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Das Reichsgericht hat in Uebereinstimmung mit der Strafkammer Diebstahl
(§242 St.-G.-B.) angenommen. Es führt aus: Das Gesetz vom 15. April 1878
behandelt die Entwendung von Holz aus dem Walde mit Rücksicht auf die öffentliche
Meinung als eine besondere und zwar leichtere Art des Diebstahls; es geht
deshalb von dem Grundsatz aus, daß nur dasjenige Holz im Walde Gegenstand
des Forstdiebstahls sein kann, an welchem noch keine Besitzergreifungshandlung vorgenommen
ist. — Die Vertheidigung war im vorliegenden Falle der Meinung, es
handle sich um Forstdiebstahl, weil § 1 Nr. 1 des Forstdiebstahlsgesetzes von Holz
spreche, welches noch nicht vom Stamme oder vom Boden getrennt ist“; wollte man
hier den § 1 Nr. 1 nicht anwenden, so enthalte die Bestimmung eine Tautologie,
der Gesetzgeber hätte sich sonst mit der zweiten Alternative „vom Boden getrennt“
begnügen können. — Das Reichsgericht führt aus, daß innere Gründe wie auch die
Entstehungsgeschichte klar ergäben, so, wie der Vertheidiger ausführe, sei es nicht
gemeint gewesen.
Entscheidung in Strafsachen Bd. 25 S. 393. K. D.
16.
Topfpflanzen als Bodenerzeugnisse im Sinne des Hreuß. Feld= und
Forstpolizeigesetzes.
Sind Topfpflanzen, welche in Gartenanlagen aufgestellt find, als „Bodenerzeug-=nisse“
im Siune des § 18 des Prenßischen Feld= und Forstpolizeigesetzes vom 1. April 1880
anzusehen?
Entscheidung des Reichsgerichts (Feriensenats) vom 30. Juli 1894.
Der Angeklagte hatte dem Gärtner W. aus dessen Garten zwei Lackstöcke, d. h.
zwei in Blumentöpfe eingepflanzte Goldlackpflanzen, entwendet. — W. zieht solche
Pflanzen in folgender Weise: Der Same wird im Herbst in Mistbeete eingesäet,
die jungen Pflanzen werden dann in Töpfe gesetzt, im Treibhause überwintert,
darauf im Frühjahr in die Erde gepflanzt und zuletzt wieder in Töpfe eingesetzt,
um in blühendem Zustande zum Verkaufe zu gelangen. — In letzterem Stadium
befanden sich die beiden Lackstöcke zur Zeit der Entwendung.
In ausführlicher Begründung weist das Reichsgericht nach, daß der Angeklagte
gemeinen Diebstahl verübt hat. Unzweifelhaft sei es zwar, daß die Pflanzen früher
an derselben Stelle, von der sie entwendet worden, Bodenerzeugnisse im Sinne des
§ 18 des F.= u. F.-P.-G. gewesen seien, zur Zeit des Diebstahls aber habe ihnen
diese Eigenschaft nicht beigewohnt. So sei auch bereits in früheren Entscheidungen
des Reichsgerichts hinsichtlich der Feldfrüchte entschieden, daß sie als solche zwar in
Betracht kämen bis die Einerntung beendet sei, aber nicht mehr dann, wenn sie zu
ihrer Verwahrung bis zum Verbrauche oder ihrer Verwerthung, überhaupt zu einer
relativ dauernden Aufbewahrung gebracht seien (wie sog. Staken oder Mieten).
Entscheidungen in Strafsachen Bd. 26 S. 101. K. D.