308 Industrie, Handel und Derkehr.
Andere der leidende Teil der Industrie, dem der Krieg zunächst
die Beschäftigunge- und Absatzgelegenheiten nimmt oder sie doch mehr
oder weniger schwer beeinträchtigt. Dieser Teil mußte nach Kräften
bemüht sein, sich von der passiven auf die aktive Seite hinüberzuschlagen,
d. h. seine Gütererzeugung, soweit angängig, den Heeresbedürfnissen
im besonderen und den außerordentlich vielseitigen Kriegebedürfnissen
im allgemeinen anzupassen.
Der Übergang des einzelnen Unternehmens in die Reihe der Produzenten
von Kriegebedarf war Sache der Privatinitiative. Die vorhandenen
industriellen Organisationen und Verbände aber hatten die
Aufgabe, mit Rat und Hilfe auch bei diesem Werk den Einzelunter--nehmungen
zur Seite zu stehen und auch in sich einen Umbau für die
Kriegezwecke vorzunehmen. So traten zu den amtlichen Körperschaften,
die für die am Kriege tätig beteiligte Industrie Fürsorge zu treffen hatten,
private Körperschaften für die Beratung und Förderung der zunächst
leidend beteiligten Industrie.
Als Hauptbeispiele beider Gruppen mögen die vom Kriegeministerium
geschaffene Kriegs-Rohstoffabteilung und der von den
beiden alten Hauptorganisationen der deutschen Industrie eingerichtete
Kriegeausschuß der deutschen Industrie namhaft gemacht werden.
Die Kriege-Rohstoffabteilung stellt sich dar als eine amtliche Hauptorganisation,
die sich mannißfach verzweigt in dem Gebilde mit amtlichem,
halbamtlichem und privatem Charakter. Sie trat ins Leben am
13. August 1914.
Die unmittelbare Anregung ging aus von Walter Rathenau,
dem Präsidenten der Allgemeinen Elektrizitäte-Gesellschaft, der acht
Tage nach der Mobilmachung dem Kriegeminister v. Falkenhayn die
Schwierigkeiten der Rohstoffversorgung im Kriege und all jene Gesichtepunkte
darlegte, die vor dem Kriege in einer reichen Literatur für die
wirtschaftliche Kriegsvorsorge geltend gemacht waren.
Wao das Kriegeministerium seinerseits bie dahin völlig unbeachtet
gelassen hatte, fand nun plötzlich in der Stunde der Not regste Beachtung,
und unverzüglich wurde Herr Walter Rathenau selbst vom Kriegeminister
damit beauftragt, die nötigen Schritte in die Wege zu leiten und eine
Kriege-Rohstoffabteilung des Kriegeministeriums ins Leben zu rufen.
Die Erwägungen, die zu ihrer Gründung geführt haben, wurden in einer
Darlegung des Kriegeministeriums mit folgenden Worten ausgedrückt:
„Wenn mit einer längeren Oauer des Krieges gerechnet wird, gewinnt
die Wirtschaft der Rohstoffe, die zur Verteidigung des Landes dienen,
einc Bedeutung, die für den Feldzug entscheidend sein kann. Eine Reihe
von Rohstoffen wird nicht oder nur unzureichend im Lande gewonnen;