— Unser Pommerland
in der Burg zu Kammin trinkt man keinen Wein
von dieser Güte. Wohl bekomme es allen! Ich
trinke auf die Freiheit des Pommernlandes. Tod
allen seinen Feinden!“
„Tod alien seinen Feinden!“
einer Seimme zurück, dann sprach ein
seltenen, neuen Getränke zu.
Nachdem man die Becher abgesetzt hatie, herrschte
einige Augenblicke ltiefe Stille. Man sah, wie ein
jeder noch unler dem Eindruck des hohen Genusses
stand, den der Wirt allen bereitet hatte. Dieser
stand, wohlgefällig lächelnd, vor seinem Sessel und
schien ganz in der Genugtuung aufzugehen, seinen
Gästen eine außergewöhnliche Annehmlichkeit bereiklang
es wie mit
jeder dem
tet zu haben. Endlich schlug Herr Radeslav von
Schleffin# in seiner derben Art mit der Faust auf
den Tisch und rief, noch mit der Zunge schnalzeud:
„Alle guten Gätter!" Das nenn ich ein
Tröpflein! Mir blieb beim Nachleck schier die
Zunge vor der Schnauze kleben. Eines solchen
Weines braucht sich wahrhaftig kein Fürst zu schämen.
Dagegen ist mein Pflaumenschnaps ja der
reine Rachenkratzer.“
Alles lachte über den Vergleich des wortkräftigen,
beliebten alten Herrn, und mancher nahm die
Gelegenheit wahr, schnell einen weiteren Schlurf
von dem köstlichen Naß zu tun. Da richtele Herr
Below von Medewitz die Frage an den Hausherrn,
wie sich dies herrliche Getränk benenne und von
wem er es bezogen habe. „Ich frage selbstverständlich
nur, um meine Kenntnisse zu bereichern,“ fügte
er hinzu, „denn so ein armer Honigbauer, wie ich
es bin, kann den jedenfalls erschrecklich hohen Preis
für ein so großes Gemäß so edlen Stoffes nicht
erschwingen.“
Während bei Herrn Belows letzten Worten das
eine oder andere Auge mit verstohlenem Blinzeln
in freudiger Erwartung der noch bevorstehenden
Trinkfreuden die Größe des Fasses maßs, erklärte
Herr Sambor dem Fragenden, daß der Wein den
Namen „Göttertrank“ führe und aus Griechenland
stamme. Erstanden habe er ihn von dem reichen
Kaufmenn Dobrislav in Steitin, der ihn selbst
wiederun von einem Handelsherrn aus Humneta
gekauft habe, als diese Stadt noch nicht den räuberischen
Dänen zum Opfer gefallen war. Erklärend
fügte er noch hinzu: „Je länger ein solch guter
Wein lagert, desto wohlschmeckender und duftender
wird er."“
Nachdem Herr Sambor die begehrte Auskunft
erteilt hatte, trank er seinen Gästen abermals zu,
indem er bemerkle, es möge niemand sich zurückhaltend
zeigen, von der Trinktafel bis zur Schlafstätte
seien es ja nur ein paar Schritte und auch
die älteren Herrn hältten nicht nötig, eine Treppe
zu steigen, für sie sei im gleichen Geschoß das Lager
bereitet. „Trinkt also, so lange es euch schmeckt,
meine Herren!“ schloß er seine Ansprache. „Noch
sind wir ja die Herren und können uns einen so
guten Tropsen leisten. Wenn wir erst einmal auf
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Bauernhufen gesetzt sind, so wird uns ein solcher
in Wahrheit seines Namens würdiger Götlertrank
nicht mehr durch die Kehle rinnen. Denn, wie unser
Freund Below richtig vermutet, ist das Jäßlein
nicht für ein Joch Ochsen zu haben.“
„Und das ganze Joch Ochsen dürfen wir versaufen?“
fragte mit bereits unsicherer Stimme der
junge Herr Jalzo, und dabei legte er die Hand an
die Augenbrauen, um das wonnespendende Faß besser
zu betrachten und sich an seinem Anblick zu
weiden.
Der Spender des edlen Trankes lächelte belustigt,
während er antwortete: „Bis zum letzten
Schwanzhaar, mein lieber Jakzo. Was Sambor
seinen Freunden gibt, gibt er gern, und wenn er
gibt, ist er kein Knauser.“
Dabei aber schien es, als ob für den Augenblick
ein flüchtiger Schatten der Besorgnis über
Herrn Sambors Auge huschte, das mit prüfendem
Blick die Tischgesellschaft musterte. Doch in dem
gleichen Augenblick glitt wiederum das alte Lächeln
über seine Züge, als plötzlich Herr Borant
sich von seinem Sessel erhob und für wenige Augenblicke
sich Gehör erbat.
Als nach einigem Bemühen die Ruhe hergestellt
war, sprach der Karnitzer Herer: „Liebe Freundel
Es ist von unserem freigebigen Wirte ja außerordentlich
liebenswürdig, daß er als Krönung des
Festes uns ein so herrliches Getränk beschert, das
ich für meinen Teil alle Tage zu mir nehmen
möchte. Aber ich meine, das Faß läuft uns nicht
aus dem Saale und es wäre angebracht, zunächst
umsere Angelegenheit die wir soeben verhandelten,
zu Ende zu führen. Es will mir fast scheinen, als
ob unser liebenswürdiger Wirt uns mit diesem kostbaren
Geschenke nur auf andere Gedanken bringen
wolle. Aber selbst gegen einen so teuren Kaufpreis
lassen wir ihn, wie ich meine, nicht los. Schließlich
wiegt doch unsere und unserer Nachkommen
Zukunft mehr als ein Faß selbst vom edelsten
Weine. Herr Sambor hat vorhin angedeutet, daß
es zum Handeln noch nicht zu spät sei, und so
wollen wir ihn, zumal er durch seinen Bruder mit
den Verhältnissen und der Stimmung am Fuürstenbofe
vertraut ist, hiermit allen Ernstes fragen, wie
er sich die Möglichkeit, der drohenden Gefahr zu
entrinnen, denkt.“
Wenn nun auch einzelne Stimmen laut wurden,
die da meinten, man möge die Sache auf spätere
Zeit verschieben, so unterstützte dennoch die Mehrbeit
Herrn Borants Anregung, und der Wirt wurde
stürmisch aufgefordert, seine Gedanken zu entwickeln.
Herr Sambor sträubte sich zwar anscheinend
kurze Zeit, dann aber nahm er auf anhaltendes
Drängen seiner Gäste das Wort und begann: „Da
es denn allseitiger Wunsch zu sein scheint, daß ich
euuch meine unmaßgebliche Meinung anvertraue, so
will ich mich eurem Willen nicht entziehen. Jedoch
nur unter der Bedingung werde ich unsere Sache