30. Jnli.
31. Juli,
Die deutsche Regierung empfehlt der österreichischen nochmals dringend, auf
den englischen Vermittlungsvorschlag einzugehen: »Die Verweigerung jedes Meinungsaustausches
mit Petersburg würde ein schwerer Fehler sein. Wir sind zwar bereit,
unsere Bündnispflicht zu erfüllen, müssen es aber ablehnen, uns von Wien leicht«
fertig und ohne Beachtung unserer Ratschläge in einen Weltbrand hineinziehen zu
lassen.« [230]
1% nachmittags. Telegramm des Zaren an den Kaiser: Der Zar dankt für die
Vermittelungsversuche des Kaisers, räumt ein, daß die militärischen Maßnahmen, die
jerzt in Kraft getreten sind, vor 5 Tagen als Verteidigungsmaßnahme gegen Österreich
getroffen seien, und kündigt die Entsendung seines Generals A la suite Tatischtschew
mit Instruktionen an. [231] Weder Tatischtschew noch ein Schreiben sind
je angekommen, [232]
3% nachmittags, Telegramm des Kaisers an den Zaren: Hinweis auf die ernste
Gefahr, die die russische Mobilmachung darstelle. »Wenn .... Rußland gegen
Deutschland mobil macht, so wird meine Vermittlerrolle, mit der Du mich gütigerweise
betraut hast, und die ich auf Deine ausdrückliche Bitte übernommen habe, gefährdet,
wern nicht unmöglich gemacht werden, Das ganze Gewicht der Entscheidung ruht
jetzt ausschließlich auf Deinen Schultern, sie haben die Verantwortung für Krieg oder
Frieden zu tragen«. [233]
Der deutsche Botschafter in Petersburg fegt im Auftrage der deutschen Regierung
die Schritte dar, die zur Erhaltung des Friedens deutscherseits in Wien unternommen
sind, und weist nach, daß die russischen Maßnahmen zum Kriege führen müssen.
Sasonow antwortet: Bine andere Politik könne er nicht treiben, ohne das Leben
des Zaren zu gefährden, Er fordert Entscheidung der serbischen Frage durch die
Öroßmächte und Abändertmg der im ästerreichischen LUlltimatum gestellten Forderungen.
[234] England tritt der russischen Auffassung grundsätzlich bei.
Frankreich: Befehl zur Aufstellung des Grenzschutzes <ordre de depart en
couverture}, wonach 11 Infanterie» und 3 Kavalleriedivisionen ohne weiteres mobil
werden, [235]
In Rußland 6° nachmittags ofbzielle Ausdehnung der Mobilmachung auf das ganze
Reich. [236] (Damit werden alle Versuche zu friedlicher Werständigung vernichtet
und die vom Zaren erbetene Vermittlung des Deutschen Kaisers zur Aussichtslosigkeit
verurteilt.}
Zwischen 3* und 9° vormittags wird der Gesamtmobilmachungsbefehl in Petersburg
angeschlagen.
Der italienische Ministerrat faßt den Beschluß, daß in dem bevorstehenden Kriege
der Bündnisfall auf Grund des Dreibundvertrages nicht gegeben sein würde, Italien
würde neutral bleiben. [2371]*
“+ Mr. Tyreil, Privatsekretär von Sir Edward Orey, hatte bereits am zg. Juli zum Fürsten
Lidınowsky gesagt, er wisse, daß Iralien sich an einem wegen Serbiens ausbrechenden Kriege
(auf Seiten des Dreibundes> nicht beteiligen werde. [238]