Full text : Unser Pommernland. 3. Jahrgang 1915/16. (3)

—  Unser  Pommerland

in  der  Burg  zu  Kammin  trinkt  man  keinen  Wein
von  dieser  Güte.  Wohl  bekomme  es  allen!  Ich
trinke  auf  die  Freiheit  des  Pommernlandes.  Tod
allen  seinen  Feinden!“

„Tod  alien  seinen  Feinden!“
einer  Seimme  zurück,  dann  sprach  ein
seltenen,  neuen  Getränke  zu.

Nachdem  man  die  Becher  abgesetzt  hatie,  herrschte
einige  Augenblicke  ltiefe  Stille.  Man  sah,  wie  ein
jeder  noch  unler  dem  Eindruck  des  hohen  Genusses
stand,  den  der  Wirt  allen  bereitet  hatte.  Dieser
stand,  wohlgefällig  lächelnd,  vor  seinem  Sessel  und
schien  ganz  in  der  Genugtuung  aufzugehen,  seinen
Gästen  eine  außergewöhnliche  Annehmlichkeit  bereiklang

  es  wie  mit
jeder  dem

tet  zu  haben.  Endlich  schlug  Herr  Radeslav  von
Schleffin#  in  seiner  derben  Art  mit  der  Faust  auf
den  Tisch  und  rief,  noch  mit  der  Zunge  schnalzeud:
  „Alle  guten  Gätter!"  Das  nenn  ich  ein
Tröpflein!  Mir  blieb  beim  Nachleck  schier  die
Zunge  vor  der  Schnauze  kleben.  Eines  solchen

Weines  braucht  sich  wahrhaftig  kein  Fürst  zu  schämen.
  Dagegen  ist  mein  Pflaumenschnaps  ja  der
reine  Rachenkratzer.“

Alles  lachte  über  den  Vergleich  des  wortkräftigen,
  beliebten  alten  Herrn,  und  mancher  nahm  die
Gelegenheit  wahr,  schnell  einen  weiteren  Schlurf
von  dem  köstlichen  Naß  zu  tun.  Da  richtele  Herr
Below  von  Medewitz  die  Frage  an  den  Hausherrn,
wie  sich  dies  herrliche  Getränk  benenne  und  von
wem  er  es  bezogen  habe.  „Ich  frage  selbstverständlich
  nur,  um  meine  Kenntnisse  zu  bereichern,“  fügte
er  hinzu,  „denn  so  ein  armer  Honigbauer,  wie  ich
es  bin,  kann  den  jedenfalls  erschrecklich  hohen  Preis
für  ein  so  großes  Gemäß  so  edlen  Stoffes  nicht
erschwingen.“

Während  bei  Herrn  Belows  letzten  Worten  das
eine  oder  andere  Auge  mit  verstohlenem  Blinzeln
in  freudiger  Erwartung  der  noch  bevorstehenden
Trinkfreuden  die  Größe  des  Fasses  maßs,  erklärte
Herr  Sambor  dem  Fragenden,  daß  der  Wein  den
Namen  „Göttertrank“  führe  und  aus  Griechenland
stamme.  Erstanden  habe  er  ihn  von  dem  reichen
Kaufmenn  Dobrislav  in  Steitin,  der  ihn  selbst
wiederun  von  einem  Handelsherrn  aus  Humneta
gekauft  habe,  als  diese  Stadt  noch  nicht  den  räuberischen
  Dänen  zum  Opfer  gefallen  war.  Erklärend
fügte  er  noch  hinzu:  „Je  länger  ein  solch  guter
Wein  lagert,  desto  wohlschmeckender  und  duftender
wird  er."“

Nachdem  Herr  Sambor  die  begehrte  Auskunft
erteilt  hatte,  trank  er  seinen  Gästen  abermals  zu,
indem  er  bemerkle,  es  möge  niemand  sich  zurückhaltend
  zeigen,  von  der  Trinktafel  bis  zur  Schlafstätte
  seien  es  ja  nur  ein  paar  Schritte  und  auch
die  älteren  Herrn  hältten  nicht  nötig,  eine  Treppe
zu  steigen,  für  sie  sei  im  gleichen  Geschoß  das  Lager
  bereitet.  „Trinkt  also,  so  lange  es  euch  schmeckt,
meine  Herren!“  schloß  er  seine  Ansprache.  „Noch
sind  wir  ja  die  Herren  und  können  uns  einen  so
guten  Tropsen  leisten.  Wenn  wir  erst  einmal  auf

