Der Ausbau der Wasserstraßen. 305
selbst die Mobilmachung des Berkehre versagt hatte im Hinblick auf die
Binnenschiffahrt. Ihr entstanden zunächst gleich im Augenblick der Mobilmachung
beträchtliche Schwierigkeiten durch die Einziehung eines beträchtlichen
Keiles ihrer Mannschaften, die durch geübte Kräfte nicht ersetzt
werden konnten. Aus diesem Grunde wurden Einschränkungen derjenigen
Bestimmungen für die Binnenschiffahrt zugelassen, die in Friedenszeiten
aus sozialen Gründen auf dem Wege der Gesetzgebung und Verordnung
getroffen worden waren.
Der Krieg traf die Binnenschiffahrt unvorbereitet und ratlos.
Es fanden sich keine Kräfte, die sie in der Stunde der Not großzügig organisiert
hätten. Ale sie am nützlichsten hätte werden können und müssen,
lag sie am hilflosesten danieder.
Hier gibt es außerordentlich viel zu lernen. Einmal lehrt uns der
Krieg, wie notwendig ein ganz umfassender Ausbau nicht nur des
deutschen, sondern des mitteleuropäischen Wasserstraßennetzes ist —
zwischen der Nord- und Ostsee und dem Schwarzen Meer, zwischen Mosel,
Memel und Donau. Sodann aber, daß der Verkehr auf diesen Wasserstraßen
die vollständige Zersplitterung nicht duldet, sondern eine planmäßige
Zusammenfassung der Kräfte heischt. In wie viel Privatunternehmungen
und kleinste Einzelbetriebe die Binnenschiffahrt auch immer
zerfallen mag — wenn es darauf ankommt, muß ein Wille maßgebend
sein, der alle Kräfte auf den Platz setzt, an dem sie gebraucht werden.
Auf welchem Wege man am zweckmäßigsten und unter möglichst
weitgehender Schonung aller Rechte und aller selbständigen Existenzen
zu diesem Ziele gelangen wird, soll hier nicht untersucht werden. Aber
es ist durchaus notwendig, das Ziel aufzustecken und weithin sichtbar
zu machen. Welche Dienste hätte uns nicht während der Höhezeit des
Krieges ein wohlorganisierter, ungehemmter Binnenverkehr auf den
Wasserstraßen von Metz bis Kowno, von Antwerpen bis Rustschuk leisten
können! Seitdem Bulgarien in den Krieg eingetreten und in gemeinschaftlichem
Wirken der deutschen und bulgarischen Heere die serbische
Donaubarre gesprengt war, gewann für die deutsche Beteiligung auf den
südöstlichen Kriegeschauplätzen und für die Bersorgung Deutschlande mit
Lebenemitteln aus dem Südosten insbesondere der Donauverkehr eine
bohe Bedeutung.
Gerade im Zusammenhang mit diesen Fragen des Donauverkehrs
wurde schließlich auch die Kriegsorganisation des Verkehrs auf den
Binnenwasserstraßen dem deutschen Chef des Feld-Eisenbahnwesenes
unterstellt. Auf seine Anregung ist es auch zurückzuführen, daß im Februar
1916 über die Erhöhung der Leistungefähigkeit des Eisernen-Tor-Kanals
durch eine gemischte Kommission beraten wurde.
Dir,. Wirtschaftskrieg und Nriegswirtschaft. 20