Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1908. (35)

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Artikel  103.

1  Jeder  Vorgesetzte  ist  befugt,  den  ihm  untergebenen  Beamten  mündlich  oder  schriftlich
Ermahnungen  oder  Warnungen  zu  erteilen.
2  Wer  als  Vorgesetzter  zu  erachten  ist,  wird  durch  die  Dienstvorschriften  bestimmt.

Artikel  104.

1.  Die  vorgesetzten  Dienstbehörden  sind  befugt,  einem  Beamten  für  den  Fall,  daß  er  ein
Amtsgeschäft  nicht  innerhalb  einer  bestimmten  Frist  erledigt,  die  Absendung  eines  Wartboten
auf  seine  Kosten  oder  Zwangsstrafen  anzudrohen,  die  für  den  gleichen  Anlaß  den  Gesamtbetrag
von  fünfzig  Mark  nicht  übersteigen  dürfen.  Nach  fruchtlosem  Ablaufe  der  Frist  kann  die
Androhung  ohne  weiteres  verwirklicht  werden.

2  Die  vorgesetzten  Dienstbehörden  sind  auch  befugt,  einem  säumigen  Beamten  auf  seine
Kosten  zur  Erledigung  rückständiger  Amtsgeschäfte  eine  Geschäftsaushilfe  beizugeben.

3  Die  Zwangsstrafen  werden  den  Wohlfahrtseinrichtungen  für  die  Beamten  zugewendet.

B.  Dienststrafrecht  für  unwiderrufliche  aktive  Beamte.
1.  Dienstvergehen  und  DMienststrafen.
Artikel  105.

Ein  Beamter,  der  die  ihm  obliegenden  Pflichten  schuldhaft  verletzt,  macht  sich  eines
Dienstvergehens  schuldig.
Artikel  106.
Die  Dienststrafen  sind:
1.  Ordnungsstrafen;
2.  Disziplinarstrafen.
Artikel  107.
1  Die  Ordnungsstrafen  sind:
1.  Verweis;
2.  Geldstrafe  bis  zum  Betrage  des  einmonatigen  Gehalts.
2  Der  Hoöchstbetrag  der  Geldstrafe  darf  auch  beim  Zusammenflusse  mehrerer  Dienstvergehen
  nicht  überschritten  werden.
3.  Die  Geldstrafen  werden  den  Wohlfahrtseinrichtungen  für  die  Beamten  zugewendet.

Artikel  108.
Die  Disziplinarstrafen  sind:
1.  Strafversetzung;
2.  Dienstentlassung.