Volltext : Zentralblatt für das Deutsche Reich. Zweiundvierzigster Jahrgang. 1914. (42)

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8  80e.

Die  Kasse  hat  dem  Hausgewerbtreibenden  auf  seinen  Antrag  zu  gestatten,  daß  er  die  8  485  N.V.O.
Beiträge  in  doppeltem  Betrag  einzahlt.  (Der  Antrag  kann  nur  für  den  ersten  eines  jeden
Kalendervierteljahrs  mindestens  14  Tage  vorher  gestellt  und  nur  für  denselben  Termin  und  unter
Einhaltung  derselben  Frist  zurückgezogen  werden.)  Der  Beitragsteil  seiner  hausgewerblich  Be—
schäftigten  wird  dadurch  nicht  geändert.

In  diesem  Falle  werden  dem  Hausgewerbtreibenden  die  für  ihn  einkommenden  Zuschüsse
ausgezahlt  oder  verrechnet.  Die  Zuschüsse  werden  auch  Hausgewerbtreibenden  ausgezahlt  oder
verrechnet,  die  wegen  anderer  versicherungspflichtiger  Beschäftigung  versichert  sind.

g  80f.

Soweit  bei  der  Bemessung  der  baren  Kassenleistungen  für  die  Hausgewerbtreibenden  und  §*  180  Abf.  2
urt  lücusgewerblic  Beschäftigten  der  Grundlohn  in  Frage  kommt,  dient  als  Grundlohn  der  N..8.
rtslohn.
Als  Krankenhilfe  wird  neben  der  Krankenpflege  ein  Krankengeld  gewährt.  Seine  Höhe  8  482  R.  V.  C.
richtet  sich  nach  dem  Betrage  der  dem  Hausgewerbtreibenden  gutgeschriebenen  Auftraggeberzuschüsse
(5  80b  Abs.  2).  (Dabei  verhält  sich  das  Krankengeld  zum  gesetzlichen  Krankengelde  wie  der
Betrag  der  im  letzten  Geschäftsjahr  dem  Hausgewerbtreibenden  gutgeschriebenen  Zuschüsse  zu  dem
aller  Beiträge,  die  der  Hausgewerbtreibende  für  diese  Zeit  gezahlt  hat;  ein  höheres  Krankengeld,
als  im  §27  Nr.  2  bestimmt  ist,  wird  nicht  gewährt.  Bestand  die  Versicherung  erst  kürzere  Zeit,
so  werden  nur  die  Beiträge  dieser  Zeit  der  Berechnung  zugrunde  gelegt.)

Zu  §  80e.  Es  handelt  sich  nur  um  die  Beitragsteile,  die  der  Hausgewerbtreibende  für  sich  bezahlt,  seine
Beschäftigten  zahlen  nach  wie  vor  zwei  Drittel  der  normalen  Beiträge  (§  804).  Die  Begründung  zum  Entwurfe  der  Reichsversicherungsordnung
  (Seite  243)  bemerkt  hierzu:  „Der  Entwurf  hält  den  Weg  offen,  die  Versicherung  der  Hausgewerbtreibenden
  da,  wo  es  durchführbar  und  erwünscht  ist,  der  allgemeinen  Krankenversicherung  entsprechender  zu  gestalten.
sl  513  des  Entwurfs,  §  485  der  Reichsversicherungsordnung  gibt  dem  Hausgewerbtreibenden  die  Möglichkeit,  sich  und
seinem  Personal  die  volle  Leistung  der  Krankenkasse,  insonderheit  also  das  volle  Krankengeld,  unabhängig  von  den
schwankenden  Eingängen  an  Zuschüssen  zu  sichern.  Dies  geschieht  dadurch,  daß  der  Hausgewerbtreibende  die  volle
Gegenleistung  für  die  Leistungen  der  Kasse  auf  sich  nimmt,  das  heißt,  der  Kasse  neben  dem  eigenen  Beitrag  noch  statt  der
Zuschüsse,  welche  der  Hälfte  der  gesamten  Gegenleistung  gleichkommen  sollen,  diese  Hälfte,  oder  mit  anderen  Worten,
daß  er  insgesamt  das  Doppelte  des  eigenen  Beitrags  einzahlt.  Geschieht  dies,  so  fällt  für  die  Kasse  der  Anlaß  fort,  ihn
anders  zu  behandeln  als  die  Versicherten  aus  den  sonstigen  Beschäftigungsgruppen.  Auch  kann  sie  keinen  Anspruch  auf
die  Zuschüsse  erheben,  die  für  diesen  Hausgewerbtreibenden  bei  ihr  eingehen.  Sie  ist  dafür  nur  Durchgangsstellc,  und
es  ist  lediglich  eine  Frage  der  Zweckmäßigkeit,  ob  sic  ihm  die  eingehenden  Beträge  bar  aushändigt  oder  sie  ihm  auf  seine
Beitragszahlungen  verrechnet.  Jedoch  darf  ein  solcher  Antrag,  der  das  ganze  Versicherungsverhältnis  auf  eine  geänderte
Grundlage  stellt,  nicht  zu  jcder  dem  Hausgewerbtreibenden  gerade  genehmen  Zeit  gestellt  oder  zurückgezogen  werden.
Namentlich  wird  Vorsorge  getroffen  werden  müssen,  daß  der  Antrag  nicht  kurz  vor  einem  vermuteten  Unterstützungsfalle
gestellt,  nach  Ablauf  der  Unterstützungsdauer  aber  alsbald  wieder  rückgängig  gemacht  wird.  Hierfür  zweckmäßige  Bestim.
mungen  zu  erlassen,  wird  Sache  der  Satzung  sein.  Die  Beitragsanteile  der  vom  Hausgewerbtreibenden  etwa  beschäf
tigten  Hilfspersonen  dürfen  aber  durch  eine  solche  in  sein  Belieben  gestellte  Maßregel  nicht  erhöht  werden,  wenngleich
ihr  Versicherungsverhältnis  damit  günstiger  gestaltet  wird.  Denn  das,  was  die  Kasse  neben  den  Unterstützungen  hier  zum
Ausgleich  für  die  höheren  Beiträge  des  Hausgewerbtreibenden  zu  gewähren  hat,  der  Betrag  nämlich  der  eingegangenen
Zuschüsse,  fließt  allein  dem  Hausgewerbtreibenden  selbst,  nicht  auch  seinen  versicherungspflichtigen  Beschäftigten  zu.

