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net hatte: dégager Verdun« — das verrammelte
Ausfalltor des Eckpfeilers der französischen Ostfront
wieder aufzustoßen, so ist dieses Ziel nicht erreicht
worden. Am rechten Schulterpunkt der französischen
Angriffsfront hatte schon vor dem Losbruch der neuen
französischen Verdun-Offensive ein Unternehmen der
Badener den rechten Arm des Angreifers gelähmt,
so daß die neue Verdunschlacht dem Angreifer zwar
seinen so dringend benötigten Moralerfolg gebracht
hat, dann aber am Heldenmut der Verteidiger allmählich
ermüdet u. zuletzt erloschen ist. 14—15 franz.
Divisionen kehrten zermürbt in ihre Lager zurück.
Der englische Bundesgenosse hat noch einen zweien
Bruch der feierlichen Zusage (s. oben) erzwungen.
Er bedurfte dringend neuer Opfer der bis zur Unerträglichkeit
angespannten Volkskraft seines kontinentalen
Waffenbruders. Denn die Flandernschlacht kam
nicht vorwärts. Allen Anstürmen zum Trotz behaupleten
die Deutschen die Sperre, die sie vor die U-Boot-Basis
gelegt hatten, und wenn es noch eines Beweises
bedurft hätte, daß die neue Verdunschlacht ruhmlos
erloschen sei — die französische Führung hat ihn geliefert,
indem sie schon von Mitte September ab einen
Ansatzpunkt für einen örtlichen Vorstoß einzurichten
trachtete. Ihre Wahl fiel auf die »Laffauxecke«, jenen
scharf ausspringenden südwestlichen Winkel, der von
uns nach der Aisneschlacht gehaltenen neuen Linie
am Damenweg, südlich von der Ailettet. Eshandelte
sich, strategisch angeschaut, um eine Wiederaufnahme
eines Hauptgedankens der Aisneschlacht, allerdings in
verkleinertem Maßstab, um Eindrückung des äußersten
südwestlichen Vorsprungs unserer Westhront und, entfernter,
um die Rückeroberung der Stadt Laon.
Auch hier ist den Franzosen ein Anfangserfolg beschieden
gewesen?, der jedoch abermals in völligem
Mißverhältnis steht zu der verdichteten Zusammenballung
der französischen Angriffomittel auf einen
kärglich schmalen Frontabschnitt. Noch einmal bahnte
sechstägiges Trommelfeuer den französischen Sturmtruppen
einen blutdurchtränkten Einbruchspfad. Noch
einmal kam der Entschluß der deutschen Führung,
auf unhaltbar gewordenen Geländeteilen keine sinnlosen
Menschenopfer mehr zu bringen, dem französischen
Bedürfnis nach Scheinerfolgen entgegen, inden
wir einen Teil unserer vorderen Linien auf die rückwärtsgelegenen
Höhenkämme verlegten. Eine strategische
Auswirkung ist den französischen Waffen auch
diesmal versagt geblieben. Die übliche Beute an deutschen
Gefangenen und eingebautem Kriegsgerät, so
schmerzlich sie uns auch sein mußte, ist eine dürftige
Entschädigung für neue schwere Blutsteuer und abermals
zerschmetterte Hoffnungen, die den Franzosen
schließlich als einziges Endergebnis des letzten diesjährigen
Ansturms verblieben ist.
Arras 19175.
Die Front der Arrasschlacht reicht von Loos im
Norden bis Quéant im Süden und wird durch die
Scarpe, die bei Blangy unsere Linie in östlicher Richtung
überschreilet, in nahezu gleiche Teile zerlegt.
Die Stadt Arras, welche der Schlacht den Namen
1r# hat für die Kampfhandlung selbst lediglich die
edeutung einer Hauptstelle für die Regulierung des
feindlichen Nachschubs und eines Schlupfwinkels für
englische Arlillerie und Bereitschaften. Die infolge-1
Vgl. die Karte, S. 11. — : Rückzug der Deutschen hinter
die Ailetie am 2. November. — 3 Vgl. die Karte, S. 84.
