eingerechnet,  jedoch  darf  die  obere  Aichebene  nicht  höher  liegen,  als  das  Schandeck.  Bei
Dampfschiffen  ist  die  freie  Bordhöhe  vom  tiefsten  Punkte  der  am  tiefsten  liegenden  Fensteröffnung  abwärts
  zu  messen.  §.  6

Als  Aichraum  gilt  der  Raum,  welcher
von  der  durch  die  Leerlinie  gehenden  Ebene  (Leerebene),
von  der  oberen  Aichebene  und
von  den  zwischen  diesen  beiden  Ebenen  liegenden  Außenseiten  der  Schiffswandung
begrenzt  wird.

§.  7.
Behufs  Feststellung  seiner  Größe  wird  der  Aichraum  in  halber  Höhe  zwischen  der  Leerebene  und
der  oberen  Aichebene  mittelst  einer  wagerechten  Ebene  (die  mittlere  Einsenkungsebene)  in  zwei  Aichschichten
  getheilt.

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