zu sprengen und dann mit ganzer Gewalt auf Blücher, den er am meisten
fürchtete, zu fallen, um den verhaßten Gegner zu vernichten.
Vom 14ten Juni an begannen die Gefechte. Am 16ten hatte sich Blücher
so weit concentrirt, daß er 80,000 Mann bei St. Amand, Ligny und
Sombreuf zur Schlacht aufstellen konnte. Gegen Mittag erschien Wellington
bei ihm und schied mit der Versicherung, er würde um 4 Uhr zur Unterstützung
herbeieilen, im Falle er nicht selbst angegriffen würde. Gegen ihn aber hatte
Napoleon den Marschall Ney gesendet, um jede Hülfsleistung zu verhindern.
So blieb denn dem Kaiser die Hand zum Angriffe auf Blücher vollkommen
frei, und da in dem preußischen Heere das vierte Corps unter dem General
Bülow den Befehl zum Vorrücken zwanzig Stunden später, als berechnet war,
erhalten hatte, so konnte Letzterer natürlich nicht auf dem bezeichneten Kampfplatze
erscheinen. Dennoch wogte das Gefecht lange hin und her. Bei einem
hitzigen Angriffe erhielt Blücher's Pferd einen tödtlichen Schuß und stürzte auf
seinen Reiter, während die feindliche Cavallerie mit gewaltigen Massen vorging.
Man glaubte ihn einen Augenblick verloren, und wie ein Wunder kann es erscheinen,
daß es seinem treuen Adjutanten Nostiz gelang, ihn zu retten. Des
Feldherrn Abwesenhett verzögerte jedoch nicht die Thatkraft des Heeres, denn
Gneisenau stellte sich an die Spitze und führte das Heer dem linken Flügel
des befreundeten Feldherrn zu.
Für Wellington war der vorgesehene Fall wirklich eingetreten, denn Rey
war, wie wir schon wissen, gegen den englischen Feldherrn vorgegangen und
hatte ihn in seiner Stellung festgehalten. Der Zusammenstoß geschah bei
Quatrebras. Hier entspann sich ein hartnäckiger Kampf, in welchem der
tapfere Herzog Ferdinand von Braunschweig einen glorreichen Heldentod
fand. Aus diesen Gründen hatte Wellington sein Versprechen nicht loͤsen
könmen.
Naopoleon war der Ueberzeugung, Blücher sei gänzlich geschlagen, und
begnügte sich damit, ihn am 17ten mit geringen Streitkräften verfolgen zu
lassen, täuschte sich aber in seinem Marsche, der, wie wir wissen, auf Gneisenaus
Befehl die Richtung gegen Wellington hin nahm.
Letzterer stand mit einem aus Engländern, Zannoveranern und Niederländern
bestehenden Heere auf der Straße, die nach Brüssel führt, und zog
sich in die Stellung von Mont St. Jean zurück, Anfangs mit großer Besorgniß,
doch bald beruhigt, da Blücher ihm verhieß, nicht mit einer Abtheilung,
sondern mit seinem ganzen Heere am 18ten helfend zur Hand zu sein,
sobald er eine Schlacht zu liefern gedächte.
Beide Heere brachten die Nacht unter Waffen zu, schon dadurch ermüdet,
so wie durch einen anhaltenden Regen, welcher ringsherum den Boden aufgeweicht
hatte und dadurch die Nachtmärsche noch erschöpfender machte. Erft
um halb zwölf Uhr Mittags, den 18ten Juni, begannen die Angriffe der
Franzosen auf die vordersten Posten des rechten Flügels, breiteten sich von