Sprengmittel 65
wurde und trotzdem die Minenwerferwaffe zu umfangreicher Verwendung
von Chlorat- und Perchloratsprengstoffen übergegangen war,
eine Streckung der schmelzbaren Sprengstoffe mit 35—45% Ammonsalpeter
den Bedarf nicht mehr deckte.
Mehr Ammonsalpeter konnte nicht zugesetzt werden, weil er in der
Mischung nicht schmolz, ein weiterer Zusatz daher die Gießbarkeit aufgehoben
haben würde, eine Erhitzung der Mischung bis zum Schmelzpunkt
des Ammonsalpeters sich aber aus den Eigenschaften der verwendeten
Stoffe verbot. Es wurden deshalb Mittel gesucht und gefunden,
den Schmelzpunkt des Ammonsalpeters herabzusetzen. Es gelang,
bei 90—1000 gießbare Sprengstoffe herzustellen, in denen 65 %
Ammonsalpeter enthalten waren. Da von den wenigen wirksamen
Sprengstoffen nur gerade insoweit Gebrauch gemacht wurde, als unbedingt
nötig war, so wurde eine große Zahl von Sprengstoffarten gleichzeitig
nebeneinander verwendet, was natürlich zahlreiche Nachteile hervorbrachte.
Im Gegensatz zu den vor dem Kriege geltenden Anschauungen,
nach denen wir fertiggegossene in Pappe oder Leinwand gehüllte
Sprengladungskörper in die Geschosse einsetzten, sind wir im Kriege
schon im Herbst 1914 in großem Umfange zum unmittelbaren Eingießen
des Sprengstoffes in das Geschoß übergegangen, auch vielfach
bei solchen, die einen abschraubbaren Boden oder Kopf besaßen und die
Anwendung des alten Verfahrens gestattet hätten. Aber nur das
unmittelbare Eingießen des Sprengstoffes gestattete, die ungeheuere
Masse der Munition ohne Schaffung umfangreicher neuer Einrichtungen
und mit verhältnismäßig wenig Menschen rechtzeitig bereitzustellen.
Die Jahl der verschiedenartigen Geschoßfüllungen wurde noch durch
die Forderung der Truppe vermehrt, die Beobachtungsfähigkeit der Granaten
zu verbessern. Ein Teil erhielt deshalb Rauchentwickler; zur
Ausstattung aller Granaten hiermit fehlte der Rohstoff.
Die weitere Forderung der Truppe nach Geschossen mit besonders
großem Rauchentwickler, sogenannten Einschießgeschossen und weiterhin
nach Geschossen zur Erzeugung künstlichen Nebels, nach Brandgeschossen,
Tankabwehrgeschossen führte auch bei der schweren Artillerie zu weiterer
Vervielfältigung unserer Geschoßarten.
In der Pulverfertigung wurde der Mangel an Baumwolle durch
die schon Mitte der neunziger Jahre erprobte Verarbeitung von Holz-Wrisbers,
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