Full text : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

58  2.  Deutjche  Zuftände  nad)  dem  weftfälifchen  Frieden.

zehnten  Sahrhundert  fo  Fraftvoll  wieder  belebt  hatte,  für  die  |panische
  die  Großmacstitellung  des  Reichs,  für  beide  der  Umstand
günjtig,  daß  die  Heiterfeit  fünftleriichen  Schaffens  nicht  wie  in
den  germanischen  Ländern  und  insbejondere  in  Deutjchland  durch)
den  furchtbaren  Ernft  der  religiöjen  Kämpfe  und  das  Grübeln  und
Banfen  über  abjtrafte  Dogmatifche  Fragen  getrübt  wurde.  In  den
Kriederlanden  wirkte  umgefehrt  der  proteftantifche  Geift  belebend,
der  fich  und  fein  Land  von  der  Spanilchen  Tyrannei  befreit  und
auf  den  Brotejtantismus  ein  herrlich  aufblühendes  Gemeinweien
gegründet  Hatte.  In  Franfreich  traf  die  Kunft  einen  goldenen
Boden  in  der  zum  Abichluß  gelangenden  abjoluten  Monarchie,  die
ihrer  bedurfte,  und  fie  fand  an  Ludwig  XTV  den  zwar  nicht  die
Kunst,  wohl  aber  die  Pracht  liebenden  König,  der  fie  zum  Schmud
des  von  ihm  aufgerichteten  Machtgebäudes  nicht  entbehren  wollte
und  der  auch  mit  den  Mitteln  nicht  zu  fargen  brauchte.  Die  Brachtbauten
  des  für  die  Gefellichaft  in  diefem  Staate  jo  charakteriftifchen
Barod-  und  Rokofoftils  verherrlichten  die  Regierung  desjelben
Königs,  deflen  Heere  auf  jeinen  Befehl  blühende  Städte  Deutichlands
  und  deren  Herrlicäite  Runftdenfmäler  aus  älterer  Zeit,  wie
den  Dom  zu  Speyer,  da8  Schloß  zu  Heidelberg,  zerjtürten.
Übrigens  hat  das  deutfche  Volk  doch  felbft  auch  in  jenen  trübften
Beiten  feiner  Gejchichte  feine  fünftlerifche  Veranlagung  nicht  ganz
verleugnet.  Nur  allmählich  jebte  der  furchtbare  Krieg  der  Baufujt
  ein  Biel,  die  gerade  in  der  zweiten  Hälfte  des  jechzehnten  und
im  erjten  Biertel  des  fiebzehnten  Jahrhundert3  vielfach  die  deutjchen
Städte  umgeftaltete  und  mit  ftattlichen  Nathäujern  und  monu-=mentalen
  Bürgerhäufern  im  Stile  der  von  Stalien  her  ftammenden,
in  Deutfchland  aber  felbftändig  ausgebildeten  neuen  Bauweile
Ihmücte.  Die  malerifchen  Befeftigungswerfe  der  deutichen  Städte,
die  fi)  dann  im  Krieg  trefflich  bewährten,  wurden  zum  großen
Zeil  im  erften  Viertel  des  neuen  Jahrhundert  erneuert.  Ein
augenfälliges  Beispiel  des  eingreifenden  Umbaus,  dem  gar  manche
deutiche  Stadt  in  der  genannten  Zeit  unterlag,  ift  Augsburg,  dem
der  unter  PBalladivo  in  Venedig  gebildete  Augsburger  Stadtbau-