Englische Krankheit. 597
Die Weichheit der Knochen entsteht durch Mangel an Kalk in den—
selben. Chemische Untersuchungen ergaben, daß gesunde Knochen etwa 65 %
Kalk enthalten, rhachitische aber nur 20 bis 30%. Dieser Kalkmangel kann
entstehen: 1. durch schlecht zusammengesetzte, kalkarme Nahrung; 2. mangelhafte
Aufnahme des in der Nahrung vorhandenen Kalkes aus noch unbekannten
Gründen; 3. durch Zerstörung des in den Knochen bereits aufgenommenen
Kalkes durch vorhandene Säuren, die sich bei krankhaftem
Stoffwechsel im Organismus des Kindes bilden. Man kam zu diesem
Schlusse, weil sich Rhachitis zwar vornehmlich
bei der armen Bevölkerung findet, wo
eine blutarme Mutter einem schon schwächlich
geborenen Kinde noch ungenügende Nahrung
reicht, dabei Luftmangel und ungenügende
Pflege herrscht, aber auch in wohlhabenden -.
Kreisen gar nicht selten ist, wo solcher Mangel —
nicht vorhanden ist. Elende Flaschenkinder,
die mit Kuhmilch aufgezogen werden, erhalten
durch diese viel mehr Kalk als durch die
Muttermilch und werden dennoch häufig
rhachitisch. Es müssen demnach verschiedene
Ursachen bei ihrer Entstehung mitwirken.
Sie wurde zuerst anfangs des 17. Jahrhunderts
in England beobachtet und erhielt ——
daher den Namen „Englische Krankheit". — —
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Die bleibenden Verkrümmungen des Fig. 348.
Skelettes sind besonders für das weibliche Treijähriges rhachitisches Kind.
Geburtshindernisse entstehen durch Verschie= gelenke, dicker Schädel, schwache
bungen der Beckenknochen in der Kindheit Brust, aufgetriebener Bauch.
während bestehender Rhachitis, die den Geburtsvorgang
später erschweren oder auch ganz unmöglich machen. Unsere
Abbildungen zeigen uns in Fig. 351 ein sogenanntes „plattes Becken“, das
durch eine Verlängerung des breiten Durchmessers entsteht und zwar deshalb,
weil sich die Wirbelsäule nach vorne schob, also den Zwischenraum zwischen
Schambein und Wirbelsäule verkürzte. Das ist die geringere Verunstaltung,
die äußerlich nicht wahrnehmbar ist und sich sehr oft findet. Fig. 354 zeigt
eine vollständige Verschiebung der Beckenknochen mit stark verkrümmter
Wirbelsäule und verbogenen Darmschaufeln, die die Gebärfähigkeit der Eigentümerin
eines solchen Beckens vollkommen ausschließt. Das sind schwere
und zum Glück auch seltene Mißbildungen.
Viel häufiger sind jene bleibenden Verkrümmungen, die sich an der
Wirbelsäule äußern, wie die zahlreichen männlichen und weiblichen „Buckligen“