Die Königskrone. 231
zu offen dar. Ebenso hatte der Kurfürst gelegentlichen Aeußerungen nach allen
Grund, auf die Zustimmung seines Oheims, des Königs von England, wie auf
die der Generalstaaten zu rechnen.
Der Kaiser endlich schien in einer Lage zu sein, die ihm jedes Eingehen auf
brandenburgische Wünsche zur Pflicht machen mußte. Lebhafter noch als früher
war in Wien nach dem Tode des jungen Kurprinzen von Bayern (Jannar 1699)
das Verlangen, die ganze spanische Erbschaft ungeteilt dem Hause Habsburg zu
sichern. Nun aber wurde zwischen den Seemächten und Frankreich ein neuer
Teilungsplan verabredet, nach welchem nur Spanien, die Kolonicen und die spanischen
Niederlande an Oesterreich, beide Sicilien und Mailand jedoch an Frankreich,
welches Mailand gegen Lothringen austauschen werde, fallen sollten. Um keinen
Preis wollte der Kaiser dies zugeben, wollte er Frankreich in Italien festen Fuß
fassen lassen. Er war entschlossen, den verlangten Beitritt zu diesem Teilungsvertrage
abzulehnen und für die ganze Erbschaft die Waffen zu ergreifen. Aber
wie sollte man einen Kampf von solcher Größe gegen Frankreich und zugleich gegen
die Seemächte unternehmen? Woher auch nur einen Bundesgenossen nehmen?
Die nordischen Staaten waren mit sich selbst vollauf beschäftigt, im Reich waren
nicht nur die protestantischen Fürsten durch die Annahme der Ryswicker Klausel,
sondern durch Wiener Eigenmächtigkeiten aller Art auch die katholischen Fürsten schwer
verletzt. Die „in Sachen der neunten Kur korrespondierenden Fürsten“ begaben
sich im August 1700 sogar in den Schutz Frankreichs. Und weder war die Hilfe
des mächtigsten Fürsten in Italien, des Herzogs von Savoyen, mit Sicherheit zu
erwarten, noch schienen die Unruhen in Ungarn für einen Kampf im Westen
Freiheit zu gewähren.
Gewiß Verhällnisse der bedenklichsten Art, wie sie sich das stolze Kaiserhaus
noch vor wenigen Jahren nicht hatte träumen lassen, Verhältnisse aber, wie sie sich
für Friedrichs „großes Dessein“ nicht günstiger gestalten konnten. Brandenburg mit
seiner tüchtigen und zahlreichen Armee war der einzige Staat, auf den sich Oesterreich
stützen konnte, von dem es Hilfe erwarten konnte. Jetzt mußte man dem
Kurfürsten den Wunsch gewähren, von dem er seine Hilfe abhängig machte. Aber
wieviel Schwierigkeiten hatte der junge Bartholdi noch zu besiegen! Mehr als
einmal waren die Verhandlungen nahe daran, völlig zu scheitern. Namentlich
suchte man auch für die katholische Kirche Gewinn zu machen, während Friedrich
gerade in dieser Beziehung felsenfest blieb. Um so merkwürdiger ist es, daß die
entstehenden Schwierigkeiten häufig gerade durch einen Jesuiten, den beim Kaiser
höchst einflußreichen Pater Wolf, der durch einen Irrtum bei der Dechiffrierung einer
Depesche vom Kurfürsten in die Verhandlungen hineingezogen, gelöst wurden. Hauptsächlich
mußte der Kaiser aber doch fürchten, daß die ernsten Vorstellungen der Seemächte,
die nach dem inzwischen erfolgten ruchlosen Angriff auf Schweden wenigstens
zwischen Schwed 1en und Dänemark den Frieden von Travendahl vermittelt hatten,
in Berlin einen Umschlag und den Beitritt zu den Teilungsmächten hervorrufen
würden. Und schon lag der König von Spanien in Todeskämpfen. Da endlich,
wahrscheinlich unter dem Eindruck der Nachricht vom Tode des Königs entschloß
man sich in Wien, den Vertrag zu unterzeichnen, in welchem der Kaiser gegen
Zusicherung von 8000 Mann für den Kampf um die spanische Erbfolge und eine
große Anzahl weiterer Zugeständnisse in kleineren strittigen Angelegenheiten versprach,
die preußische Königswürde anzuerkennen. Ganz zuletzt noch glaubte man,
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1700