Erste Begegnung mit dem Kaiserpaar 85
Dann rückten die Engländer unserer Festung immer näher.
Hier lag eine Menge von wertvollem Heeresgut, das ihnen
in die Hände fallen mußte. Niemand tat etwas, um es zu
retten. Da griff Frau von Glasenapp mit ihrer gewohnten
Tatkraft ein. Sie fernte mich am Sonntagnachmittag an: „In
Cöln steht eine große Zahl von Kraftwagen des deutschen Heeres,
und in Deutz eine Menge wertvollsten Heeresguts. Da die
Männer nichts tun, müssen wir Frauen handeln. Ich muß ein
paar hundert junge Mädchen haben, können Sie mir helfen?“
Nach einer halben Stunde konnte ich ihr melden, daß Generalkonsul
Stollwerck ihr morgen früh 300 Mäödchen schicken
werde. Sie selbst sammelte dazu aus Bekanntenkreisen noch
viele andere, auch meine Tochter, und zog mit ihnen am
anderen Morgen aus. Schön war es, wie die braven Frauen
die riesigen Kraftwagen schoben, und dann drüben in Deutz
in langer Kette all das Heeresgut von Hand zu Hand reichten
und in einem mächtigen Rheinkahn verstauten, in dem der
Inhalt ganzer Güterzüge Platz hatte.
„Prachtvoll, prachtvoll!“ rief der Kaiser. „Da sieht man
doch einmal wieder, was tapfere Frauen, die das Herz auf
dem rechten Fleck haben, leisten können!“
„JIa“, lächelte die Kaiserin, „merkwürdig ist es nur, daß
sich die Männer immer verwundern, wenn wir Frauen so
etwac tun“.
„Nein, Majestät“, wandte der Flügeladjutant höflich ein,
„nicht ver wundern, sondern be wundern“.
„Nein, nein“ erwiderte die Kaiserin belustigt, „berwundern!“
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