Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

Ltaisqhes  Reit.  (Januar  31.)  89

Menschenkraft  vermag,  um  ihn  für  unser  Vaterland  zu  erzwingen,  seien
Eu0  sicher,  m.  H.,  nichts  dazu  ist  versäumt,  alles  dazu  wird  geschehen.

Nach  der  Rede  des  Reichskanzlers  macht  der  Staatssekretär  des
Reichsmarineamts  Mitteilungen  vom  militärischen  und  marinetechnischen
Standpunkt  aus.  Sodann  behandelt  der  Staatssekretär  des  Innern
an  der  Hand  ausführlicher  statistischer  Angaben  die  wirtschaftliche  Weltlage
  und  der  Staatssekretär  des  Auswärtigen  Amtes  macht  Mitteilungen
  über  eine  Reihe  besonderer  Fragen.

31.  Jan.  Erzherzog  Maximilian  überreicht  im  deutschen
Großen  Hauptquartier  Kaiser  Wilhelm  die  Notifikation  der  Thronbesteigung
  Kaiser  Karls.

31.  Jan.  (Bayer.  Abgeordnetenkammer.)  Beginn  einer  außerordentl.
  Kriegstagung.  Graf  v.  Hertling  über  die  Lage.  Vorlagen.

Vizepräsident  v.  Fuchs  eröffnet  die  Tagung  mit  einem  Nachruf  auf
den  verstorbenen  langjährigen  Präsidenten  Dr.  v.  Orterer  und  gedenkt  weiter
des  Hinscheidens  König  Ottos,  des  Heldentodes  des  Prinzen  Heinrich  und
des  Ablebens  des  Kaisers  Franz  Joseph.  Ruhmesworte  zollt  er  den  deutschen
  und  verbündeten,  insbesondere  den  so  hervorragend  tapferen  bayerischen
  Truppen  und  versichert,  die  schnöde  Ablehnung  des  Friedensangebotes
  des  Kaisers  durch  unsere  Feinde  habe  nur  veranlaßt,  daß  alle
Stämme  des  deutschen  Volkes  im  Felde  und  zu  Hause  ihre  ganze  Kraft
erneut  einsetzen  zur  Erringung  des  Friedens.

Nach  längeren  Auseinandersetzungen,  wobei  Abg.  Segitz  im  Namen
der  Sozialdemokraten  und  Abg.  Dr.  Müller-Hof  namens  der  Minderheit
der  Liberalen  die  Ansicht  vertreten,  daß  das  ganze  Präsidium  neu  zu
wählen  sei,  und  da  dies  nicht  geschehe,  ihre  Nichtbeteiligung  an  der  Wahl
erklären,  wird  der  bisherige  Vizepräsident  v.  Fuchs  (Zir.)  mit  109  von
148  abgegebenen  Stimmen  zum  Präsidenten  und  Abg.  Dr.  v.  Casselmann
lib.)  mit  107  von  147  abgegeb.  Stimmen  zum  ersten  Vizepräsidenten  gewählt.

Sodann  führt  Ministerpräsident  Dr.  Graf  v.  Hertling  über  die  Lage
aus:  Seit  Sie,  m.  H.,  im  Sommer  vorigen  Jahres  auseinandergegangen
sind,  hat  der  Weltkrieg  mehr  als  ein  halbes  Jahr  in  unnnterbrochenen
harten  Kämpfen  weiter  getobt.  Trotz  ungeheuren  Einsatzes  an  Menschenund
  Kriegsmaterial  ist  es  den  Gegnern  nicht  gelungen,  den  eisernen  Ring
unserer  Berteidigung  zu  durchbrechen,  weder  im  Westen,  wo  die  große
englisch-französische  Offensive  an  der  Somme  nach  so  gewaltigen  Anstrengungen
  und  Opfern  erlahmte,  noch  im  Osten,  wo  dem  Ansturm  der
Russen  nach  anfänglichen  Erfolgen  ein  endgültiges  Halt  geboten  wurde.
Ende  August  war  ein  weiterer  Feind  auf  den  Plan  getreten:  Rumänien.
Unsere  Gegner  begrüßten  den  „edlen  Genossen“  mit  ausschweifenden  Hoffnungen.
  Sie  erfüllten  sich  nicht.  Nach  einem  glänzend  geführten  Feldzuge
liegt  der  neue  Kämpe  „für  Recht  und  Zivilisation“  am  Boden;  das  Land
mit  seinen  reichen  „Hilfemitteln  ist  großenteils  von  uns  und  unseren  Bundesgenossen
  besetzt.  Militärisch  und  wirtschaftlich  hat  unsere  Lage  durch  diesen
neuen  Feind  eine  wesentliche  Verbesserung  und  Verstärkung  erfahren.  ein
wirksames  Gegenbild  zu  den  zuversichtlichen  Voraussagungen  der  feindlichen
Staatsmänner,  zu  der  „Morgenröte  baldigen  Sieges“,  die  der  französische
Konseilpräsident  schon  im  Frühjahr  des  vergangenen  Jahres  aufleuchtensah,
  und  zu  dem  bevorstehenden  „finish“  und  „knock-out“,  das  der
führende  Mann  Englands  in  der  ihm  geläufigen  Boxersprache  im  vergangenen
  September  angekündigt  hat.  Daß  alle  Anschläge  unserer  Feinde