I. Kriegsgeschichte
dessen längst zusammengeschossenen Trümmer der
Stadt sind von der Zivilbevölkerung geräumt.
In der Ausführung der englischen Durchbruchsabsicht
lassen sich an der Arrasfront drei zeitlich und
methodisch umgrenzte Abschnitte unterscheiden:
1) In der Woche von Ostermontag, dem 9. April,
bis zum 13. des Monats, der große, gleichmäßig starke,
frontale Anprall auf der ganzen Front,
2) von Mitte bis Ende April allgemeine Angriffe
auf der ganzen Front, unter Verlegung des Hauptdruckes
erst auf den südlichen, dann auf den nördlichen
Teil unserer Linie,
3) Kämpfe mit dem Schwergewicht auf einzelnen
Geländepunkten in den Angriffen des Mai und Juni.
I. Der erste Anprall.
1.
Der erste große Durchbruchsversuch am Ostermontag
(9. April) war vorbereitet durch wochenlanges
planmäßiges Wirkungsschießen der feindlichen schweren
Artillerie, das in zusammengefaßten, oft krampfartigen
Feuerüberfällen die einzelnen Strecken und
Punkte unseres Grabennetzes, soweit sie ihrer Erdbeobachtung
zugänglich waren, allmählich unsere Gräben
in Trichterstellungen verwandelte. Der durch das
Wetter motertief aufgeweichte Boden ließ eine Wiederherstellung
nicht zu. Wo die Unterstände nachgegeben
hatten, stand die Besatzung schutzlos in Frost und
Feuer. Die Beschießung wuchs von Tag zu Tag an
Stärke, setzte wie zu einer letzten Pause der Sammlung
zwei Tage vor dem großen Angriff plötzlich aus,
begann am Abend des 8. April aufs neue mit zermürbenden
Feuerwellen auf unsere Infanterie und
Gasbeschuß auf unsere Batterien und schwoll am 9.
früh nach 5 Uhr mit größter Heftigkeit zu einem gewaltigen
Trommelfeuer an. Die ganze Linie Souchez--Hénin
sur Cojeul stand für zwanzig Minuten im
Wirbelsturm aufspritzender Erdfontänen. Von einer
eradezu unerträglichen Wucht war das feindliche
Artilleriefeuer bei der Straße Neuville St. Vaast-Thelus,
dem Schauplatz jahrelanger Grabenkämpfe,
und weiter südlich bei der Straße St. Laurent-Athies-Fampoux,
wodie Engländer nach eigener
Angabe auf eine Breite von 5 km 456 Feldgeschütze,
240 schwere und schwerste Geschütze und 268 Grabenmörser
auf unsere Linie wirken ließen.
Es bestand sonach kein Zweifel, daß der Gegner
sein engeres Ziel darin suchte, an diesen beiden Stellen
frontal Keile in unsere Linie zu treiben, die sich
hernach fächerartig zerteilen und unser Grabennetz
nach Norden und Süden aufrollen sollten. Der Infanterieangriff
fand einen wohlvorbereiteten Boden.
Zwar wurden die ersten Angriffswellen von unseren
noch kampffähigen Maschinengewehren und dem
Sperrfeuer unserer Artillerie größtenteils aufgerieben;
dem nun folgenden Ansturm englischer Massen
konnte jedoch die erste und zweite Linie unserer vorderen
Stellung keinen dauernden Widerstand leisten.
An den beiden obenbezeichneten Einbruchstellen gelang
es den Engländern, ziemlich tief in unsere Stellung
einzudringen, so daß ihnen die Möglichkeit tatsächlich
eröffnet war, dort die noch enerschlktert gebliebenen
Teile unserer Linie von Norden nach Süden
zu umfassen. Diese Absicht gelang ihnen im Süden
nur bis zur Linie Westrand Roeup-Bestrand Henin
sur Cojeul. Im Norden verblieb preußischen Regimentern
der Ostteil der Vimy-Höhen, während westlich
von Givenchy und nördlich davon uns nicht ein-