Die vertragsmäßige Versteigerung des pfälzischen Rechts. 467
Dies geschah durch das Gesetz über das Liegenschaftsrecht in der
Pfalz vom 1. Juli 1898, das diesbezüglich Folgendes bestimmt:
Art. 17 lautet:
„Steht dem früheren Eigenthümer eines Grundstücks auf Grund eines Rechtsgeschäfts,
durch welches das Grundstück veräußert worden ist, ein Recht zu, kraft
dessen bei dem Eintritt eines bestimmten Umstandes das Eigenthum an dem
Grundstücke mit rückwirkender Kraft an ihn zurückfällt, so verwandelt sich das
Rückfallsrecht zu der Zeit, zu welcher das Grundbuch als angelegt anzusehen
ist, in den Anspruch auf Rückübertragung des Eigenthums und Befreiung des
Grundstücks von den Lasten, die nach der Uebertragung des Eigenthums auf
den Erwerber entstanden sind.
Zugleich treten die mit der Eintragung einer Vormerkung zur Sicherung
des Anspruchs verbundenen Wirkungen ein, bei dem in Art. 2 des Gesehes vom
26. April 1888 bezeichneten Auflösungsrechte jedoch nur, wenn das Auflösungsrecht
gemäß Art. 2 oder Art. 10 des angeführten Gesetzes gewahrt ist.“
Art. 18 lautet:
„Ist bei der Veräußerung eines Grundstücks vertragsmäßige Versteigerung
bedungen worden, so finden die Vorschriften des Art. 17 mit der Maßgabe Anwendung,
daß die Uebertragung des Eigenthums auf den Ersteher zu erfolgen
hat, dem das Grundstück bei der vertragsmäßigen Versteigerung zugeschlagen
wird. Für die Versteigerung sind die Vorschriften des Art. 202 Abs. 1, 4 bis 7
des Gesetzes vom 23. Februar 1879 zur Ausführung der Reichscivilprozeßordnung
und Konkursordunng maßgebend."“
Ueber die Bedeutung dieser beiden Artikel sprach sich der Redaktor des Gesetzes,
Oberregierungsrath im k. Staatsministerium der Justiz H. Schneider,
in der 2. Sitzung der freien Kommission der Abgeordnetenkammer zur
Berathung des Liegenschaftsgesetzes vom 18. Mai 1898 wie folgt") aus:
a. Zu Art. 17:
„Wenn der Zeitpunkt des Rückfalls eingetreten ist, wenn also der Verkäufer
auf Grund der Klage eine rechtskräftige Entscheidung dahin verwirkt hat, daß
der Kaufvertrag aufgelöst ist, dann soll dem Auflösungsberechtigten gegen den
(früheren) Erwerber des Grundstücks ein persönlicher Anspruch auf Rückübertragung
des Eigenthums und Befreiung des Grundstücks von den Lasten, die
nach der Uebertragung des Eigenthums entstanden sind, zustehen.
Es verwandelt sich also das Rückfallsrecht in einen persönlichen Anspruch,
der kraft Gesetzes mit einer Vormerkung geschützt ist. Die Rückübertragung
ist in der Form der Rückauflassung vorzunehmen, während heute das Eigenthum
einfach kraft Gesetzes zurückfällt.“
b. Zu Art. 18 sprach Schneider:
„Wenn man davon ausgeht, daß die Wiederversteigerung (wie Schneider
die vertragsmäßige Versteigerung nach alter Gewohnheit neunt) eine Auflösung
des Veräußerungsvertrags zu Gunsten des ersten Veräußerers ist, so kann man
die Wiederversteigerung an dieselben Rechtsbildungen anlehnen, die im Art. 17
gegeben sind, der Unterschied ist nur der, daß in den Fällen des Art. 17 der
Erwerber das Grundstück an den Veräußerer zurückzuübertragen hat, während
*) Entnommen aus Becher, die gesammten Materialien zu den das BGB. und
seine Nebengesetze betreffenden bayr. Gesetzen uud Verordnungen, III. Abth. S. 59 ff.