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Rechte und verfassungsmäßige oder gesetzlich bestehende Vorschriften gebührend
achten werden, wird Gerechtigkeit für alle unser leitender Grundsatz sein.“
(Erwiderung auf die Thronrede, 23. Dezember 1848.)
Einstweilen hatte freilich die Lösung dieser Aufgabe hinter dem Verlauf
der Verfassungsberatungen im Frankfurter Parlament zurückzutreten. Als diese
am 27. März 1849 glücklich zu Ende geführt waren, erkannte zugleich mit den
Bevollmächtigten von 27 anderen Bundesstaaten auch die braunschweigische
Regierung die Reichsverfassung nach den Beschlüssen der zweiten Lesung als
für sie verbindlich an (Note vom 14. April 1849) und erklärte sich mit der
Ubertragung der erblichen Kaiserwürde auf den König von Preußen einverstanden.
Der Landtag stimmte diesem Vorgehen einmütig zu 1) und veranlaßte
das Ministerium, den Text der Verfassung sofort durch amtliche Veröffentlichung
zur Kenntnis des Landes zu bringen. Als kurz hernach (28. April 1849)
Friedrich Wilhelm IV. die Annahme der Krone endgültig ablehnte und, um
auf dem Wege gütlicher Verständigung mit den einzelnen Bundesstaaten die
Verfassungsreform ohne Osterreich durchzuführen, mit Sachsen und Hannover
das Dreikönigsbündnis abschloß, trat die braunschweigische Regierung dem
Bunde unverzüglich bei. In einer stürmischen Sitzung, die wegen des wüsten
Lärmens auf der Galerie unterbrochen werden mußte, genehmigte in namentlicher
Abstimmung der Landtag gegen die Stimmen der radikalen Linken den
Beitritt zum Bündnis (3. August 18492) und ward dann zur Beruhigung
der Gemüter bis zum 9. November vertagt.
Schon wenige Wochen nach der Beendigung der Frankfurter Verfassungsberatungen,
am 12. Mai 1849, hatte die gesamte Linke die verheißene Reform
der einheimischen Verfassung wieder in Fluß zu bringen gesucht, indem sie anheim
gab, es möge das Staatsministerium um sofortige Vorlegung eines abgeänderten
Landesgrundgesetzes und um Einbringung eines endgültigen Wahlgesetzes
ersucht werden. Der Antrag war der Verfassungskommission überwiesen,
die auf Grund mündlicher Abrede mit dem Geheimrat v. Schleinitz nun den
Entwurf eines neuen Staatsgrundgesetzes 3) ausarbeitete und ihn — am
14. September 1849 — dem Ministerium zugehen ließ.
1) Sitzung vom 17. April 1849. Schon früher, am 23. Dezember 1848, hatte
er auf Schmids Antrag die Wünsche des Landes dahin ausgesprochen, daß die Würde
und Macht der Reichsgewalt, wie die innere Wohlfahrt Deutschlands nicht anders
gewahrt werden könne, als wenn ein erbliches Haupt an Deutschlands Spitze trete
und die preußische Krone, als die mächtigste Deutschlands, zur deutschen Krone erweitert
werde.
2) Der Antrag war von der „Kommission für die deutschen Angelegenheiten“
vorberaten und von deren Mehrheit (v. Campe, Schaper, Präsident der Versammlung,
Landesgerichtsprokurator in Wolfenbüttel, Caspari und Trieps) befürwortet.
Die Minderheit (Aronheim, Grassau II, Hollandt) hielt unter allen Umständen an
der Frankfurter Verfassung fest, obwohl deren Durchführung sich schon als unmöglich
erwiesen hatte, fürchtete auch — aus gutem Grunde, wie sich bald ergeben sollte —,
daß die süddeutschen Staaten dem Dreikönigsbündnis fern bleiben würden.
5) Auch den Entwurf eines Gesetzes über die Verantwortlichkeit der Minister,
der sonstigen Staatsbeamten und der Mitglieder des ständigen Landesausschusses. —