Das Chiistenlum in Deusschlaud. 61
wurde das Heidentum erst, als sich die Angelsachsen des Bekehrungswerkes annahmen.
Papst Gregor d. Gr. hatte ihre Bekehrung betrieben, und bald ergriff sie ein Missions—
eiser, wie ihn noch kein anderes germanisches Volk vorher besessen hatte. Zunächst
wandten sich ihre Missionare zu den Friesen, die an der Küste ihnen gegenüber wohnten,
und in der Sprache ihnen so nahe standen, daß sie keines Dolmetschers zur Verständigung
bedurften. Diesen freilich erschien die Annahme des Christentums gleichbedeutend mit
Unterwersung und Knechtschaft, und namentlich die Herzöge Ratbod und Poppo standen
Pippin dem Kleinen und Karl Martell, die sich eifrig um die Bekehrung der Frilesen
annahmen, feindlich gegenüber. Willibrord hieß der bedeutendste Missionar unter den
Friesen, und für ihn gründete Pippin und befestigte Karl Martell das Bistum Utrecht
als Stützpunkt der sächsischen Mission.
Gleichzeitig mit Willibrord war auch ein Jüngling aus edlem Geschlecht,
Winfrid, vom Papste Bonifacius genannt, als Missionar bei den Friesen tätig.
Zu Kirton in Wesser 680 geboren, wählte er als seinen Lebensberuf die Mission. Den
Minter 718 und 719 brachte er in Rom zu, und dort erteilte ihm Papst Gregor lI. das
Recht, den Heiden das Christentum zu predigen und zwar in Thüringen. Hier und nachher
in Hessen entfaltete er eine außerordentlich fruchtbare Tätigkeit. Zum zweiten Male
in Rom wurde er 722 zum Bischof geweiht, und wandte sich nun zunächst wieder nach
Hessen Bei Geismar unweit Fritzlar fällte er eine dem Wotan geweihte Eiche, und
schaarenweise ließ sich nun das Volk von ihm taufen. Seit 732 Erzbischof, gründete
Bonifacius Bistümer als Mittelpunkte großer Sprengel, um welche sich bald eine Stadt
bildete. Auch Klöster gründete Bonifacius, und man darf nur seine Lieblingsgründung
Fulda nennen, um hier seine Tätigkeit zu kennzeichnen. Von hier verbreitete sich die
Kultur des Bodens weit umher, sie waren die Stütze der Armut, die gastliche Herberge
für Pilger und Wanderer, und vor allen Dingen die Pflegestätte jeder Bildung. Bonifacius
war und blieb der gute Stern Deutschlands, älter als 70 Jahre, reiste er nochmals,
um einen Teil der Friesen zu bekehren, den Rhein hinab; von Todesahnungen
bedrückt, hatte er sein Erzbistum Mainz an seinen Schüler Lullus abgetreten, und sich
selbst das Leichentuch bereitet, in das er einst gehüllt sein wollte. Mit gutem Erfolg
predigte er den Friesen, aber als er einst mit seinen Getreuen zu Dokkum an der Bordaa
weilte, wurde er mit seiner ganzen Gesellschaft von einer Schaar Heiden überfallen und
niedergemacht (755). Sein Leichnam wurde von seinen Anhängern nach Utrecht und
dann nach Fulda gebracht.
„Wie in der Tragödie der Held nur untergeht, um der Idee, für die er gelitten
und gestritten hat, den Sieg zu erringen, so hat auch Bonifaz durch seinen Tod vollends
das errungen, was er im Leben nicht hat erreichen können. Fortan war er kein Fremder
mehr; über seinem Grabe reichten sich Staat und Kirche die Hand; wenige Jahrzehnte
nach seinem Tode waren auch die Altsachsen bekehrt; für seine angelsächsischen Gehilfen
war unmittelbar nach seinem Tode durch reiche Schenkungen gesorgt. Und es war ihm
doch ein schöneres Los beschieden, als den Helden der Tragödie, welche im Kampf mit
ihren eigenen Leidenschaften zu Grunde gehen; es war ihm vergönnt, was wenigen
Glaubensboten im achten Jahrhundert beschieden war; die Reinheit und Lauterkeit seines
Strebens durch den Blut= und Zeugentod zu besiegeln; er sollte gleich den Märtyrern
der altchristlichen Kirche die Krone des Bekenners erringen. Das war das höchste und
letzte Ziel, das ihm vorschwebte, ob es ihm beschieden sei, hing freilich nicht von seiner