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Deutscherseits wurde damals amtlich erwidert, es handele sich allerdings
um Dokumente von „unschätzbarem Wert“, weil in ihnen
die Schuldfrage am Kriege tendenzlos beleuchtet werde. In normalen
Zeiten hätte ein derartiger Notenaustausch großes Aufsehen gemacht und
das allgemeine Augenmerk auf diese politische Verteidigungswaffe gelenkt.
In Deutschland lernte man sie nicht kennen, im Auslande schwieg
man sie aus guten Gründen tot.
Die Frage ist aufgeworfen worden, warum die Veröffentlichung der
in den fünf Bänden ‚Zur europäischen Politik“ enthaltenen Schriftstücke
nicht früher erfolgt ist. Von dem Zeitpunkte an, wo ich mich in Brüssel
von der politischen und historischen Tragweite der belgischen Gesandtschafts-Rundschreiben
persönlich überzeugen konnte — Frühjahr 1917 —,
habe ich mich mit allem Nachdruck für ihre sofortige Bekanntgabe eingesetzt.
Mich leitete dabei die Überzeugung, daß niemand in der Welt
sich der fast übereinstimmenden Beurteilung der europäischen Politik
vor Ausbruch des Weltkrieges seitens der belgischen Diplomatie zu entziehen
vermöge, zumal in den amtlichen Zirkularen des belgischen Außenministeriums
der abgeklärte Standpunkt der Behörde erkennbar wird,
und alle auf persönlicher Übertreibung, Zustimmung oder Abneigung
fußenden Urteile gemildert erscheinen oder ausgelassen sind. Leider
gelang es mir erst im Sommer 1918, die Veröffentlichung des seit geraumer
Zeit bereitgestellten Materials zu erreichen. Die belgischen
Dokumente wurden im vollen französischen Wortlaute mitgeteilt,
jedem der fünf Bände zusammenfassende Übersichten in deutscher
Sprache, bearbeitet von den Herren Professor Dr. Alfred Doren, Dr. Wilhelm
Köhler und dem Herausgeber, vorangestellt. Die fünf Bände
„enthalten ein erdrückendes Material für die Feststellung der Ursachen
des Weltkrieges‘). „Es sind Quellen, deren hoher geschichtlicher und
politischer Wert außer Zweifel steht‘). Sie enthalten aber nichts über
eine belgische „Schuld‘‘ gegenüber Deutschland und stehen in keinem —
wie immer gearteten — Zusammenhange mit den 1914 erfolgtenVeröffentlichungen
über die sogenannten ‚„Conventions anglo-belges‘, die ich verwerfe,
stützen sich vielmehr ausdrücklich auf die neutrale Gewissenhaftigkeit
und Glaubwürdigkeit der belgischen Diplomaten?). DaB man
!) H.von Kuhl (General d. Inf. a. D.). Der deutsche Generalstab in Vorbereitung
und Durchführung des Weltkrieges. 2. Auflage. Berlin, E. S. Mittler, 1920.
Seite 99,
2) Prof. Dr. J. Hashagen, Bonn. ‚Neue belgische Aktenstücke zur Vorgeschichte
des Weltkrieges.“ (Nr. 18 der „Deutsche Stimmen‘ vom 2. 5. 1920.)
s) Während der Drucklegung des Gesamtwerkes kam mir zum ersten Male die
Schrift des Dr. Richard Grelling ‚„Belgische Aktenstücke‘ (Verlag Payot & Co.,
Lausanne, 1918) zu Gesicht. Der Verfasser der Deutschland aufs Schwerste belastenden
Schriften „J’accuse‘““ und „Das Verbrechen“ (3 Bände) bekämpft die
deutsche Propaganda aus belgischen Dokumenten mit allen Mitteln. Ich verweise
auf die Nachschrift, in der ich zu Grellings Ausführungen Stellung nehme, und betone,
daß für mich keine Veranlassung vorlag, an meinem Werke auch nur eine
Zeile zu ändern.
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