Metadata : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

beftiger  Gegner  des  Reiches  war,  del  dem  er  deglaublgt  war.  Dem  Auswärtigen
  Amt  war  er  als  offener  und  beimlicher  Begünstiger  der  Entente  dekannt.
Trotzdem  gaben  ihm  die  offizlellen  Berliner  Kreise  nach  selner  Rückkehr  ein
grohartiges  Bankett  und  felerten  ihn  in  einer  Weise,  die  der  Würde  unseree  stolz
kämpfenden  Volkes  ine  Gesicht  schlug.

Und  glelchzeitig  leisteten  sich  dieselben  Krelse  elne  diplom#atlsche  Entglelsung
schwerster  Sorte.  Das  Auswärtige  Amt  wandte  sich  helmlich  an  Mexriko,  das
mit  den  Verelnigten  Staaten  schwere  Meinungsverschledenhelten  hatte,  dat
es  für  den  Fall  des  Ausbruches  eines  Krleges  mit  Amerika  um  seine  Bundesgenossenschaft
  und  versprach  ihm  dafür  Gebletstelle  der  Unlon!  Das  Telcgramm
  an  den  deutschen  Gesandten  in  Mexiko,  das  den  Auftcag  zu  dlesem  Angebot
  enthielt,  war  in  elner  veralteten  und  leicht  zu  enträtselnden  Geheimschrift
gehalten,  vor  deren  Beldehaltung  Ludendorff  oft  gewarnt  hatte.  Es  wurde  von
den  Amerlkanern  aufsgefangen  und  entziffert.  Sein  Inhalt  wurde  veröffentlicht
und  erweckte  natürlich  einen  Sturm  von  Empörung  über  die  Hinterhältigkeit
und  Perfidie  der  deutschen  Politik.

Am  31.  Januar  1917  kündlgte  die  deutsche  Reglerung  der  amerikanischen
den  Beginn  des  unelngeschränkten  U-Boot-Krieges  an.  Am  4.  Fedruar  drachen
die  Bereinigten  Staaten  die  dliplomatischen  Beziehungen  zu  Deutschland  ad
und  er  klärten  ihm  am  5.  April  den  Krleg.  Ein  Schauder  ging  durch
sedes  Deutschen  Seele.  Wir  fühlten:  der  entscheidende  Wendepunkt  des
Krieges  war  gekommen.  Jetzt  ging  es  um  Sein  oder  Nichtseln.

Auch  gegen  Osterrelch-Ungarn  und  gegen  die  Kürkei  ergingen  amerlkanische
Kriegoerklärungen.  Aber  es  war  ein  diplomatischer  Melsterstreich  Amerikae,
daß  es  zu  Bulgarien  nicht  in  Kriegszustand  trat.  Der  amerikonische  Gesondte
dlleb  in  Sofla.  Sein  Palale  blldete  fortan  eine  Splonage-  und  Propagandazentrale
  der  Entente.  Und  ee  bleidt  eine  undegreifliche  Schlapphelt  der  Derbündeten
  Bulgarlens,  daß  sle  dlesem  Zustande  nicht  durch  die  kategorische  Aufforderung
  an  Bulgarien,  lhn  durch  Kriegserklärung  an  Amerika  selnerseits  adzustellen,
  ein  Ende  gemacht  haden.

Sofort  deschlagnahmte  Amerika  alle  in  seinen  Häfen  liegenden  deutschen
Schiffe.  Unter  dem  Druck  der  Union  traten  alsdald  die  meisten  mittel-  und  südamerlkansschen
  Freistaaten  und  noch  weltere  nicht  amerikanlsche  Mächte  dem
Bund  unserer  Feinde  dei.  Am  30.  Mal  Brasilien,  später  Uruguay,  Peru,  die  klelneren
  mittelamer  kanischen  Staaten,  Slam,  selbst  das  am  U-Boot-Krlege  völliq
undetelligte  China  ...  Nun  stand  fast  der  ganze  Erdball  gegen  die  vier  Mächte
der  Weltmitte  im  Kampf.

9.

All  diese  Ereignisse  hatten  die  unvermeldliche  Ruckwirkung  auf  dle  Stimmung
der  Helmat,  daß  sie  dle  Gegensätze  der  Grundanschauungen  zwischen  Partelen
und  Klassen  bie  zu  wilder  Befehdung  verschärften.  Der  „Burgfrlede“,  den  man
del  Kriegsausdruch  einander  gelodt  hatte,  war  längst  vergessen.  Die  in  der
Tliefe  wühlenden  Gegensätze  drangen  immer  mehr  an  die  Oberfläche  und  todten
sich  dort  in  heftigen  Pressefehden  aus.  Vergedens  versuchten  Regierung  und

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