Die Steigerung der Arbeitslöhne. 207
monat, d. h. im September 1918, meldeten sich auf 100 offene Stellen für
männliche Personen sogar nur noch 46 Alrbeitsuchende, auf 100 Stellen
für weibliche Personen 73. Auch das Angebot weiblicher Hilfekräfte
entsprach also durchaus nicht mehr der ständig zunehmenden Nachfrage.
Die Frauen hatten Eingang gefunden in alle Erwerbezweige, auch in
dlejenigen, von denen sie zu Friedenezeiten durch soziale Gesetzgebung
ausgeschlossen waren.
Selbstverständlich ergab sich bei dieser Gestaltung des Arbeitemarktee
auch eine bedeutende Steigerung der Arbeitelöhne. So erreichten
im ersten Vierteljahr 1918 die Löhne der unter Tage beschäftigten Bergarbeiter
im Ruhr-Revier annähernd 1000 Mark für das Vierteljahr.
Der durchschnittliche Schichtlohn überstieg 12 Mark. Er hatte vom dritten
Vierteljahr 1914 bis zum ersten Vierteljahr 1918 folgende Entwicklung
aufzuweisen:
6,08, 6,13, 6,36, 6,66, 7,04, 7,29, 7,62, 8,05, 8,50, 8,88, 9,33, 10,00
10,70 11,51, 12,16 Mark.
Bei der Würdigung dieser Lohnzahlen darf nicht übersehen werden,
daß die Zusammensetzung der Gesamtbelegschaft unter dem Einfluß des
Krieges eine nicht unerhebliche Verschiebung gegen die Zeit vor Kriegsbeginn
erfahren hat. Die tüchtigsten und bestgelohnten Arbelter der
ersten Lohnklasse (Hauer) sind zum großen Teil zum Heereedienst eingezogen;
dadurch ist das Prozentverhältnie ihrer Zabl zur Gesamtbelegschaft
gegen früher wesentlich verändert. An die Stelle der Hauer sind
junge Schlepper und Wagenstößer getreten. Die Verwendung jugendlicher
und weiblicher Arbeiter hat erheblich zugenommen, auch sind ungelernte
Arbeiter in großer Zahl eingestellt worden. Infolge der geringeren
Leistungsfähigkeit der Belegschaft ist daher der Durchschnitt der Löhne
niedriger, als er sich für Arbeiter mit früherer Leistungefähigkeit ergeben
würde.
Im allgemeinen wurden während des Krieges von der industiiellen
Arbeiterschaft Löhne erreicht, die namentlich in den Industriezentren und
Großstädten alles bieher Dagewesene weit überstiegen.
Da gerade die eigentlichen Kriegsarbeiter sowohl von Staats wegen
wie auch durch die Werke möglichst reichlich mit Nahrungemitteln zu im
Vergleich zur Weltmarkt-Konjunktur mäßigen Hoöchstpreisen versehen
wurden, so war die Steigerung der Löhne um ein beträchtliches höher
als die Steigerung der Unterhaltskosten gegenüber der Friedenzzeit;
und die Kriegearbeiter waren demgemäß in der Lage, mit gesteigerten
Bedürfnissen an die allgemeine Lebenshaltung heranzutreten. Nur durch
die so gesteigerte Kaufkraft der breiten Masse erklärt es sich
auoreichend, daß auch das gesamte Preieniveau der im freien Handel