Die Reichsbank von 1901 bis zum Ausbruch des Weltkrieges 23
Seit einer Reihe von Jahren war eine bedenklich wachsende Inanspruchnahme
der Reichsbank, insbesondere an den Quartalsterminen, hervorgetreten.
In den Jahren 1906 und 1907 hatte diese starke Inanspruchnahme eine Höhe
erreicht, welche die Aufrechterhaltung der Dritteldeckung zu gefährden geeignet
war. Aller Wahrscheinlichkeit nach hätte sich insbesondere Ultimo September
und Dezember 1907 die Deckung überhaupt nicht aufrecht erhalten lassen, wenn
nicht die Reichsbank durch die sich allmählich steigernde Ausgabe kleiner Noten
damals der Abnahme des Metallvorrats an den Termintagen hätte stark entgegenwirken
können.
Die zunehmende Spannung an den Quartalstagen hatte im wesentlichen
darin ihren Grund, daß sich die deutsche Wirtschaft mehr und mehr auf der
Grundlage umfassender Kreditgewährung aufbaute, was schließlich mit Notwendigkeit
dahin führen mußte, daß die usancemäßig an bestimmten Terminen
erfolgende Auseinandersetzung und Abwicklung fortgesetzt größere Beträge von
Zahlungsmitteln in Anspruch nahm. Daneben hatte das Anwachsen des
Depositengeschäfts bei den Banken, vor allem bei den Großbanken, und bei den
Sparkassen, zur Folge, daß diese Institute zu gewöhnlichen Zeiten einen sehr
erheblichen Teil des Geldbedarfs abseits der Reichsbank befriedigen konnten.
Sobald der Bedarf aber das übliche Maß überschritt, wie stets an den Quartalsterminen,
waren sie genötigt, die Reichsbank um so stärker in Anspruch zu nehmen.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, blieb die Reichsbank unausgesetzt
bemüht, den Giroverkehr, der für die Entwicklung des bargeldlosen
Zahlungswesens von allergrößter Wichtigkeit ist, nach Kräften auszubauen. Die
starke Vermehrung der Zweiganstalten der Reichsbank, die von 330 im Jahre
1900 bis auf 487 im Jahre 1913 stieg, brachte eine erhebliche Ausdehnung des
GironetZzes mit sich. Da die Zweiganstalten in wachsendem Maße mit
zwei Beamten ausgestattet wurden, erfuhr auch der sogen. erweiterte Giroverkehr,
dessen Wesen in der unterschiedslosen direkten Avisierung von Giroübertragungen
nach außerhalb besteht, eine immer stärkere Ausdehnung. Eine
außerordentliche Steigerung der Girokonten und der Jahresumsätze war die
notwendige Folge. Von 1900 bis 1913 erhöhte sich die vorhandene Kontenzahl
bei Jahresschluß von 15 847 auf 26 148 und die Gesamtzahl der Jahresumsätze
von 163 632 Millionen auf 379 157 Millionen Mark. Dem in diesen Ziffern
zum Ausdruck kommenden glänzenden Bild entspricht die Entwicklung der Giro-Kreditbedarf.
insbesondere an den
Quartalsterminen
Giro- und
Abrechnungsverkehr