Italien. (März 16.— April 22.) 299
den die Mächte zu ersticken suchen, nicht zu löschen sein, so würde Italien
sich gewiß nicht auf die passive Rolle eines einfachen Zuschauers beschränken.
Wir würden uns in unserer Haltung von Ratschlägen der Klugheit leiten
lassen, gleichzeitig aber auch unsere Entschlüsse mit aller derjenigen Bestimmtheit
fassen, welche die Umstände erfordern könnten. So würde die
italienische Regierung unter sorgfältiger Rücksicht auf ihre eigenen Verpflichtungen
und unter Achtung der berechtigten Interessen der anderen
Mächte es an nichts fehlen lassen. Man wird darüber wachen, daß die
Rechte und Interessen Italiens in keiner Weise angetastet werden.
16. März. (Deputiertenkammer.) Beratung über die
Lage im Mittelmeer.
Auf eine Anfrage erklärt Unterstaatssekretär Baccelli, die Regierung
wisse nicht, ob zwischen England und Frankreich über die Mittelmeerfragen
Unterhandlungen schwebten oder schon abgeschlossen seien. Indes
selbst wenn, was jetzt nicht zu erwarten sei, Veränderungen im Mittelmeer
künftig eintreten könnten, so sei es durch frühere Erklärungen der
Kabinete in Paris und London außer Zweifel gestellt, daß Veränderungen
nicht zum Nachteil Italiens eintreten würden. Italien wünsche, daß keine
Veränderungen im Mittelmeer sich vollzögen, sehe aber der gegenteiligen
Möglichkeit auch ohne Ueberhebung und ohne Schwäche entgegen.
Ende März. Innerhalb der Sozialdemokratie gewinnt die
radikale Richtung (Ferri) die Oberhand. Infolgedessen verliert die
Regierung die Unterstützung der sozialdemokratischen Fraktion.
1.9. April. (Rom.) Tagung des internationalen Historikerkongresses.
Vorsitzender ist Villari, Stellvertreter u. a. A. Harnack,
L. Pastor. Ehrenpräsident ist Theodor Mommsen.
7. April. (Rom.) Beginn des allgemeinen Ausstandes, der
binnen einer Woche vollständig scheitert.
14. April. (Rom.) Tagung des internationalen landwirtschaftlichen
Kongresses.
Es wird u. a. beraten die Frage einer europäischen Verständigung
zum Zweck der Anwendung von Differentialzöllen gegenüber den Vereinigten
Staaten. Schließlich wird ein Antrag Luzzattis angenommen, daß die
Frage der amerikanischen Konkurrenz bis zum Zusammentritt des nächsten
Kongresses vertagt werden solle, damit in der Zwischenzeit die Angelegeneit
gründlicher studiert werden könne. —. Ferner wird die Frage einer
internationalen Regelung der Getreidepreise besprochen.
16. April. (Rom.) Der internationale lateinische Kongreß
berät über Mittel, dem Lateinischen als internationaler Sprache
eine größere Verbreitung zu schaffen. Es soll in Rom ein Kolleg
zum Unterricht im Altlateinischen und in den neulateinischen
Sprachen geschaffen werden.
19. April. (Apulien.) In Galatina verüben arbeitslose
Landleute Ausschreitungen.
22. April. Der bisherige Marineminister Morin wird an