Februar 1905. 167
mit der immerhin ins Gewicht fallenden Erhöhung von 6 M. zufrieden
geben müssen.
Meine Herren, wo wir für unsere Landwirtschaft große Vorteile
erreicht haben, ist es begreiflich, daß wir auf demselben Gebiete auch
Zugeständnisse haben machen müssen. Die neuen Handelsverträge waren
deshalb so schwer zustande zu bringen, weil die agrarischen Interessen
gerade von Rußland, von Osterreich-Ungarn und Rumänien so stark
kollidierten mit dem für unsere Landwirtschaft bezweckten stärkeren
Agrarschutz. Die Kunst, einen Handelsvertrag zustandezubringen, bei
dem der eine Teil alles gibt, der andere alles durchsetzt, ist noch nicht
erfunden worden.
(Heiterkeit.)
Irgendwo muß ein Loch gelassen werden. Wir haben also bei gewissen
landwirtschaftlichen Artikeln, für die in unserem neuen Generaltarif ein
stärkerer Zollschutz in Aussicht genommen war, es bei den bisherigen
Zollsätzen belassen, und wir haben sogar bei einigen Positionen
Zollermäßigungen gegenüber den bisherigen vertragsmäßigen Sätzen in
Kauf nehmen müssen. Das ist aber bei solchen landwirtschaftlichen
Artikeln geschehen, die eine Zollermäßigung vertrugen, ohne daß die
großen landwirtschaftlichen Interessen dadurch geschädigt wurden, und
die gleichzeitig wichtige Kompensationsobjekte boten für die Verhandlungen
mit anderen Staaten. Wir haben es also bei Erbsen, Linsen,
Futterbohnen, Rübsen, Raps und Eiern, und der Schweiz gegenüber
bei Hartkäse, bei den bisherigen Zollsätzen gelassen. Wir haben auch
den ursprünglich in Aussicht genommenen Stückzoll von 70 Pfennig für
Gänse fallen lassen. Ob bei einem intensiven Betrieb unserer Landwirtschaft
die früher in Norddeutschland so stark betriebene Gänsezucht
sich wieder beleben ließe, erschien zweifelhaft, während andererseits von
den Vertragsstaaten, namentlich von Rußland auf die Zollfreiheit der
Gänse bedeutendes Gewicht gelegt wurde. Ubrigens steht der Freigebung
der Gänse die Zollbelegung der Hühner mit 4 M. gegenüber.
Wirkliche Zugeständnisse haben wir nur gemacht bei Futtergerste
und bei Holz.
Die Gerste, meine Herren, ist, abgesehen von ihrer Verwendung
in der Brennerei und Brauerei, ein wichtiges Rohmaterial für die
Viehmast. Deshalb waren — das kann ich wohl sagen — die Ansichten
der Landwirte über die Nützlichkeit eines solchen Zolles für Gerste von
vornherein geteilt. In manchen deutschen Gegenden, wo die Viehzucht
prävaliert, wird die Verbilligung der Futtergerste durch die Herab-