Full text : Geschichte des Preußischen Staates

Kaiser  Otto  der  Große.  —  Markgraf  Gero.  5

warden,  wurden  Burggrafen  oder  Kastellane  vorgesetzt,  und  wieder  diese  unterstanden
dem  Markgrafen,  der,  bald  als  dux  ei  marchio,  als  Markherzog  bezeichnet,  nur  um
so  mehr  in  jeder  Beziehung  maunscchränt  gebot,  als  der  Besitz  des  Landes  von  der
Kraft  seines  Armes  allein  abhing.  Nur  dem  Kaiser  war  er  unterthan.  Das
war  indessen  schon  klar,  daß  man  auf  einen  dauernden  und  friedlichen  Besitz  des
Landes  nur  hoffen  könne,  wenn  die  Slaven  zum  Christentum  bekehrt,  und  ihr
blutdürstiger  heidnischer  Gottesdienst  völlig  ausgerottet  sei.  Vornehmlich  der  Kaiser
Otto  der  Große  selbst,  beseelt  von  wahrhaft  frommem  Eifer,  erkannte,  daß  nur
so  die  Aufgabe,  die  Deutschland  hier  gestellt  war,  gelöst  werden  konnte.  Er
gründete  daher  946  für  die  Redarier  das  Bistum  Havelberg,  948  für  die  Heveller  /6
und  Liutizen  das  Bistum  Brandenburg,  und  968  endlich  gelang  es  ihm,
seinen  Lieblingsplan  auszuführen  und  in  treuem  Gedenken  an  seine  zärtlich  geliebte
erste  Gemahlin  Edith  ein  besonderes  Erzbistum  für  die  flavischen  Länder,  das
von  Maydeburg,  zu  begründen.  973  feierte  der  Kaiser  hier  das  Osterfest  und
stattete,  wie  schon  vorher  die  beiden  Bistümer,  so  auch  das  Erzbistum  mit  den
reichsten  Gütern  aus.

Doch  nur  zu  bald  nach  dem  Tode  des  mächtigen  Kaisers  sollte  sich  zeigen,
wie  wenig  gesichert  diese  Länder  noch  immer  für  Deutschland  waren,  wie  ihr  Besitz
abhängig  war  von  der  äußeren  Gewalt,  mit  der  das  deutsche  Königtum  selbst
seine  Macht  zur  Geltung  zu  bringen  wußte.  Denn  als  Kaiser  Ottos  Sohn  Otto  II.
von  den  Arabern  982  jene  furchtbare  Niederlage  in  Unter-Italien  erlitten  hatte,
da  erhob  sich  auch  das  ganze  Wendenvolk  wie  ein  Mann,  und  mit  erschütternder
Gewalt  kam  aller  Haß  und  Ingrimm  der  Slaven  gegen  die  sie  verachtenden
Deutschen  und  den  Christengott  zum  entsetzlichsten  Ausbruch.  Am  29.  Juni
stürmten  die  Liutizen  Havelberg,  drei  Tage  später  Brandenburg,  zerstörten  die
Städte,  raubten  und  plünderten  die  Schätze  der  Kirche,  machten  nieder,  was  ihnen
entgegen  trat  und  drangen  unter  wüstem  Kriegsgeschrei  über  die  Elbe  bis  zum
Tanger  vor.  Einem  weiteren  Vorgehen  ward  freilich  durch  ein  deutsches  Heer
Halt  geboten,  aber  die  Bistümer  waren  völlig  vernichtet,  das  Heidentum,  doch
nur  äußerlich  unterdrückt,  lebte  neu  auf,  und  ein  großer  Teil  der  Nordmark,  das
ganze  Gebiet  östlich  der  Elbe,  war  verloren.  Auf  anderthalb  Jahrhunderte  hinaus
gab  es  nun  zwar  noch  deutsche  Markgrafen,  aber  ihre  Macht  war  gebrochen,  und
jenseits  der  Elbe  herrschten  wieder  flavische  Häuptlinge.  Auch  Bischöfe  von
Brandenburg  und  Havelberg  wurden  wieder  ernannt,  aber  ihre  Sprengel  auch
nur  *  betreten,  wagten  sie  nicht  mehr.

arkgraf,  Werner  von  Walbeck,  nötigte  zwar  im  Frieden  von  Werben
1005  din  Wenden  zur  Anerkennung  der  deutschen  Herrschaft,  und  Kaiser  Heinrich  II.  1
wahrte  sie  sowohl  durch  Verhandlungen  zu  Werben,  Arneburg  und  Wallersleben,
  als  durch  energisches  Einschreiten  gegen  die  fortwährenden  Räubereien  und
durch  Wiederherstellung  der  deutschen  Grenz-Burgen.  Doch  gerade  Heinrich  mußte
es  stillschweigend  anerkennen,  daß  alle  christlichen  Einrichtungen  zerstört  blieben,
der  alte  Götendienst  sich  behauptete.  Noch  einmal  flammte  dann  das  Interesse
für  die  Germanisierung  und  Christianisierung  unter  dem  hochstrebenden  Erzbischof
Adalbert  von  Bremen  auf,  und  das  kühne  Unternehmen  dieses  gewaltigen  Kirchenfürsten
  schien  um  so  mehr  Aussicht  auf  Erfolg  zu  haben,  als  sich  ihm  ein
christlich  erzogener  Obotritenfürst  Namens  Gottschalk  anschloß,  und  dieser,  begünstigt
  durch  innere  Streitigkeilen  zwischen  verschiedenen  wendischen  Stämmen,

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