Full text: Die Hohenzollern und ihr Werk.

Otito IV. und Waldemar, 45 
Während nun König Erich von Dänemark Stralsund belagerte, das ihm 
den Weg zur Beherrschung von Pommern eröffnen sollte, griff Fürst Heinrich 
von Mecklenburg mit seinen Verbündeten den Markgrafen Waldemar in seinem 
eigenen Lande an. Bei Gransee wurden die Brandenburger geschlagen, Mark- 
graf Waldemar, der verwundet mit seinem Pferde gestürzt war, konnte nur mit 
Mühe gerettet werden; aber von den Gegnern geriet Graf Hans von Holstein, 
der Bruder des Dänenkönigs, in die brandenburgische Gefangenschaft, was den 
Wert ihres Sieges sehr beeinträchtigte. In dem Frieden von Templin, der 
1317 geschlossen wurde, mußte Markgraf Waldemar das Land Stargard an den 
Fürsten von Mecklenburg abtreten: es ist das Gebiet, aus dem in der Haupt- 
sache das spätere Mecklenburg-Strelitz sich gebildet hat. König Erich gab seinen 
Anschlag gegen Stralsund auf; Pommern blieb frei von den Dänen; aber der 
Herzog, der in diesem gefährlichen Kampfe trotz aller Lockungen der Gegner auf 
der Seite Waldemars gestanden hatte, mußte mit den hinterpommerschen Be- 
sitzungen der Askanier: Schlawe, Stolp, Rügenwalde, entschädigt werden. So 
war die Stellung an der See wieder verloren gegangen. Außerdem hat 
Waldemar, um die Kosten des Krieges zu decken, einige von seinen neumärkischen 
Besitzungen verpfänden, ein entlegenes Außenstück in Thüringen (Henneberg) 
sogar verkaufen müssen; aber die Machtstellung seines Hauses blieb noch un- 
erschüttert, und auch in den Kämpfen mit den Wettinern und mit Polen hat er 
sie siegreich behauptet. Durch Vertrag mit den Piasten von Glogau gewann er 
für Sagan, das er aufgab, eine erwünschte Abrundung der Neumark durch 
Krossen, Züllichau, Schwiebus und andere Gebiete. 
In eben dieser Zeit (1317) fiel ihm nach dem Tode seines 15jährigen 
Vetters Johann V. auch der Besitz der jüngeren Linie seines Hauses zu bis auf 
die Mark Landsberg, deren Inhaber, Markgraf Heinrich, dann aber auch bald 
darauf gestorben ist, mit Hinterlassung eines unmündigen Sohnes, den der kinder- 
lose Waldemar zur Erziehung an seinen Hof nahm. Nicht lange danach, 1319, hat 
ein früher Tod den glänzenden Fürsten dahingerafft, in der Vollkraft seines Lebens 
und ohne daß er einen Erben hinterließ. Der junge Vetter aber, der ihm folgte, 
der letzte seines Stammes, ist auch früh ins Grab gesunken, schon ein Jahr 
nach Waldemar selbst (1320). Damit war die ruhmreiche Dynastie der Askanier 
erloschen, die noch vor einem Menschenalter so viele lebende Markgrafen neben- 
einander (die Uberlieferung spricht von 191) aufzuweisen hatte, daß man glaubte, 
das Land könne sie nicht alle ernähren. Seit ihrem Ausgange hat bis auf die 
Hohenzollern keine Dynastie wieder wirklich feste Wurzeln im Lande gefaßt. 
Zunächst schien es, als sollte die territoriale Staatsbildung, die sie geschaffen 
hatten, während der nun folgenden Erbschaftsstreitigkeiten unter den dreisten 
Zugriffen der Nachbarn in völlige Auflösung verfallen. Die Mecklenburger 
und Pommern rissen Teile der Priegnitz an sich, die Pommern außerdem noch 
Teile der Uckermark, die Polen drangen in die Neumark ein, Meißen und 
Böhmen nahmen die Erwerbungen Waldemars wieder in Besitz. Schließlich 
gelang es dem Kaiser Ludwig dem Bayern, indem er die Mark Brandenburg 
als erledigtes Reichslehen an seinen ältesten, damals achtjährigen Sohn Ludwig 
übertrug (1324), die Gründung der Askanier für sein Haus zu retten, freilich 
nicht in den alten Grenzen. Die Erwerbungen in Meißen und Schlesien (Krossen, 
Züllichau) mußten preisgegeben werden; die Lehnshoheit über Pommern ließ sich