Der 12. August 1845. Rob. Blum. 546
gewesen, und obgleich von seinen Gästen jeder das Gegentheil
wußte, wissen mußte, getraute sich außer dem Rector der Uni-
versität, Domherr Günther, doch keiner, der Wahrheit die
Ehre zu geben, ja einer von ihnen, der Vorsteher der Stadt-
verordneten Dr. Haase, legte diesen am 13ten eine Adresse vor,
welche mit nicht mißzuverstehender Hindeutung auf den Prinzen
um strenge Untersuchung gegen alle bei dem nicht genug zu
beklagenden Ereigniß „ron welcher Seite es auch sei“ Be-
theiligten bat. Stadtverordnete und Stadtrath sandten dieselbe
durch eine Deputarion nach Dresden. Im Schützenhause tagte
inzwischen eine Volksversammlung; hier erhob sich aus dem
wilden Gewoge der Leivenschaften Nobert Blum; „eine Sühne
für das vergossene Blut müsse der Stadt werden, aber nur
in dem Boden des Geietzes und der Ordnung ruhe ihre Stärke
und die Gewißheit des Siegs“. Unter seiner Anführung be-
wegte sich die ganze, nach Tausenden zählende Versammlung
auf den Markt, ruhig wartend, bis ihr Blum vom Balkon
des Rathhauses herab die Gewährung ihrer Forderungen durch
den von Schrecken gelähmten Nath verkündigte; die Aufrecht-
baltung der Ordnung sollte ausschleeßlich der Communalgarde
überlassen bleiben, der Rath sich für Entfernung der Garnison
und Einleitung einer strengen Untersuchung gegen die an dem
rergossenen Bürgerblut Schuldigen verwenden, dem feierlichen
Begräbniß der Gefallenen kein Hinderniß in den Weg gelegt
werden.
Es war dies das erstemal, daß jener merkwürdige Mann,
der von da an eine so bedeutsame Rolle in der Geschichte
Sachsens, ja Deutschlands spielen sollte, in den Vordergrund
der politischen Schaubühne trat, schon hier die ihm eigenthüm-
liche Virtuosität bekundend, die Unruhe wollend die Ruhe zu
predigen. Durch eigene Kraft und Beharrlichkeit aus dürftigen
Verhältnissen heraufgebildet und darum mit der Empfindungs-
weise des gemeinen Mannes vertraut, zwar ohne gründliche
Kenntnisse, doch auf vielen Gebieten menschlichen Wissens be-
wandert, unter dem Scheine uneigennütziger Hingabe an die
Sache von einem starken Ehrgeiz getrieben . durch eine
Flathe, Neuere Geschichte Sachsens.