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15 Gramm wurde des Haarwechsels wegen eingeführt. Zu
den bereits erwähnten Futtermitteln trat die Ackerquecke
hinzu, deren Wurzeln gewaschen, getrocknet und gehäckselt
ein brauchbares Beifutter ergaben. Die Hafervorräte mußten
wiederholt gestreckt werden: die Hartfutterration durfte
nicht mehr wie ein Drittel Hafer enthalten. Dafür konnten
4 Kilogramm frische Kartoffeln für Pferd und Tag verfüttert
werden, bis auch um die Mitte des Jahres infolge
der Knappheit der Vorräte die Verfütterung von Kartoffeln
eingestellt werden mußte. Stroh durfte zum Einstreuen
nicht mehr verwendet werden. Der Gewinnung von Laubheu
wurde noch mehr Beachtung wie bisher geschenkt; alle
Truppengattungen wurden auf die Wichtigkeit des Einsammelno
hingewiesen. Für 100 Kilogramm Laubheu zahlten
die Proviantämter sechzehn Mark. Da die Kriegserfahrungen
gezeigt hatten, daß die verminderte Leistungöfähigkeit der
Pferde auf der Kalkarmut der meisten Ersatzfuttermittel
beruhte, wurde zur Beigabe von lo bis 13 Gramm —
je nach der Art der Pferde — kohlensaurem Kalk zur täglichen
Futterration geschritten.
Im Frühjahr lols wurde die Sammlung von
Baumlaub durch das Kriegsamt in Berlin im ganzen
Reiche organisiert. Die Leitung wurde den Gemeinden und
unteren Verwaltungsbehörden, die Ausführung der Schuljugend
übertragen, die sich mit Hingabe und schönem Erfolge
dieser Tätigkeit unter der Führung der Lehrerschaft widmete.
Die gewaltigen Mengen Baumlaub, die so zusammengetragen
waren, wurden von den Sammelsiellen Fabriken zugeführt,
wo sie getrocknet, gemahlen, mit Melasse vermischt
und zu Laubfutterkuchen gepreßt wurden. Ihre Verwendung
war den Fronttruppen vorbehalten, bei denen sie sich der
leichten Transportierbarkeit wegen großer Beliebtheit erfreuten.
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Einige weniger umfangreiche, aber deshalb nicht weniger
wichtige Arbeitsgebiete der Abteilung II müssen hier noch
gestreift werden.
Die Beköstigungsgeldsätze mußten mehrfach neu
geregelt werden.
Die JZahl der Selbstbeköstiger mußte auf das geringst
mögliche Maß beschränkt werden.
Die friedensmäßige Brotportion von 750 Gramm
für Mann und Tag konnte ohne Not im Februar 1915 auf
5600 Gramm herabhgesetzt werden; für den Rest wurden
3 Pfennige vergütet. Im April la#s fand eine erneute
Herabsetzung auf JOo Gramm und * Pfennig Brotgeld
statt. Zu Ende des Jahres 1916, als die allgemeine Verpflegungslage
sich wesentlich verschlechterte, erschien eine
Erhöhung der Brotportion als wünschenswert, konnte aber
nicht durchgeführt werden. Es wurde versucht, einen Ausgleich
durch Verbesserung der Abendkost zu schaffen. Nur der
rechtzeitigen Herabsetzung der Brotportion auf s0o Gramm
ist es zu verdanken, daß trotz der sich ständig verschlechternden
Wirtschaftslage dieser Satz bis zum Kriegsende aufrecht
erhalten werden konnte.
Besondere Bestimmungen machte die Verpflegung
des Begleitpersonals von Militärgutzügen — Verpflegungs-,
Material-, Munitiono= und Paketzügen —
sowie von Pferdetransporten nötig.
ilitärurlauber waren im Heimatgebiete bezüglich
der Verpflegung grundsätzlich der Zivilbevölkerung gleichgestellt.
Auf die Verpflegung der auf Arbeitskommando
befindlichen Mannschaften, der Hilfodiensipflichtigen,
der im Bereiche der Heeresverwaltung tätigen Frauen
usw. kann hier nicht näher eingegangen werden.
Nicht minder wichtig wie die Aufgabe der Versorgung
der Truppen mit Lebensmitteln war die der Beschaffung
von Bekleidung und Ausrüstung. Auch
diese Aufgabe fiel der Abteilung II zu.
