Das deutsche Reich und stine einzelnen Glieder. (31. März.) 51
Wahlgange stellt die Partei überall selbständige Kandidaten auf; Kompromisse
sind verboten. Bei Stichwahlen ist im Allgemeinen Wahlenthaltung zu beobachten.
Die Frage einer Verlängerung oder Aufhebung des Sozialistengesetzes
dürfe die Parlei in keiner Weise in ihrer Haltung beeinflussen. Es
wurde direkt beschlossen, ganz dieselbe Taktik wie bisher beizubehallen. Der
Kongreß sprach sich alsdann entschieden gegen jederlei Nachgiebigkeit gegenüber
den „herrschenden Klassen“, sowie gegen jede auf die Nachsicht der Behörden
spekulierende Rücksichtenahme aus und forderte ein „rücksichtsloses Vorgehen
der Partei“. (Das wurde einstimmig angenommen.) Ebenso wurde einstimmig
eine sehr scharfe Resolution gegen die sogenannte Sozialreform im
Deutschen Reich augenommen, in welcher der Kongreß die überzeugung ausspricht,
daß die sogenannte Sozialreform nur als taktisches Mittel benutzt
wird, um die Arbeiter von ihren wirklichen Interessen abzuleiten. „Der
Kongreß hält es aber für die Pflicht der Partei, bezw. deren Vertreter in
den Parlamenten, bei allen auf die ökonomische Lage des Volkes gerichteten
Vorschlägen, gleichviel welchen Motiven sie entspringen, die Interessen der
Arbeiterklasse energisch wahrzunehmen, selbstverständlich ohne dabei auch nur
einen Augenblick auf die Gesamtheit der sozialdemokratischen Forderungen zu
verzichten.“ Außer diesen Beschlüssen dürfte noch Folgendes von Interesse
sein: Die Einnahmen der Partei betrugen innerhalb Deutschlands vom
August 1881 bis Februar 1883 95,000, außerhalb Deutschland 16,000 . M
Als lokale Einnahmen (für Unterstützungen, Wahlen ect.) wurden 150, 000 . M.
angegeben. Von nordamerikanischen Parteigenossen ließen zu den Wahlen
13,000 M. ein. Außerdem soll das Parteiorgan der Sozialdemokraten in
Zürich wesentliche Einnahmen liefern und überall gelesen werden. Es habe
sich ferner gezeigt, daß gerade in den Städten des kleinen Belagerungszustandes
die Opferwilligleit und das Zusammenhalten der Partei am stärksten
sei. Auch im Elsaß und in Posen soll das nächstemal in die Wahlen
eingetreten werden. Man will dort die Initiative den elsässichen, resp. den
polnischen Sozialisten überlassen. Von russischen und französischen Sozialisten,
sowie aus Nordamerika waren Adressen eingegangen. Da man in Kopenhagen
einen Augenblick an die Möglichkeit einer Auflösung des Kongresses
durch die dänische Polizei dachte, so ward damals beschlossen, jedenfalls weiter
zu tagen, und wenn nötig, zu diesem Zwecke nach Schweden überzusiedeln.
31. März. (Bayern.) Das Generalkomité des landwirtschaftlichen
Vereins in Bayern faßt in einer Plenarversammlung
nach vierstündiger Debatte, an welcher sich auch der Ehrenpräsident
des Vereins, Prinz Ludwig, beteiligt, mit Zweidrittel-Mehrheit folgenden
Beschluß:
„Es ist eine Erhöhung (Verdoppelung) der Getreide-Eingangszölle und
in Konsequenz hiervon der Eingangszölle für Mühlenfabrikate zur Hebung
des Getreidebaues im Inlande für die Landwirtschaft wie für die Gesamtbevölkerung
anzustreben und soll der Eingangszoll für Reps jenem für Weizen
gleichgestellt werden.“ Von den acht Kreiskomités des Vereins hatten sich
indes nur fünf für und drei gegen eine solche Erhöhung ausgesprochen.
— März. (Preußen.) Reskript des Handelsministers Fürst
Bismarck an die Oberpräsidenten gegen die deutschen Privat-Feuerversicherungsgesellschaften.
Dasselbe stellt als Thatsache hin, „daß sich der Betrieb der Feuerversicherung
zum überwiegenden Teile in den Händen von Aktiengesellschaften
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