Ist  jiemand  wegen  einer  nicht  hausgewerblichen  Tätigkeit  versicherungspflichtiges  Mitglied  einer  Kasse,  sowerden
  schon  dieserhalb  für  ihn  die  vollen  Kassenbeiträge  gezahlt  und  die  vollen  Unterstützungen  geleistet:  die  Kasse  würde
also  auf  seine  Kosten  ohne  entsprechende  Gegenleistung  bereichert  werden,  wenn  sie  die  für  ihn  infolge  einer  daneben
betriebenen  hausgewerblichen  Tätigkeit  eingehenden  Zuschüsse  selbst  behielte.  Auch  in  solchen  Fällen  müssen  die  Zuschusse
mithin  ausgezahlt  oder  verrechnet  werden.“

*  Zu  §  8fDie  Kassenleistungen  müssen  nach  §  180  der  Reichsversicherungsordnung  für  die  hausgewerblichen
Versicherten  durch  die  Satzung  besonders  festgesetzt  werden.

»  ZU§8()lAbs.2SatzZ,4.DieZatmnglmtdasVerhältnis-Izubestimmcu,indemdagdlrankcngcldzuden
geleisteten  Zuschüssen  stehen  soll.  In  Satz  3,  4  ist  nur  ein  Weg  bezeichnet,  wie  das  geschehen  kann.  Am  besten  eignet  sich
zum  Vergleiche  das  letztabgelaufene  Geschäftsjahr,  da  dessen  Ergebnisse  vorliegen  und  sich  ohne  Mühe  feststellen  lassen.
Ist  der  Hausgewerbtreibende  noch  nicht  während  dieses  ganzen  Geschäftsjahrs  bei  der  Kasse  versichert  gewesen,  so  soll
die  Zeit  von  seinem  Eintritt  in  die  Mitgliedschaft  bis  zum  Eintritt  des  Versicherungssalls  maßgebend  sein.  Der  Vorschlag
im  Satz  3,  K  eignet  sich  übrigens  für  solche  Kassen  weniger,  bei  denen  die  Beiträge  der  Hausgewerbtreibenden  den  gewöhnlichen
  Durchschnitt  übersteigen,  denn  hier  würde  sich  gerade  durch  die  höhere  Beitragsleistung  das  Verhältnis  gegen,
üüber  den  Zuschüssen  zuungunsten  des  Versicherten  verschieben.  Hier  wird  also  die  Satzung  zweckmäßig  ein  anderes  Ver
hältnis  vorsehen.  Sind  z.  B.  40  /4  Zuschuß  und  50  .#4  Beiträge  gezahlt,  so  beträgt  das  Krankengeld  vier  Funitel
des  gesetzlichen  Krankengeldes,  wenn  die  Satzung  nichts  anderes  bestimmt.