Volltext : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

pathenwall  vorstießen,  war  ihre  Angriffskraft  schon  stark  beeinträchtlgt.  Der
österrelchische  Gegner  hatte  sich  weit  stürmlscher  und  kräftiger  gewehrt,  als  der
Russe  bätte  erwarten  können.  Und  der  Entschluß,  den  stärksten  Felnd  nur  mit
zwar  überlegenen,  im  Vergleich  zur  gesamten  russischen  Heereskraft  aber  nebensächlichen
  Kräften  anzugreifen,  hatte  sich  furchtbar  gerächt.  Her  russische  Angeiffsflügel
  im  Norden  war  zum  Teil  zertrümmert,  zum  Teil  gelähmt.

Die  volle  Bedeutung  sowohl  der  Schwächung  der  russischen  Hauptmacht
durch  die  Kraft  des  österreichischen  Widerstandes  als  auch  der  deutschen  Slege
In  Ostpreußen  ließ  sich  am  15.  September  allerdinge  noch  ulcht  übersehen.
Zmmerhin  war  soviel  schon  jetzt  klar:  der  zweitegroße  Ansturm  der  Russen
würde  Heutsche  und  Osterrelcher  Schulter  an  Schulter  finden.

Aber  eines  lag  ebenso  am  Tage:  an  einen  Angrlffskrieg  war  lm  Osten  auch
jetzt  nicht  zu  denken.  Nur  die  Auesichten  der  Verteidigung  hatten  slch  bler  erbeblich
  gebessert.  Wie  sehr,  das  war  in  dleser  Stunde  weder  auf  seiten  der
Mittelmächte,  noch  auf  seiten  ihrer  Gegner  zu  erkennen.

Heute,  da  wir  den  großen  Gesamtoerlauf  des  Kriegee  übersehen,  erlennen
wir  klar:  der  15.  September  bedeutet  den  entscheidenden  Einschnitt  in  der  Geschichte
  des  Weltkrleges.  Selt  diesem  Tage  befanden  slch  die  Mittelmächte
auf  allen  Fronten  in  die  Derteidigung  gedrängt.  Ihr  Gebiet  war  elgentlich
schon  von  diesem  Tage  an  das  Geblet  einer  riesigen  belagerten  Festung.

Bevor  das  aller  dinge  mit  voller  Klarheit  für  Freund  und  Feind  erkenndar
wurde,  mußte  noch  elne  zweite  Gruppe  von  großen  Kämpfen  in  Ost
und  West  abrollen.  Erst  sie  klärten  das  Bild  der  strategischen  Lage  in  dem
Sinne,  daß  Deutschland  auf  welteres  offensives  Vorgeben  im  Westen  endgültig
  verzlchten  mußte,  während  ebenso  im  Osten  Rußland  aus  einem  Angrelfer
in  freiem  Felde  zum  Belagerer  einer  Festungefront  wurde.

Drittes  Kapitel

Die  Umklammerung
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Di#  neue  deutsche  Generalstabschef  übernahm  die  Geschäfte  der  Heeresleitung
  in  einer  Lage,  die  man  vom  Standpunkt  unserer  heutsgen  Erkenntnis
als  trostlos  bezeichnen  muß.

Die  Hoffnung,  im  Dreifrontenkriege  gegen  Frankreich,  Rußland  und  England
  obzuslegen,  hatte  elgentlich  nur  so  lange  bestanden,  als  die  Mittelmächte
noch  hoffen  durften,  mit  ihren  westlichen  Gegnern  im  ersten  Anlauf  entscheidend
und  vernlchtend  abzurechnen.  Bestand  eine  solche  Hoffnung  noch?  Der  Versuch,
  eine  operative  Entscheidung  im  Westen  zu  erzwingen,  mußte  auch  jetzt
umseden  Prels  noch  unternommen  werden.  Aber  hier  traf  das  deutsche  Bestreben
auf  ein  entsprechendes  der  westlichen  Feinde.

Denn  das  Erstarken  des  deutschen  Widerstandes  nördlich  der  Aisne  belebrte
  die  französische  Heeresleitung  bald,  daß  lhre  Hoffnung,  den  Eindringling

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