Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1912. (39)

Nr.  28.  443

8  134  (122).

(1)  Während  der  Dauer  der  polizeilichen  Beobachtung  darf  ein  Wechsel  des  Standorts
der  Tiere  ohne  distriktspolizeiliche  Genehmigung  nicht  stattfinden.  Im  Falle  eines  Wechsels
ist  die  Beobachtung  an  dem  neuen  Standort  fortzusetzen.

(2)  Wenn  die  Erlaubnis  zur  Überführung  der  Tiere  in  einen  anderen  Polizeibezirk
erteilt  wird,  so  muß  die  Distriktspolizeibehörde  —  für  außerbayerische  Gebietsteile  des
Deutschen  Reichs  die  Ortspolizeibehörde  —  des  Bestimmungsorts  zur  Fortsetzung  der  Beobachtung
von  dem  bevorstehenden  Eintreffen  der  Tiere  rechtzeitig  benachrichtigt  werden.  Sie  hat  sich
von  dem  Eintreffen  der  Tiere  zu  vergewissern  und  veranlaßtenfalls  über  den  Verbleib  Ermittlungen
  anzustellen.

§  135  (123).

(1)  Die  Benutzung  und  der  Weidegang  der  unter  polizeiliche  Beobachtung  gestellten
Tiere  sind  gestattet.  Der  Besitzer  der  Tiere  oder  sein  Vertreter  hat  jedoch  von  dem  Auftreten
  von  Krankheitserscheinungen,  die  den  Ausbruch  der  Tollwut  befürchten  lassen,  der
Ortspolizeibehörde  ungesäumt  Anzeige  zu  erstatten.  Die  Ortspolizeibehörde  hat  die  Anzeige
so  rasch  als  möglich,  tunlichst  telegraphisch  oder  telephonisch,  an  die  Distriktspolizeibehörde
weiterzugeben.  Im  übrigen  ist  nach  §  131  zu  verfahren.

(2)  Das  Schlachten  der  unter  polizeiliche  Beobachtung  gestellten  Tiere  ist  gestattet
(ogl.  jedoch  S§  137).  Im  Falle  der  Schlachtung  sind  Körperteile,  an  denen  sich  verdächtige
Wunden  oder  Narben  befinden,  unschädlich  zu  beseitigen.

IV.  Maßregeln,  die  bei  Tollwut  aller  Arten  von  Tieren  Anwendung  zu  finden  haben.
§  136  (124).
Vor  polizeilichem  Einschreiten  dürfen  bei  wutkranken  oder  der  Seuche  verdächtigen  Tieren
keinerlei  Heilversuche  angestellt  werden.

§  137  (125).

Das  Schlachten  wutkranker  oder  der  Seuche  verdächtiger  Tiere  und  jeder  Verkauf
oder  Verbrauch  einzelner  Teile,  der  Milch  oder  sonstiger  Erzeugnisse  solcher  Tiere  sind  verboten.


§  138  (1206).

(1)  Die  Kadaver  der  gefallenen  oder  getöteten  wutkranken  oder  der  Seuche  verdächtigen
Tiere  müssen  sofort  unschädlich  beseitigt  werden.

(2)  Das  Abhäuten  solcher  Kadaver  ist  verboten.

(3)  Die  Zerlegung  der  Kadaver  darf  nur  von  Tierärzten  oder  unter  ihrer  Leitung

vorgenommen  werden.
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