aoch 31. Jul)
1. August.
2%% nachmittags: Ein weiteres Telegramm des Kaisers an den Zaren: Hinweis auf die
alte traditionelle deutschsrussische Freundschaft, eindringliche Warnung vor den ver“
hängnisvollen Folgen der russischen Kriegspolitik. [230] Das Telegramm kreuzt sich
mit einem Telegramm des Zaren an den Kaiser; Die Einstellung der militärischen
Vorbereitungen sei technisch unmöglich. Er gebe aber sein Wort darauf, daß seine
Truppen, solange die Verhandlungen andawerten, keine herausfordernde Handlung
begehen würden. [240]
Graf Pourstal&s versucht vergeblich, den Zaren zu bewegen, die Mobilmachung
rückgängig zu machen, Der russische Flausminister Graf Fredericks sagt Pourtales,
daß Suchomlinsw und Maklakow die Mobilmachungsorder durchgesetzt hätten, weil
die innere Lage Rußlands auf eine Entscheidung dränge, [241]
Österreich-IIngarn ı2°° nachmittags: Allgemeine Mobilmachung. [242]
Deutschland ı* nachmittags: Erklärung des Zustandes drohender Kriegsgefahr.
3°° nachmittags: Telegramm des Reichskanzfers an den Botschafter in Petersburg:
Deutschland sei durch die russische Mobilmachung gezwungen worden, zur Sicherung
des Reiches die »drohende Kriegsgefahr« auszusprechen, Die Mobilmachung müsse
folgen, falls Rußland nicht binnen zwölf Stunden die Kriegsmaßnahmen gegen
Deutschland und Österreich einstelfe. Dieses Telegramm wurde um Mitternacht
Sasonow vorgelegt. [243]
Die deutsche Regierung stellt 7? abends in Paris die Frage, ob Frankreich in
einem deutsch-russischen Kriege neutral bleiben werde, [244] Der französische Minister
des Auswärtigen gibt bei der Ulnterredung mit dem deutschen Botschafter vor, »über
eine angebliche Gesamtmobilmachung der russischen Armee in keiner Weise unterrichtet
zu sein« [245], obwohl er am Morgen ein Telegramm Pal&ologue's mit Mel«
dung über die russische Gesamtmobilmachung erhalten hatte, [246]
Ermordung des kriegsfeindlichen französischen Sozialistenführers Jaures in Paris.
Grey teilt Cambon mit, daß er eine Verletzung der belgischen Neutralität nicht
dulden und jede Demonstration der deutschen Flotte an der französischen Küste
verhindern werde. [247]
Auf die Anfrage des deutschen Botschafters, ob, wenn Deutschland verspreche,
Belgiens Neutralität nicht zu verletzen, England sich verpflichte, neutral zu bleiben,
gibt Grey ausweichende Antwort, Die weitere Frage, welche Garantien England
für seine Neutralität fordere, sowie das Angebot der Integrität Frankreichs und
seiner Kolonien, erfuhren die gleiche Ablehnung mit der Begründung: »England
müsse sich die Hände freihalten«, [248]
i° nachmittags; Antwort der französischen Regierung auf die deutsche Anfrage
vom vorigen Abend: »Frankreich werde tun, was seine Interessen ihm geböten«.
[249]
4°” nachmittags: Eingang eines Telegramms Lichnowskys im Auswärtigen Amt:
Grey habe gefragt, ob Deutschland sich-verpflichten würde, in einem deutsch«
russischen Kriege Frankreich nicht anzugreifen, falls es neutral bliebe. [250]