Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1833. (24)

—  50  —

é.  2.  Beträgt  die  Zuwendung  mehr  als  Eintausend  Thaler,  so  ist  zur
Gültigkeit  derselben  ihrem  vollen  Betrage  nach,  Unsere  landesherrliche  Genehmigung
  erforderlich.

.  3.  Zuwendungen,  welche  in  fortgesetzt  wiederkehrenden  Prästationen
bestehen,  werden  mit  Vier  vom  Hunderk  zu  Kapital  berechnet.

é4.  4.  Erst  mit  dem  Tage,  an  welchem  die  landesherrliche  Genehmigung
dem  Geschenkgeber  oder  Erben  bekannt  gemacht  worden,  nimmt  die  Verbindlichkeit
zur  Entrichtung  des  Geschenks,  oder  Vermächtnisses,  so  wie  zur  Uebergabe  der
Erbschaft,  ihren  Anfang.  Mit  der  zugewendeten  Sache  müssen  zugleich  die  davon
  in  dem  geitraume  vom  Tage  der  Schenkung,  oder  vom  Todestage  des
Erblassers  an,  wirklich  erhobenen  Nutzungen  verabfolgt  werden.

6.  5.  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  ist  ohne  Umerschied  des  Betrages
der  Zuwendung  erforderlich,  wenn  dadurch  eine  neuc  öffentliche  Anstalt  gestiftet,
oder  einer  vorhandenen  Anstalt  etwas  zu  einem  andern,  als  dem  bereits  genehmigten
  Zwecke  gewidmet  werden  soll.

6.  GC.  Zuwendungen,  die  zwar  einer  öffentlichen  Anstalt,  oder  einer  Korporation
  beschieden,  aber  zur  Dertheilung  an  Einzelne  bestimmt  sind,  es  mag  diese
Vertheilung  von  dem  Geber  selbst  festgesetzt,  oder  der  bedachten  moralischen  Person
  übertragen  werden,  sind  unter  den  Bestimmungen  dieses  Gesetzes  nicht  begriffen.
  Dahin  gehört  auch  dasjenige,  was  für  Seelmessen,  die  gleich  nach  dem
Tode  zu  lesen  sind,  den  katholischen  Priestern  entrichtet  wird.

S.  7.  Die  landesherrliche  Genehmigung  erfolgt  unbeschadet  der  Rechte  jedes
Dritten  und  ändert  daher  an  sich  in  den  gesetzlichen  Vorschriften  nichts  ab,  aus
denen  Schenkungen  und  letztwillige  Dispositionen  angefochten  werden  können.

6.  8S.  Würden  durch  irgend  ein  Vermächtniß  an  eine  Anstalt  oder  Korporation
  Personen,  welchen  der  Erblasser  während  seines  Lebens  Alimente  zu  geben
nach  den  Gesetzen  verpflichtet  war,  wegen  Unzulänglichkeit  des  Nachlasses  daran
Abbruch  erleiden,  so  sollen  die  Einkünfte  des  Vermächtnisses,  soweit  dieselben  dazu
erforderlich  sind,  zur  Ergänzung  des  solchen  Personen  zukommenden  Unterhalts
verwendet  werden.

6.  9.  Was  vorstehend  (§5.  8.)  von  Vermächtnissen  vorgeschrieben  ist,  gile
auch  von  Schenkungen  unter  Lebendigen  oder  von  Todes  wegen,  eeesten.  überhaupt
  wegen  verkürzten  Pflichttheils,  oder  geschmälerter  Alimente,  Schenkungen
widerrufen  werden  können.

6.  10.  Vorsteher  und  Verwalter  der  #.  1.  gedachten  Anstalten  und  Korporationen,
  welche  den  Vorschriften  dieses  Gesetzes  zuwider  Geschenke,  Erbschaften
und  Vermächinisse  annehmen,  ohne  sofort  bei  der  ihnen  vorgesetzten  Behörde  auf
die  Einholung  der  erforderlichen  landesherrlichen  Genehmigung  anzutragen  O.  2.),
haben  ßiskalische  Strase  verwirkt,  welche  jedoch  die  Hälste  des  angenommenen
Betrages  nicht  übersteigen  darf.

6.  11.  An  ausländische  öffentliche  Anstalten  und  Korporationen  dürfen
Schenkungen,  Erbschaften  und  Vermächtnisse,  ohne  Unterschied  ihres  Betrages,
nur  mit  Unserer  unmittelbaren  Erlaubniß  verabfolgt  werden,  bei  Vermeidung  ng

na