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Bauernhufen  gesetzt  sind,  so  wird  uns  ein  solcher
in  Wahrheit  seines  Namens  würdiger  Götlertrank
nicht  mehr  durch  die  Kehle  rinnen.  Denn,  wie  unser
  Freund  Below  richtig  vermutet,  ist  das  Jäßlein
  nicht  für  ein  Joch  Ochsen  zu  haben.“

„Und  das  ganze  Joch  Ochsen  dürfen  wir  versaufen?“
  fragte  mit  bereits  unsicherer  Stimme  der
junge  Herr  Jalzo,  und  dabei  legte  er  die  Hand  an
die  Augenbrauen,  um  das  wonnespendende  Faß  besser

  zu  betrachten  und  sich  an  seinem  Anblick  zu
weiden.
Der  Spender  des  edlen  Trankes  lächelte  belustigt,

  während  er  antwortete:  „Bis  zum  letzten
Schwanzhaar,  mein  lieber  Jakzo.  Was  Sambor
seinen  Freunden  gibt,  gibt  er  gern,  und  wenn  er
gibt,  ist  er  kein  Knauser.“

Dabei  aber  schien  es,  als  ob  für  den  Augenblick
  ein  flüchtiger  Schatten  der  Besorgnis  über
Herrn  Sambors  Auge  huschte,  das  mit  prüfendem
Blick  die  Tischgesellschaft  musterte.  Doch  in  dem
gleichen  Augenblick  glitt  wiederum  das  alte  Lächeln
  über  seine  Züge,  als  plötzlich  Herr  Borant
sich  von  seinem  Sessel  erhob  und  für  wenige  Augenblicke
  sich  Gehör  erbat.

Als  nach  einigem  Bemühen  die  Ruhe  hergestellt
war,  sprach  der  Karnitzer  Herer:  „Liebe  Freundel
Es  ist  von  unserem  freigebigen  Wirte  ja  außerordentlich
  liebenswürdig,  daß  er  als  Krönung  des
Festes  uns  ein  so  herrliches  Getränk  beschert,  das
ich  für  meinen  Teil  alle  Tage  zu  mir  nehmen
möchte.  Aber  ich  meine,  das  Faß  läuft  uns  nicht
aus  dem  Saale  und  es  wäre  angebracht,  zunächst
umsere  Angelegenheit  die  wir  soeben  verhandelten,
zu  Ende  zu  führen.  Es  will  mir  fast  scheinen,  als
ob  unser  liebenswürdiger  Wirt  uns  mit  diesem  kostbaren
  Geschenke  nur  auf  andere  Gedanken  bringen
wolle.  Aber  selbst  gegen  einen  so  teuren  Kaufpreis
lassen  wir  ihn,  wie  ich  meine,  nicht  los.  Schließlich
  wiegt  doch  unsere  und  unserer  Nachkommen
Zukunft  mehr  als  ein  Faß  selbst  vom  edelsten
Weine.  Herr  Sambor  hat  vorhin  angedeutet,  daß
es  zum  Handeln  noch  nicht  zu  spät  sei,  und  so
wollen  wir  ihn,  zumal  er  durch  seinen  Bruder  mit
den  Verhältnissen  und  der  Stimmung  am  Fuürstenbofe
  vertraut  ist,  hiermit  allen  Ernstes  fragen,  wie
er  sich  die  Möglichkeit,  der  drohenden  Gefahr  zu
entrinnen,  denkt.“

Wenn  nun  auch  einzelne  Stimmen  laut  wurden,
die  da  meinten,  man  möge  die  Sache  auf  spätere
Zeit  verschieben,  so  unterstützte  dennoch  die  Mehrbeit
  Herrn  Borants  Anregung,  und  der  Wirt  wurde

stürmisch  aufgefordert,  seine  Gedanken  zu  entwickeln.

Herr  Sambor  sträubte  sich  zwar  anscheinend

kurze  Zeit,  dann  aber  nahm  er  auf  anhaltendes
Drängen  seiner  Gäste  das  Wort  und  begann:  „Da
es  denn  allseitiger  Wunsch  zu  sein  scheint,  daß  ich
euuch  meine  unmaßgebliche  Meinung  anvertraue,  so
will  ich  mich  eurem  Willen  nicht  entziehen.  Jedoch
nur  unter  der  Bedingung  werde  ich  unsere  Sache