dens verwirklicht und das geraubte Erbteil unserem Volke wieder
zurückgebracht. Am 14. September 1772 stand General Thadden
mit dem Regimente Sydow vor dem Tore von Marienburg, und
von selber hob sich der Schlagbaum. Am 27. September tagten
die Stände des Landes im Konventsremter der Burg und huldigten
dem deutschen Fürsten. Ein erhebender Gedanke fürwahr,
könnten wir König Friedrich uns vorstellen, wie er über die Jahrhunderte
hinweg den Plauen und Kniprode die Hände reicht als
der Retter ihres deutschen Kulturwerkes. Und eine Ahnung allerdings
von dem großen welthistorischen Sinne der Wiedereroberung
Westpreußens schwebte vor dem Geiste des Königs. Denn
schon in jungen Jahren erzählte er in den mémoires de Brandebourg
mit scharfen Worten die Schmach des Deutschen Ordens,
und die Marienburger Huldigungsmedaille führte die vielsagende
Inschrift: regno redintegrato praestata fdes. Aber auch nur
eine leise Ahnung war in dem König lebendig. Die Schriften
seines Alters sagen unzweideutig, daß er in der neuen Provinz
zunächst nur die Kornkammer des Nordens, die Wasserstraße der
Weichsel, die notwendige Verbindung zwischen Pommern und Ostpreußen
erblickte und die willkommene Beute auch dann nicht verschmäht
hätte, wäre sie von jeher slawisches Land gewesen. Auch die
amtliche Rechtfertigungsschrift erwähnt des Ordens nicht, redet nur
von den vergessenen Erbansprüchen Brandenburgs auf Pomerellen.
Wie wenig die aufgeklärte Zeit die romantische Größe des Ordensstaates
verstand, das hat die fortgesetzte Mißhandlung der Meisterburg
noch unter Friedrichs Herrschaft klärlich bewiesen. Hüten
wir uns also, in seine Seele ein Bewußtsein des Volkstums zu
legen, das seinem Jahrhundert fernstand. Freuen wir uns vielmehr,
daß kraft einer segensreichen Notwendigkeit dieser Staat
dann unfehlbar seinen deutschen Beruf erfüllt hat, wenn er in
kalter Berechnung sein eigenes Wohl zu fördern verstand.
Längst verwischt ward die zweideutige Weise der Erwerbung
durch die würdige Benutzung. Die halberstickten Keime deutschen
Wesens sind unter preußischer Herrschaft fröhlich aufgegangen, und
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