—9 —
dem Verkehr ziehen, andererseits war sıe während der letzten
6 Monate ihres Bestehens durch die Aufnahme der Zahlungen in
Gold eine wichtige Stütze für die neue Währung. Abgesehen
hiervon unterstützte die Bank während der ganzen Zeit ıhres Bestehens
die Finanzverwaltung des preussischen Staates durch
Übernahme der Inkassogeschäfte für Königliche Behörden.
Ebenso wie dıe Bank dem Staate gute Dienste geleistet hatte,
war sie auch ihrer Aufgabe, den Geldumlauf des Landes zu fördern
sowie Handel und Gewerbe zu unterstützen, voll und ganz
gerecht geworden. Hierzu wurde ıhr in der an Krisen wirtschaftlicher
wie politischer Art so überreichen Zeit ihres Bestehens in
hohem Masse Gelegenheit geboten.
Während die Privatzettelbanken in den kritischen Perioden
ihre Kreditgewährung einschränkten und unter Umständen überhaupt
keine Noten ausgaben — es sei nur an das Beispiel der
Bank für Süddeutschland ın Darmstadt erinnert —, dehnte die
Preussische Bank die ihrige weiter aus und trug auf diese Weise
dazu bei, die Schwere der Krisen zu mildern. Gerade an diesem
verschiedenen Verhalten der Banken zeigt sich der Vorteil einer
grossen Zentralbank. Selbst wenn die kleineren Banken wirklich
die besten Absichten gehabt hätten, wäre es ihnen doch nicht
möglich gewesen, eine grosse Zentralbank zu ersetzen. Dieser
muss vielmehr eine notwendige Stellung neben den kleineren
Banken zuerkannt werden; denn, da letztere in der Hauptsache
gegründet waren, um gewınnbringende Geschäfte zu machen,
konnten sie sich keine grösseren Kassenvorräte, als absolut nötıg
waren, halten. Traten plötzlich aussergewöhnliche Ereignisse ein,
so war im allgemeinen von ihnen keine allzu grosse Hilfe zu erwarten,
da sie mit sich zu tun hatten und danach trachten mussten,
zunächst ihre eigene Stellung zu stärken.
Es muss daher als ein grosser Vorteil bezeichnet werden, dass
die Privatinstitute in Preussen nicht so hoch kommen konnten, wie
ın den anderen deutschen Ländern. Dass dieses nicht geschah,
war zum grössten Teile der Fürsorglichkeit der preussischen
Regierung zuzuschreiben, die ın der Zettelbankbewegung die
Führung übernommen hatte und ungeachtet der sich in hohem
Masse geltend machenden Bestrebungen der Anhänger der Zettelbankfreiheit
an ihrem Programme festhielt.e. Wohl liess sie
Privatzettelbanken zu, doch wurde eine grössere Entwicklung
dieser Institute durch die Engheit der Bedingungen, die zur Erlangung
der Konzession erfüllt werden mussten, unterbunden.
Dieses Vorgehen der Regierung trug nicht wenig dazu bei, dass
sich die Preussische Bank zu einer solchen hervorragenden Zentralbank
entwickeln konnte, ohne hierzu rechtlich ein Monopol oder
ausschliessliches Privileg zu besitzen.
Andererseits war sıch die Preussische Bank der Pflichten wohl
bewusst, die ıhr durch die Massnahmen der Regierung, die die