Volltext : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1821. (12)

—  290  —

6)  unter  Kalk=  oder  Kreideboden  solcher,  in  welchem  die  Eigenschaften  des  Kalks
hervorstechend  werden,  und  den  Thon  überwiegen;  und

h)  unter  Moderboden  solcher,  desser  verbrennliche  Theile  die  zugemischten  Erden  so
weit  überwiegen,  daß  die  Eigenschaften  der  letztern  dadurch  aufgehoben  werden.
Die  Güte  und  Fruchtbarkeit  des  letztern  stimmt  mit  der  Auflösbarkeit  seines  Moders
  und  mehrern  oder  mindern  Abwesenheit  von  Säuern  oder  gesäuerten  Eisens
  überein.

Die  in  die  Sinne  fallenden  Eigenschaften  der  vorgedachten  Ackerbodenarten  sind
in  den  folgenden  V.  angegeben.

135.  Thonboden.  Dieser  ist  stark  gebunden,  zähe,  strenge,  im  feuchten
  Zustande  schlüpfrig,  anklebend  an  Pflug  und  Egge,  u  dem  Schnitt  blinkernd,
fectartig  und  ohne  Rauhheit  anzufühlen,  durch  Druck  sich  noch  stärker  verballend,  im
trockenen  Zustande  zusammengezogen,  rissig  erhärtet.  Im  Bruch  ist  er  würflich  oder
blattricht  und  glatt.  Dne  künstliche  Lockerung  ist  er  undurchdringlich  von  der  Luft,  das  Wasser
  nicht  durchlassend.  Seine  Bearbeitung  und  Bestellung  ist  schwierig,  nur  im  mäßigen
Feuchtigkeitszustande  ausführbar,  und  er  erfordert  dennoch  eine  sehr  fleißige,  die  aber,
gehörig  vollführt,  zu  Beförderung  seiner  Fruchtbarkeit  sehr  wirksam  ist.  Man  nennt
ihn,  wenn  er  in  gehörige  Kultur  gesetzt  ist,  und  genugsamen  Wasserabzug  hat,  Weizenbeden
  im  eigentlichsten  Verstande.  Im  entgegengesetzten  Fall  aber  1½  er  kalker
  Haferboden.

K  130.  Lehmboden.  Dieser  im  Verhältniß  der  Thontheile  mic  mehrerem
Sande,  oft  auch  mit  einigen  Kalkrheilen  gemischte  Boden  ist  minder  zähe,  in  feuchtem
Zustande  minder  klebrig,  rauher  zwischen  den  Fingern  anzufühlen,  aber  dennoch  sehr
gebunden  und  anhänglich.  Im  trockenen  Zustande  wird  er  zwar  hart,  ist  aber  doch
eher  zu  brechen,  wenn  er  gleich  schwer  zu  Pulver  zerfällt.  Im  Buuch  ist  er  körnig,
er  trocknet  schneller  ab,  und  beharret  länger  in  einem  der  Bearbeirung  günstigen  Zustande,
  welche  überhaupt  leichter  ist.  Ist  er  trocken,  verhärtet,  so  zieht  er  die  Feuchkigkeir
  schneller  an  sich,  und  zerfällt  dann  desser  in  Pulver,  vorzüglich  wenn  er  cinige
Kalktheile  enthält.  Wasser  und  Luft  durchdringen  ihn  leichter.

Eine  Abart  davon  ist  der  Lettenbaden,  dessen  Thon  mit  besonders  feinem,
kamm  durch  Abschwemmen  zu  trennenden,  Sande  gemischt  ist.  Er  flietzt  im  feuchten
Zustande  leicht  auseinander,  so  daß  keine  Furchen  in  ihm  stehen  und  seine  Oberfläche
durch  Regen  ganz  glatt  gemacht  wird.  Er  trocknet  auf  seiner  obersten  Fläche  leicht
aus,  und  verschalt  sich,  ungcachtet  er  einen  Zoll  tiefer  noch  sehr  naß  ist  und  später
austrocknet.  Trocken  ist  er  hart,  zugleich  aber  sehr  stäubig.

Wenn  der  Thon  durch  stärkern  Kalkzusatz  bei  wenigerem  Sande  die  Mürbigkeie
des  Lehmbodens  erlangt;  so  heipt  er  Mergelboden.  Er  gleicht  im  Aeußeren  dem  Lehmoder
  Lettenboden,  zeigt  sich  aber,  wenn  er  mit  Wasser  angerührt  ist,  und  Sdure  darauf
  gegossen  wird,  durch  ein  Karkes  Aufbrausen  an;  er  läßt  überflüssige  Feuchtigkeit
leichker  stehen,  und  zieht  die  nothdürfticee  mehr  an.

Wenn  er  bei  sehr  treckner  und  warmer,  besonders  auf  Nässe  folgender  Witterung
ndt  hart  wird;  so  zerfällt  er  doch,  wenn  in  der  Atmosphäre  einige  Feuchrigkeit
entstehet.

Diese  Bodenarten  tragen  zwar  mit  besserem  Erfolge  Weizen;  jedoch  sind  sie  in
der  Winrerung  zum  Roggen  eben  so  gut  geeignet.  Vernehmlich  geräth  aber  die  Gerste

dar-