machen. In Bezug auf die Städte war dies zu Georg Wilhelms Zeiten gelungen,
die geringeren hatten ihre Selbstständigkeit verloren, nur die mächtigste
von allen, Königsberg, stand noch ungebrochen da. Doch vereinzelt mußte auch
sie bald in eine nachtheilige Lage gerathen; sie verlor das Recht Willküren zu
entwerfen und Steuern zur Befestigung der Stadt so wie zum Unterhalt städtischer
Truppen zu erheben, Rechte, wie sie unter den ersten Hohenzollern auch
die märkischen Städte besessen hatten, und welche mit einer geordneten Regierung
unvereinbar waren. Bald wurden die Städte gar nicht mehr zu den
Landtagen berufen. Hierdurch wuchs bei ihnen der Haß gegen den Adel, den
sie als die Veranlassung aller Beeinträchtigungen ansahen; sie erklärten deshalb,
daß sie künftig sich den Bestimmungen der anderen Stände hinsichtlich der
Landesordnung und der Polizeigesetze nicht fügen würden. Die Königsberger
begnügten sich hiermit nicht einmal, sondern griffen den Adel in seinen Privilegien
an, indem sie die bisher ihm zustehenden Rechte über die Bauern auf seinen
Gütern streitig machten. Darüber erhob sich ein großer Sturm, denn die Regimentsräthe
ergriffen Partei für den Adel und erhoben gegen Königsberg einen
siskalischen Prozeß. Diese jetzt von allen Seiten hart bedrohte Stadt nahm
mm ihre Zuflucht zu dem Kurfürsten, in der Hoffnung, daß er sie nicht würde
niederdrücken lassen, um die Macht der andern Stände schließlich auf seine
eigenen Kosten zu erhöhen.
Wie gern auch bisher Streitigkeiten der Art von den Landesherren gesehen
waren, so fielen sie doch unter den obwaltenden Verhältmissen dem jungen
Karfürsten sehr lästig, denn sie ließen ihn einen unmittelbaren Eingriff der Krone
Polen in die Angelegenheiten des Herzogthums besorgen. Vor der Belehnung
stand ihm nämlich kein landesherrlicher Akt zu, auch ließ er alle Verfügungen
nicht in seinem, sondern in der Landesregierung Namen ausfertigen, ohne den
herzoglichen Titel anzunehmen, und selbst bei diesem vorsichtigen Benehmen
entging er der Mißbilligung nicht. Von beiden Seiten war das Mißtrauen
sehr groß. Die Polen hielten Friedrich Wilhelm für einen geheimen Gegner;
ihm dagegen kamen Warnungen von seinen Dienern und fremden Gesandten zu,
er solle nicht persönlich nach Warschau gehen, oder sich wenigstens dort vor
Eist hüten. Seine persönliche Gegenwart war jedoch unvermeidlich, und so
sehen wir ihn denn dort zum Empfang der Belehnung anlangen. Diese erfolgte
nur unter sehr drückenden Bedingungen. Friedrich Wilhelm mußte der katholischen
Kirche eine größere Ausdehnung gestatten, dagegen versprechen, keine
unkatholische Sekte außer den Anhängern der Augsburgischen Confession zu
dulden, und nur diesen und Katholiken Aemter zu verleihen, eine Bedingung,
welche seiner eigenen Glaubensgenossen, der Reformirten Rechte für das Herzogthum
Preußen in Zweifel setzen konnte. Für die Civil= und Militärverwaltung
waren die Bedingungen noch lästiger. Die Festungen Pillau und Memel sollten
nur mit Zustimmung des Königs Befehlshaber von dem Kurfürsten erhalten,
und in gefährlichen Zeiten königliche Commissarien einnehmen; in bürgerlichen
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