Metadata : Also sprach Bismarck. Band III. 1888 - 1898. (3)

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Schon  damals  erkannte  ich  klar  und  deutlich,  daß  unser
Bundestag  in  den  letzten  Zügen  lag  und  daß  eine  durch—
greifende  Reform  der  deutschen  Verhältnisse  unabweislich  geboten
  sei.  Zu  der  Zeit  war  ich  noch  weit  entfernt  davon,
daran  zu  denken,  meinem  Könige  die  deutsche  Kaiserkrone
auf  das  Haupt  zu  setzen,  es  schwebte  mir  vielmehr  eine
Zweiteilung  Deutschlands  vor.  Oesterreich  sollte  nach  meiner
Idee  die  führende  Macht  in  Süddeutschland  werden,  während
  uns  Preußen  die  Hegemonie  über  alle  deutschen  Länder
nördlich  der  Main-Linie  zufallen  würde.  Die  beiden  deutschen
Vormächte  hätten  sodann  durch  ein  Schutz=  und  Trutzbündnis
  gegen  jeden  äußeren  Angriff  in  ein  engeres  Allianzverhältnis
  zu  treten.  Erst  die  großen  Fehler,  welche  die  österreichische
  Regierung  beging,  haben  in  mir  den  Gedanken
geweckt,  daß  Deutschland  sich  nur  unter  preußischer  Führung
  und  mit  Ausschluß  der  österreichischen  Erbländer  gedeihlich
  entwickeln  könne,  und  diese  Ueberzeugung  führte
mich  zu  einer  Allianz  mit  Italien  und  zwang  mir  notgedrungen
den  Krieg  im  Jahre  1866  auf.  Schwere  Zeiten  hatte
ich  zu  durchleben  und  harte  Auseinandersetzungen  mußte
ich  mit  meinem  Könige  durchführen,  der  einen  Krieg  mit
Oesterreich  perhorreszierte.  Als  im  Kanonendonner  der
Schlacht  von  Königgrätz  der  entscheidende  Sieg  sich  unserer  Armee
  zuwendete,  da  faßte  ich  sofort  den  späterhin  so  segensreichen
Entschluß,  uns  an  Oesterreich  einen  treuen  und  sicheren
Alliierten  zu  erwerben,  und  bei  den  Friedens-Stipulationen
in  Nikolsburg  wußte  ich  meinen  königlichen  Herrn  dahin  umzustimmen,
  daß  Oesterreich  keine  Demütigung  erfuhr  und
von  einem  beabsichtigten  Anspruche  auf  Oesterreichisch-Schlesien
  Abstand  genommen  wurde.  Wir  durften  bei  dem
besiegten  Oesterreich  keinen  bleibenden  Stachel  zurücklassen,
um  es  uns  zu  ermöglichen,  in  Zukunft  Schulter  an  Schulter
mit  demselben  vorzugehen.  .

Leider  existiert  in  Oesterreich,  vor  Allem  in  Deutsch—
böhmen,  eine  Partei,  welche,  wenn  auch  vorderhand  noch