Penisches Keich. (Juli 19.) 719
der Völker zueinander für die Dauer friedlich gestaltet werden. Wir fordern
die vollste Freiheit des internat. Handels und Verkehrs, sowie die unbeschränkte
internat. Freizügigkeit zur Entfaltung der Produktivkräfte der
Welt und zur Annäherung und Verbindung der Völker. Wir fordern
internat. Verträge zum Schutze der Arbeiter vor Ausbeutung, insbes. zum
Schutze der Kinder und Frauen, gemäß den Grundsätzen der internat. Soz.
Mit der gewaltig gesteigerten Verwertung der Frauenkraft im gesellschaftlichen
Produktionsprozeß ist die Zuerkennung voller politischer Rechte an
die Frauen eine soziale Notwendigkeit geworden. Unerläßlich ist die Anerkennung
der Gleichberechtigung für alle Einwohner eines Staates, ohne
Rücksicht auf Staatszugehörigkeit, Rasse, Sprache, Religion. Das schließt
ein den Schutz der nationalen Minderheiten zur Betätigung ihres nationalen
Lebens. Die nationale wie soziale Befreiung der Völker kann nicht
das Werk eines Krieges der Regierungen, sondern nur das Werk der
Demokratie sein, für deren volle Durchführung die Völker unablässig den
nachdrücklichen Kampf zu führen haben. Die Ueberwachung der ausw.
Politik der Regierungen durch die Demokratie eines jeden Staates wird
zur Verhütung aggressiver Schritte führen. Die Geheimverträge sind abzuschaffen.
Alle Staatsverträge sind fortan von der Zustimmung der Volksvertretung
abhängig zu machen. Die Aera großer innerer Umwälzungen,
vor der wir stehen, wird die Lösung der vielen Probleme zeitigen, die der
Krieg aufgeworfen oder verschärft hat. Diese Fragen sollen aber nicht durch
den Krieg und Kriegsglück entschieden werden. Das Uebel des Weltkrieges
ist viel größer als die Uebel, die er nach der Meinung der Kriegspolitiker
heilen soll. Ohne die Staatsgrenzen, die das Ergebnis von Eroberungen
sind und vielfach in Widerspruch zu den Bedürfnissen der Völker stehen,
als unantastbar zu betrachten, lehnen wir den Krieg überhaupt und alsoauch
seine Verlängerung als Mittel zur Regelung der Staatsgrenzen
ab. Grenzveränderungen müssen an die Zustimmung der davon getroffenen
Bevölkerung gebunden werden, dürfen nicht aufgezwungene Gewaltakte sein.
Jeden Versuch, irgendein Volk in irgendeiner Form zu vergewaltigen,
weisen wir mit aller Entschiedenheit zurück. Seit Beginn des Krieges
fordern wir konsequent einen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen
auf Grund des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Unvereinbar mit den
soz. Grundsätzen ist jene Auffassung, die, aus militaristischem Denken und
nationalistischer Machtpolitik entsprungen, die Stellung zu einem Problem
von der jeweiligen Kriegslage abhängig macht und deshalb in den verschiedensten
Stadien des Krieges zu einer verschiedenen Beurteilung einer
und derselben Frage gelangt. Unsere Aufgabe ist es nicht, für alle Einzelfragen,
die beim Friedensschlusse eine Rolle spielen werden, hier ein
Programm aufzustellen. Ueber die Fragen jedoch, die im Mittelpunkt der
Erörterung stehen, erklären wir schon heute folgendes: Die Wiederherstellung
Serbiens als eines selbständigen und unabhängigen Staates ist unbedingtes
Erfordernis. Wir verkennen nicht, daß das Drängen der Serben nach Vereinigung
in einen Nationalstaat wohlbegründet ist. Die Bildung eines
solchen Staates und eine Zusammenfassung mit den übrigen Balkanstaaten.
u einer republ. Balkanföderation wäre das sicherste Mittel, dauernd befriedigende
Zustände auf dem Balkan zu schaffen, Interventionen des Auslandes
auszuschließen und die Orientfrage als Kriegsursache zu beseitigen.
Dieses Ziel durch den Krieg zu verfolgen bedeutet aber nur dessen nutzlose
Verlängerung. Wir verstehen das tiefe Sehnen des poln. Volkes nach nationaler
Vereinigung. Der Standpunkt, das Recht der Polen auf nationale
Selbständigkeit durch die Kriegslage zu bestimmen, dieses Recht den Polen
in Russisch-Polen zuzubilligen, dagegen für Preußisch= und Oesterreichisch-