Die Vorkehrungen, die für den Fall eines Krieges von
der Heeresverwaltung getroffen worden waren, bestanden
in der Lagerung von ungeheuren Mengen von Bekleidungsund
Auerüstungsgegenständen bei den Truppen selbst und
den Bezirkokommandos, sowie in dem Abschluß von großzügigen
Lieferungsverträgen.
Alle diese Maßnahmen konnten nicht verhindern, daß
schon nach den ersten Kriegojahren sich empfindlichster
Mangel geltend machte. Niemand darf dieser Umstand als
Schuld zugerechnet werden. Eine derartige Zahl von Neuformationen,
wie sie der Krieg erforderte, war ebensowenig
vorauszusehen, wie seine lange Dauer.
Das Bestreben der Beschaffungsstellen, sich möglichst
rasch und für möglichst lange Zeit mit Stoffen einzudecken,
führte zunächst zu Uberbietungen und zu Preistreibereien,
die durch den Zwischenhandel noch verstärkt wurden. Die
Stoffbeschaffung wurde deshalb in die Hand von Zentralbeschaffungsstellen
gelegt, Richt= und Höchstpreise wurden
festgesetzt und als letzte, durchgreifende Maßregel wurde
zur Beschlagnahme geschritten. Das Bebleidungs-Beschaffungsamt
in Berlin wurde die Zentralstelle für die Beschaffung
des gesamten Heeresbedarfo mit geringen Ausnahmen,
deren Beschaffung besonderen Stellen übertragen
wurde. Den Vorschriften über Höchstpreise und Beschlagnahme
wurden mit der Zeit die wichtigsten Stoffe der
Ausrüstungs= und Bekleidungoindusirie unterworfen, als
Tuche, Leinen= und Baumwollstoffe, Leder und Metalle.
Aber nicht genug damit; um auch die bei der Verarbeitung
entstehenden Abfälle noch nutzbar zu machen, wurden auch
diese beschlagnahmt und gesammelt.
Ebenso, wie der Mangel an gewissen Stoffen bei der
Versorgung mit Lebenomitteln zur Aufschließung und ausgiebigen
Verwendung von Ersatzstoffen führte,
mußte auch hier manches selten werdende Material durch
häufiger vorkommendes ersetzt werden. Was im allgemeinen
ohne Schaden für den zu erreichenden Gewinn
geschehen konnte. Nur einige Beispiele mögen hier Platz
finden. So verwandte man an Stelle der wertvollen Tuche
mit Erfolg Kunstwolle; Leinenstoffe wurden möglichst durch
Papiergewebe ersetzt, für deren Erzeugung die Einrichtung
einer besonderen Industrie sich notwendig machte. Leder
mußte durch Papierstoffe, Kunstleder und, wo angängig,
Holz gestreckt werden. Edle Metalle, wie Kupfer und Aluminium,
wurden nach Möglichkeit durch weniger wertvolle
ersetzt.
Ein während des Krieges in Chemnitz eingerichtetes
Bekleidungs-Instandsetzungsamt besorgte das
Waschen, Entlausen und Reparieren der von der Front
zurückgekommenen und von den Heimattruppen eingelieferten
beschädigten Kleidungsstücke.
Die Nohstoffknappheit hatte nicht nur ein Sinken der
Menge erzeugter Fertigfabrikate zur Folge, sondern führte
auch auf vielen Gebieten Arbeitslosigkeit herbei, deren Steuerung
die Kriegoministerien sich angelegen sein lassen mußten.
Um dem bürgerlichen Handwerk Arbeit zuzuführen, wurde
die Arbeitszeit bei den Schuhmacher= und Schneiderbetrieben
der Bekleidungsämter eingeschränkt und die Arbeitsmengen
begrenzt. Außerdem wurde eine Schneiderwerkstatt bei jedem
Kriego-Bekleidungsamt aufgelöst. Schuhfabriken wurden
teils stillgelegt, teils zusammengelegt, um die Betriebskosten
zu verringern. Der Uberwachungsausschuß der Schuhindustrie
verteilte hier die Arbeit. Auch die Heeresnäharbeiten
wurden nach dem Verhältnis zwischen Arbeiterzahl
und Arbeitsmenge im ganzen Reiche gleichmäßig verteilt.
Für diesen Zweck wurde eine Ausgleichstelle beim preußischen
Kriegoministerium eingerichtet. Sachsen hatte dadurch den
großen Vorteil, das ihm die Arbeitsmengen zugewiesen
werden konnten, die ihm bei der bisherigen Wirtschaftsweise
entgangen wären.