Aberfuhrung der Kriege- in Frledenswirtschaft. 353
behörden im Kriegsministerium und im Reichsamt des Innern durchgeführt
und mit dem Reichstage-Ausschuß besprochen waren. Natürlich
konnten keine allgemeingültigen Demobilmachungepläne aufgestellt werden,
sondern es waren für die militärische Demobilmachung, die zugleich eine
Demobilmachung der Friedenswirtschaft sein mußte, dieselben Rücksichten
auf wandelbare Verhältnisse zu nehmen, die auch jeder Plan kriegeswirtschaftlicher
Vorsorge für die Uberführung der Volkswirtschaft aus der
Friedens- in die Kriegswirtschaft in Mobilmachungezeiten zu nehmen haben
würde, d. h. vornehmlich mit Rücksicht auf die Zahreszeit, in diesem Falle
natürlich auch noch mit Rücksicht auf die besonderen Bedingungen, unter
denen der Friede zustande kommt.
Von grundlegender Bedeutung für die Durchführung der personellen wirtschaftlichen
Demobilmachung, so führte jene Denkschrift aus, ist die Frage, in welcher Verfassung der
Arbeitsstand bei Beendigung des Krlegee sich befinden wird. Das Ergebnis des in dlesem
Punkte sehr eingehenden und lebhaften Meinungsaustausches im Ausschuß kann dahin
zusammengefaßt werden, daß allgemein eher mit einem Mangel an Arbeitskräften
als mit dem Elntritt von Arbeitelosigkeit gerechnet wird. Dafür sprechen folgende Tatsachen.
Während des Krieges ist unsere gesamte nationale Wirtschaft gewissermaßen liquidiert,
z. T. sogar in der Substanz angegriffen worden. Man denke nur an die Eisenbahnen,
an die Handelsschiffahrt, an die Verkehremittel überhaupt. Vieles ist in Abgang gekommen,
noch mehr ist durch die Anforderungen des Krieges so stark abgenutzt worden, daß entweder
Ersatz oder durchgreifende Ausbesserung Plotz greifen muß. Allein diese Aufgaben des
Wiedcraufdaues und der Wiederherstellung werden sehr zahlreiche Arbeitekräfte in Anspruch
nehmen. Man muß sich ferner gegenwärtig halten, daß alle Lager beim Kriegoende so gut
wie gerädumt sein werden, daß cine außerordentlich lebhafte Nachfrage nach allen Bedarfsgegenständen
eintreten wird, an denen es während der letzten Jahre, entweder well
sie aufgebraucht waren oder weil sie nicht mehr hergestellt wurden, mehr oder weniger
gefehlt hat. Noch mehr als die Bekleidungeindustrien, an die hlerbei in erster Linie
zu denken ist, wird die notwendige Belebung des Baumarktee Anlaß geben zu einer
schnell und umfangreich einsetzenden Betätigung zahlreicher Industriezwelge. Auch die
Landwirtschaft wird ein außerordentlich gesteigertes Bedürfnis an Arbeitekräften haben,
denn ee ist schwerlich damit zu rechnen, daß auch nur ein erheblicher Bruchteil der gewaltigen
Zufuhren an landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die wir in der letzten Friedenszelt bezogen
haben, in den ersten Jahren der Übergangewirtschaft zur Verfügung stehen wird. Nach
alledem wird damit zu rechnen sein, daß eher ein Mangel an Arbeitern eintreten wird.
Dieser Mangel würde voraussichtlich sogar ein dußerst empfindlicher werden, wenn es
nicht gelänge, die polnisch-russischen und polnisch-galizischen Arbeiter, die in sehr großer
Zahl in Deutschland beschäftigt sind, im Lande zu behalten und weitere Anwerbungen
vorzunehmen. Das ist aber keineswege der einzige unsichere Faktor in der Rechnung.
Solange sich nicht überseben läßt, in welchem Umfange die sicherlich stürmisch einsetzende
Nachfrage nach Rohstoffen befriedigt werden kann und nach welchen Gesichtspunkten
bei der Derteilung verfahren werden wird, solange ferner ungewiß bleibt, bis zu welchem
Maße noch durch die unauebleiblichen Opfer des Krieges die Volkskraft angegriffen und
verbraucht wird, läßt sich zu einem abschließenden Urteil in der Frage der Arbeiterbeschaffung
schwerlich gelangen.
Habel ist aber ein weiterer, gleichfalls überaus schwer einzusetzendee Faktor noch
gar nicht in Rechnung gezogen. Ee ist dies die Rückschaltung der gewerblichen Betriebe
Dlr. Wirtschaftskrieg und Kriegswmirtschaft. 23