Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Siebenundzwanzigster Jahrgang. 1899. (27)

Aichprüfung.

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§.  8.
Der  Raumgehalt  des  Aichraums  und  einer  jeden  von  beiden  Aichschichten  wird  nach  näherer
Vorschrift  der  Ausführungs-Bestimmungen  in  Kubikmetern  ermittelt.

§.  9.
Das  Gewicht  einer  Ladung  beträgt  soviel  Tonnen  (zu  1000  kg),  als  der  damit  zur  Eintauchung
gebrachte  Aichraum  Kubikmeter  enthält.

§.  10.

Für  das  geaichte  Schiff  wird  ein  Aichschein  ausgefertigt,  welcher  für  jede  zur  Leerebene  parallele
Eintauchung  des  Schiffskörpers  nach  je  2  cm  des  Tiefganges  von  der  Leerebene  bis  zur  oberen  Aichebene
  das  Ladungsgewicht  in  Tonnen  (zu  1000  kg)  angiebt.  

Vor  Ausfertigung  des  Aichscheins  ist  neben  jeder  Leermarke  und  neben  dem  höchsten  Punkte
jedes  Tiefgangsanzeigers  das  Aichzeichen  anzubringen;  außerdem  ist  das  Schiff  an  denjenigen  Stellen,
an  denen  sich  die  durch  Polizeiverordnung  für  die  Schiffahrt  und  Flößerei  auf  der  Elbe  vorgeschriebene
Bezeichnung  (§.  6  a.  a.  O.)  befindet,  in  gleicher  Ausführung  der  Buchstaben  und  Ziffern  mit  einer  Inschrift
  zu  versehen,  welche  die  Tonnenzahl  bis  zur  oberen  Aichebene  und  das  Aichzeichen  ergiebt.

Das  Aichzeichen  enthält  den  Anfangsbuchstaben  des  Stromes,  zu  dessen  Flußgebiete  die  Aichbehörde
  gehört,  und  des  Heimathstaats  des  Schiffes  sowie  den  Anfangs=  und  den  Endbuchstaben  des
Ortes,  an  dem  die  Aichbehörde  ihren  Sitz  hat.

Geaichte  Schiffe  werden  zur  Feststellung  des  den  Angaben  des  Aichscheins  entsprechenden  Zustandes
  auf  Antrag  einer  Aichprüfung  unterzogen.

Eine  Aichprüfung  soll  erfolgen:

1.  spätestens  drei  Monate  nach  Vollendung  jedes  Umbaues,  nach  jeder  größeren  Ausbesserung
des  Schiffes  sowie  nach  jeder  Beschädigung  oder  Beseitigung  der  Leermarken  oder  der  aufgestempelten
  Aichzeichen:

2.  ohne  daß  das  Schiff  Veränderungen  erlitten  hat,  bei  Schiffen,  die  zumeist  aus  Holz
erbaut  sind,  spätestens  fünf  Jahre,  bei  Schiffen,  die  zumeist  aus  Eisen  oder  Stahl  erbaut
sind  (auch  bei  eisernen  Schiffen  mit  hölzernem  Boden),  spätestens  zehn  Jahre  nach  der  Ausfertigung
  des  Aichscheins.

Zur  Stellung  des  Antrags  auf  Aichprüfung  ist  außer  dem  Schiffseigenthümer  oder  Schiffer  auch
die  Schiffahrtspolizeibehörde  befugt,  wenn  sie  Veränderungen  der  unter  Ziffer  1  erwähnten  Art  festgestellt
hat.  Zum  Zwecke  einer  von  der  Schiffahrtspolizei  beantragten  Aichprüfung  soll  die  Entlöschung  beladener
Fahrzeuge  während  der  Reise  nicht  verlangt  werden.

Unterbleibt  die  Aichprüfung  in  diesen  Fällen,  so  wird  die  geschehene  Aichung  ungültig.

Ungültig  gewordene  Aichscheine  sind  einzuziehen.  Wird  der  ungültige  Aichschein  nicht  zurückgeliefert,
  so  ist  die  Ungültigkeit  öffentlich  bekannt  zu  machen.

§.  12.

Zur  Vornahme  der  Aichprüfung  wird  das  Schiff  in  die  normale  Schwimmlage  (§.  3)  gebracht.
Sodann  wird  geprüft,  ob  die  Leermarken  (§.  4)  und  die  Nullpunkte  der  Tiefgangsanzeiger  (§.  5)  noch  in
der  richtigen  Ebene  liegen.

Wenn  sich  ergiebt,  daß  der  tiefste  Punkt  der  äußeren  Fläche  des  Schiffsbodens  mehr  als  fünf
Centimeter  tiefer  liegt  als  der  Nullpunkt  eines  der  Tiefgangsanzeiger,  so  wird  das  Schiff  neu  geeicht.

Wenn  sich  ergiebt,  daß  die  durch  die  Leermarken  bezeichnete  Ebene  von  der  wirklichen  Leerebene
im  Durchschnitte  der  bei  den  Marken  senkrecht  zum  Wasserspiegel  zu  messenden  Abstände  mehr  als  drei
Centimeter  entfernt  ist,  so  wird  unter  Tilgung  der  alten  Leermarken  die  Lage  der  Leerebene  durch  neue
Leermarken  bezeichnet  und  ein  neuer  Aichschein  ausgefertigt.

Wenn  sich  ergiebt,  daß  die  Abweichungen  des  Nullpunkts  des  Tiefgangsanzeigers  oder  der  Leerebene
  geringer  als  fünf  beziehungsweise  drei  Centimeter  sind,  so  wird  das  Verfahren  nur  auf  besonderen
Antrag  des  Eigenthümers  oder  des  Führers  des  Schiffes  fortgesetzt  und  ein  neuer  Aichschein  ausgefertigt.
Wird  ein  solcher  Antrag  nicht  gestellt,  so  bleibt  die  geschehene  Aichung  nach  Maßgabe  des  §.  11  Nr.  2
auf  weitere  fünf  oder  zehn  Jahre  gültig.  Das  Ergebniß  der  Prüfung  wird  in  dem  Aichscheine  vermerkt.

§.  13.
  Nach  Abschluß  ihrer  Aichprüfung  hat  die  Aichbehörde  das  Schiff,  soweit  dasselbe  ihr  Aichzeichen
nicht  bereits  trägt,  nach  Vorschrift  des  §.  10  unter  Tilgung  älterer  Aichzeichen  zu  stempeln.  Gleichzeitig